Mittwoch, 28.11.2012

Bei Bombardier in Görlitz rollt Produktion wieder an

Die Deutsche Bahn investiert kräftig in neue Züge. Nicht nur dieser Auftrag sorgt in Görlitz wieder für gute Geschäfte.

Von Anett Böttger

Doppelstockwagen der Modellreihe «Do 2003» für die DB Regio Hessen GmbH stehen in Görlitz beim kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation zur Auslieferung bereit. Foto: dpa
Doppelstockwagen der Modellreihe «Do 2003» für die DB Regio Hessen GmbH stehen in Görlitz beim kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation zur Auslieferung bereit. Foto: dpa

Görlitz. Für Bombardier Transportation in Görlitz ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht: Nach einer längeren Durststrecke nimmt die Produktion allmählich wieder Fahrt auf. In dem ostsächsischen Werk des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers läuft bis Ende 2012 eine Welle der Kurzarbeit aus. Ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres wird der Standort wieder nahezu komplett ausgelastet sein. „Bis Ende 2014 haben wir genügend Arbeit“, sagt der Görlitzer General-Manager Eduard Janßen. Dafür sorgen Aufträge der Deutschen Bahn, der Schweizer Bundesbahn und der Israelischen Staatsbahn.

Angesichts der wieder gefüllten Auftragsbücher werde sich das Görlitzer Werk sogar Leiharbeiter bestellen müssen. „Mit Sicherheit nicht wenige“, so Janßen. Zudem sucht Bombardier dringend Softwarespezialisten und Experten für Fahrzeugsicherheit - für etwa 80 unbesetzte Ingenieursstellen in Görlitz.

Seit April dieses Jahres gab es in Teilen des Betriebes Kurzarbeit, doch langsam kehrten die Kollegen in die Produktion zurück, berichtet Janßen. „Im November sind noch etwa 180 der rund 1.400 Beschäftigten davon betroffen.“ Mit Hochdruck arbeiteten dagegen Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung, etwa an aktuellen Projekten wie dem ICx. In Kooperation mit der Siemens AG baut Bombardier die Nachfolgegeneration für den Hochgeschwindigkeitszug ICE. Janßen spricht dabei von „hoher Ingenieurkunst“. „Das sind Anforderungen wie im Flugzeugbau“, schätzt der Standortleiter ein.

Großauftrag der Deutschen Bahn

1.165 Wagen für 130 ICx-Züge hat die Deutsche Bahn zunächst bestellt. Der Großauftrag wird Bombardier und seine Geschäftspartner bis 2018 beschäftigen. Ein 2011 geschlossener Rahmenvertrag stellt sogar die Lieferung von bis zu 300 dieser Hochgeschwindigkeitszüge in Aussicht.

Parallel zum ICx fertigt das Werk für die Bahn 137 neuentwickelte Doppelstockwagen, erstmals für den Einsatz im Fernverkehr. Die hochwertige Ausstattung berücksichtigt auch moderne Kommunikationsbedürfnisse. „Passagiere legen immer mehr Wert auf Komfort“, weiß der General-Manager. So befinden sich an vielen Stellen im Wagen Steckdosen für den Betrieb elektrischer Geräte sowie Verstärker für guten Mobilfunk-Empfang.

Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland sieht in geräumigen Wagen mit mehr Sitzplätzen und benutzerfreundlichen Informationsangeboten gute Chancen für Bahnbetreiber. In Zeiten steigender Mobilität habe die Nachfrage nach neuen Personenzügen im Inland tatsächlich zugenommen, sagte Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner. „Studien belegen, dass sich durch moderne und attraktive Fahrzeuge auch neue Fahrgäste für den Schienenverkehr gewinnen lassen, und zwar in nennenswerte Größe.“

Bombardier hält Doppelstockwagen selbst für ein „Erfolgsmodell“. Für deren Fertigung ist Görlitz das Kompetenzzentrum innerhalb des Konzerns, der in Deutschland neun Standorte hat. In der Produktion des Werkes an der deutsch-polnischen Grenze machten zweistöckige Wagen einen Anteil von etwa zwei Dritteln aus, sagt Janßen. „Wir fühlen uns damit gut aufgestellt.“

Allein auf den Strecken der Deutschen Bahn rollen etwa 2.000 Wagen mit zwei Ebenen. Für die Schweizer Bundesbahn baut der Betrieb in Görlitz ab kommendem Frühjahr 59 Doppelstockzüge. Die insgesamt 436 Wagen sind in 26 verschiedenen Ausführungen bestellt, etwa als Speisewagen oder mit Spielmöglichkeiten für Kinder. Nahezu zeitgleich startet die Produktion von 72 weiteren Doppelstockwagen für Israel. (dpa)

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