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Freitag, 13.04.2018

Bei ihr ist Ja-Sagen erwünscht

Claudia Bochnigk nimmt den Heiratswilligen in Roßwein jetzt das Eheversprechen ab – und sie schickt Urkunden in alle Welt.

Von Heike Heisig

Claudia Bochnigk ist jetzt die erste Standesbeamtin der Stadt Roßwein. Sie hat nach 30 Jahren in diesem Amt und rund 950 Trauungen Petra Braune abgelöst. Nur freudige Momente gibt es in dem Amt allerdings nicht.
Claudia Bochnigk ist jetzt die erste Standesbeamtin der Stadt Roßwein. Sie hat nach 30 Jahren in diesem Amt und rund 950 Trauungen Petra Braune abgelöst. Nur freudige Momente gibt es in dem Amt allerdings nicht.

© André Braun

Roßwein. Egal, ob es eine verrückte Hochzeit im Biker-Stil oder eine traditionelle mit Kutsche und weißem Brautkleid werden soll – eines brauchen alle Heiratswilligen: einen Standesbeamten, der sie traut. In Roßwein liegt diese Aufgabe seit 1. April vorerst allein in den Händen von Claudia Bochnigk. Sie hat Petra Braune abgelöst, die 30 Jahre lang Standesbeamtin in Roßwein war und rund 950 Paaren die entscheidende Frage gestellt hat.

Völlig neu ist die Aufgabe für Claudia Bochnigk nicht. „Ich bin seit 1990 in der Stadtverwaltung Roßwein tätig, über viele Jahre in der Kämmerei“, erzählt sie. Die Arbeit mit den Zahlen habe ihr Spaß gemacht – genau wie der neue Aufgabenbereich. Den zu übernehmen, darauf habe sie sich seit 2009 mit dem Besuch der Fachschule in Bad Salzschlirf vorbereitet, der einzigen in Deutschland, an der Mitarbeiter von Meldeämtern und Standesämtern aus- und weitergebildet werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss hat Claudia Bochnigk Petra Braune schon vertreten, wenn diese im Urlaub oder bei Krankheit zu ersetzen war.

Statt mit Zahlen in der Kämmerei hat sie es nun mit Heiratswilligen und Urkunden zu tun, und zwar „sehr, sehr gern“, gibt die Standesbeamtin unumwunden zu. Die nächste Nachrückerin, also ihre Vertretung, wird gerade eingearbeitet. Es ist Nadine Tändler aus dem Meldamt, die ebenfalls schon die Schule in Bad Salzschlirf absolviert hat. Bevor sie allerdings die erste Trauung organisieren und vornehmen darf, muss sie nach einer Einarbeitszeit noch vom Stadtrat als Standesbeamtin berufen werden. Wenn Hauptamtsleiterin Michaela Neubert aus ihrer krankheitsbedingten Auszeit zurück ist, dann ist Roßwein mit drei berufenen Standesbeamtinnen für alle Fälle gewappnet.

Zwischen 35 und 40 Trauungen stehen übers Jahr verteilt in Roßwein an. So war es in letzter Zeit. Ändern kann sich das mit dem dritten „Trauzimmer“, das es seit März 2017 auf dem Sonnenhof in Ossig gibt. Daneben steht für Eheschließungen noch das bekannte Trauzimmer im Rathaus selbst und die sogenannte Tonne im Heimatmuseum, ebenfalls im Rathausgebäude, zur Verfügung. Die Tonne wird vom Heimatverein betreut und von ihm vermietet. Ebenso verhält es sich mit den Räumen im Sonnenhof. „Die sind bei Brautleuten beliebt, weil die Wege zwischen Standesamt und Feier kurz sind“, berichtet sie von den bisherigen Erfahrungen. Aber auch nur die Trauungszeremonie könne in Ossig gestaltet werden – je nachdem, wie es die Brautleute wünschten. „Mit den drei unterschiedlichen Örtlichkeiten können wir das Passende für kleine, mittlere und auch schon etwas größere Gesellschaften bieten“, schätzt Claudia Bochnigk ein.

Zwei bis höchstens drei Paare kann sie an einem Tag unter die sprichwörtliche Haube bringen. Mehr ist durch Vor- und Nachbereitungen, gegebenenfalls auch noch den Ortswechsel, nicht zu schaffen. Doch Stress ist auch nicht angesagt. Termine, an denen die Leute Schlange stehen, um heiraten zu können, gibt es derzeit nicht. Trotzdem wollen die Roßweiner in Roßwein heiraten. 35 Anmeldungen liegen für dieses Jahr schon vor, vier Paare haben sich bereits in den ersten Monaten 2018 das Ja-Wort gegeben. Weitere Anmeldungen gehen im Laufe des Jahres ganz sicher noch ein. Dabei ist es nicht immer mehr nur der Sonnabend, der bei den Brautleuten gefragt ist. „Der Sonnabend ist zwar beliebt, aber die Paare reservieren sich zunehmend auch einen Tag in der Woche, und zwar an einem Datum, zu dem sie eine besondere Verbindung haben“, erzählt Claudia Bochnigk. Für die Brautleute nimmt sie sich viel Zeit, nicht nur, um sämtliche Formalitäten zu erledigen. Für jedes Paar gibt es eine eigene Rede – weil jedes eben auch eine andere „Geschichte“ hat.

Mit den Hochzeiten ist der Alltag der Standesbeamtin aber längst nicht gefüllt. In Beratungen geht es um mögliche Vornamen bei Geburten, Familiennamen bei der Eheschließung oder die Wiederannahme von Namen nach Scheidungen. Männer wollen im Standesamt zur Anerkennung der Vaterschaft beraten werden. „Außerdem beurkunden wir alles, von der Hausgeburt in Roßwein über die Hochzeit und den Todesfall“, sagt Claudia Bochnigk. Auch Auslandsgeburten, manchmal noch Jahre später, wollen Roßweiner Familien beurkundet haben. Personenstandsbücher müssen fortgeführt werden. Vor ein paar Jahren hat die Bücher ein elektronisches Register abgelöst. Das ist wie die Bücher in Papierform genauso auf aktuellem Stand zu halten. Überhaupt nimmt das Online-Geschäfte auch im Standesamt zu. Über das Behördenportal können Leute in Berlin, Tokio oder Moskau Urkunden im Standesamt in Roßwein anfordern. Das geht auch noch per Mail oder auf herkömmliche Weise per Brief. Nur am Telefon können keine Unterlagen geordert werden.