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Donnerstag, 07.12.2017

Beim nächsten Mal geht's in den Knast

Ein Großenhainer verfolgt seine Ex-Partnerin hartnäckig mit obszönen Kurzmittelungen – er bekommt ein Jahr Bewährung.

Von Manfred Müller

SMS können mehr als nur nerven.
SMS können mehr als nur nerven.

© Symbolbild/dpa

Großenhain. Es kommt sehr selten vor, dass ein Gericht beim Tatbestand der Beleidigung eine Freiheitsstrafe ausspricht. Aber irgendwann platzt selbst dem nachsichtigsten Richter der Kragen. So im Falle eines Großenhainers, der seine Ex-Freundin per Kurznachricht auf übelste Weise beschimpfte. Beschimpfen ist eigentlich ein zu schwaches Wort. Denn der gelernte Heizungsmonteur goss regelrechte verbale Schmutzkübel – meist sexuellen Inhalts – über der Betroffenen aus.

Seitenweise verliest die Staatsanwältin, was er nachweislich an die Frau, ihren Bruder und ihren neuen Partner verschickte, und im Verhandlungssaal der Riesaer Amtsgerichts verziehen die Besucher angewidert ihr Gesicht. „Mistvieh“, „Hure“ und „Drecksau“ sind noch die zahmsten Begriffe.

Noch schlimmer aber: Der Delinquent stand wegen der gleichen Sache bereits mehrfach vor Gericht. Das ließ immer wieder Milde walten – wohl auch, weil aus den Tiraden die Enttäuschung eines Mannes spricht, der von seiner Partnerin verlassen wurde. Es gab Verfahrens-Einstellungen gegen die Auflage, dass, der Großenhainer – nennen wir ihn Reinhold – jeglichen Kontakt zu seiner Ex vermeidet. Daran hielt sich der Angeklagte auch meist, aber eben nur für die Zeit, die das Gericht verfügt hatte. Dann begann er erneut, sie mit Nachrichten zu traktieren. Insgesamt 54 obszöne Beschimpfungen werden diesmal verhandelt – abgesandt zwischen März und September dieses Jahres.

Für Richter Herbert Zapf ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht. Er macht dem Angeklagten bereits zu Beginn der Verhandlung klar, dass er diesmal mit einer Freiheitsstrafe rechnen muss. Da hilft es auch nicht, dass Reinhold meist betrunken war, wenn er seine Ex-Partnerin verbal belästigte. Was er denn diesmal für eine Erklärung für sein Verhalten habe, fragt Zapf leicht süffisant. Reinhold führt als Entschuldigung eine körperliche Auseinandersetzung an, die er mit dem Bruder seiner Ex hatte. Dieser soll ihn, so behauptet der Angeklagte, mit einem Teleskopschlagstock niedergestreckt haben. Das und die Trennung von seiner damaligen Lebensgefährtin hätten ihn nachhaltig traumatisiert.

Wahrscheinlicher ist aber, dass sich der Delinquent einfach nicht im Griff hat. Seine Ex-Gefährtin hatte es schon in einer früheren Verhandlung prophezeit: Wenn er nicht befürchten müsse, in den Knast einzurücken, werde er wieder anfangen, sie zu belästigen. Und genau das trat dann auch ein. Mit der Milde des Gerichts ist es aber nun vorbei. Herbert Zapf verurteilt Reinhold zu einem Jahr Freiheitsentzug, ausgesetzt auf eine Bewährungszeit von zwei Jahren. Damit er sich in dieser Zeit an seine Verfehlungen erinnert, muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und überdies 500 Euro Strafe abstottern. Die Zeit, um seine Arbeitsstunden zu leisten, dürfte Reinhold haben, da er zurzeit arbeitslos ist. Das Geld aufzubringen, wird ihm mit Sicherheit schwerer fallen. Überdies verfügt das Gericht, dass der Ex-Großenhainer, der mittlerweile ins Brandenburgische umgezogen ist, sich zwingend einer Suchtdiagnostik unterziehen muss. Denn der enthemmte Ton seiner Kurzmitteilungen und die ebenso wüste Grammatik deuten darauf hin, dass er beim Schreiben ziemlich stark unter Alkoholeinfluss stand. Im nüchternen Zustand hingegen traut man dem Angeklagten den Schmutz, der da aus ihm herausquoll, gar nicht zu.

Er entschuldigt sich sogar formvollendet bei der Staatsanwältin für die Zumutung, die das Verlesen der Anklageschrift für sie darstellen muss. Aber das ist leider nur das Gesicht, das Reinhold in der Öffentlichkeit zeigt. Die Kurzmitteilungs-Protokolle und die Hartnäckigkeit, mit der er seine Ex verfolgt, besagen etwas anderes. Richter Herbert Zapf fragt den Delinquenten nach der Urteilsverkündung noch einmal eindringlich, ob er verstanden habe, was ihm blüht, wenn auch nur eine einzige beleidigende Nachricht absendet. Dann wandere er unwiderruflich in den Knast. Er müsse sich darüber im Klaren sein, dass er seine Ex und ihre Angehörigen nun für alle Zeit in Ruhe zu lassen habe. Die können nur hoffen, dass die Bewährungszeit ausreicht, um Reinhold von seiner unheilvollen Leidenschaft abzubringen.