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Montag, 02.10.2017

Behörde stoppt Fällaktion

Das Landratamt will erst prüfen, ob die Stadt Leisnig richtig entschieden hat. Solange muss die Lutherbuche stehen bleiben.

Von Heike Heisig

Obwohl die Lutherbuche auf dem Leisniger Kirchplatz in diesem Sommer mehr Blätter als in den Vorjahren ausgebildet hat, stirbt der Baum offenbar. In der Krone befindet sich viel Totholz. Der Stamm hat teilweise keine Rinde mehr. Ob die fast 140 Jahre alte Buche gefällt werden darf, ist wieder offen.
Obwohl die Lutherbuche auf dem Leisniger Kirchplatz in diesem Sommer mehr Blätter als in den Vorjahren ausgebildet hat, stirbt der Baum offenbar. In der Krone befindet sich viel Totholz. Der Stamm hat teilweise keine Rinde mehr. Ob die fast 140 Jahre alte Buche gefällt werden darf, ist wieder offen.

© Dietmar Thomas

Leisnig. Kommando zurück: Die Buche auf dem Kirchplatz darf vorerst nicht gefällt werden. Das Landratsamt Mittelsachsen legt die Entscheidung der im technischen Ausschuss mitarbeitenden Stadträte auf Eis. Diese hatten dem Antrag des Leisniger Kirchenvorstandes zugestimmt, den Baum fällen zu dürfen. Der ist zwar „erst“ 137  Jahre alt. Aber: „Mehrere Experten haben uns bestätigt, dass der Baum stirbt“, so Bernhard Hänel vom Kirchenvorstand. Das Gremium hat in der vergangenen Woche Post von Bürgermeister Tobias Goth (CDU) erhalten. Darin teilte der Rathauschef mit, dass die Fällung so lange auszusetzen ist, bis das Landratsamt seine Prüfung abgeschlossen hat.

Bernhard Hänel hat den Brief gelesen: „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“ Der Kirchenvorstand verweist auf einen Beschluss, nachdem die Kirchgemeinde kein Geld mehr für den Baum ausgeben will. Das habe sie in den Vorjahren zur Genüge getan. Hänel ist davon überzeugt, dass die Buche bei den Bauarbeiten auf dem Kirchplatz Mitte der 1990er-Jahre so geschädigt worden ist, dass sie nicht mehr gesund weiterwächst. Alle Experten, die er seitdem zurate gezogen habe, hätten ihm ein Sterben des Baumes prognostiziert. „Schriftlich habe ich das aber nicht“, so Hänel. Denn der Bürgermeister hat Nachweise angefordert.

Dagegen kann der Kirchenvorstand einige Aktionen zur Rettung des Baumes belegen. „Wir haben eine Menge versucht“, sagt Bernhard Hänel. Die Koniferen im Umfeld seien weggemacht, Rohre zur Bewässerung verlegt und Senf zur Verbesserung der Bodenqualität gepflanzt worden. Geholfen habe jedoch alles nichts. „In diesem Jahr hat die Buche wieder relativ viel Grün gebildet. Das täuscht vielleicht vor, dass sich der Baum erholt hat“, so der Mann vom Kirchenvorstand. Doch das könne er nicht erkennen. Vielmehr sei in der Baumkrone wieder eine große Menge Totholz auszumachen. Das müsste der Kirchenvorstand über den Winter entfernen lassen. Doch so sicher ist das nicht: „Wir sind uns einig, dass wir diese Kosten nicht mehr auf uns nehmen wollen. Schon seit mehr als zehn Jahren tun wir das allein, obwohl die Neugestaltung des Kirchplatzes nicht unsere Baumaßnahme war“, sagt Bernhard Hänel. Wer das Fällen versage, der müsse auch die Sicherungspflicht und die Verantwortung übernehmen, findet er.

Seit drei Jahren, nachdem alle Rettungsversuche im Sande verliefen, nimmt der Kirchenvorstand inzwischen Anlauf, die Buche zu fällen. „Im 500. Jahr nach der Reformation gefällt das nicht jedem“, gibt Hänel zu. Allerdings hat die Kirchgemeinde vor, an der Stelle vor St. Matthäi einen neuen Gedenkbaum zu pflanzen.