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Mittwoch, 24.02.2016

Behindertenwerkstatt darf nicht im Landtag kochen

Nach Ostern bekommt die Kantine einen neuen Betreiber. Beworben hatte sich auch der städtische Luby-Service. Dieser kocht schon für den Freistaat.

Von Sandro Rahrisch

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Mitarbeiter des städtischen Luby-Services verköstigen unter anderem die Mitarbeiter der Dresdner Finanzämter. Die Landtagsabgeordneten bekocht nun aber ein anderer Caterer.
Mitarbeiter des städtischen Luby-Services verköstigen unter anderem die Mitarbeiter der Dresdner Finanzämter. Die Landtagsabgeordneten bekocht nun aber ein anderer Caterer.

© Cultus/Luby Service

Mission: guter Geschmack. Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) hat eine Sonderkommission gebildet, um einen neuen Betreiber für die Kantine am Bernhard-von-Lindenau-Platz zu finden. Nun steht fest, wer die Abgeordneten, die Fraktionsmitarbeiter und die Angestellten der Landtagsverwaltung in Zukunft bekochen wird. Ab 29. März führt der Dresdner Caterer „Issma“ die Kantine. Das Unternehmen versorgt bereits die Forscher des Max-Planck-Instituts an der Pfotenhauerstraße und des sächsischen Innenministeriums.

Unter den Bewerbern war auch die Behindertenwerkstatt der städtischen Cultus Sozialgesellschaft. Der sogenannte Luby-Service kocht bereits für die Finanzbeamten in der Südvorstadt sowie für die Künstler der Staatsoperette in Leuben. Als Kostprobe hatte Leiter Moritz Glaser der Küchenkommission um Rößler eine Karotten-Ingwer-Suppe serviert. „Es ist immer ein Balanceakt, ob man mit einer Verkostung in so einer Meeting-Atmosphäre punkten kann“, sagt er. Eigentlich hatte er ein gutes Gefühl. Am Dienstag kam schließlich die Absage. Die Kommission hätte mit ihrer Entscheidung für den Luby-Service zeigen können, dass es selbstverständlich ist, wenn Menschen mit Behinderung arbeiten gehen, so Glaser. Zwölf behinderte Mitarbeiter und drei betreuende Vollzeitkräfte sollten zum Einsatz kommen.

Bislang kocht Sodexo. Allerdings hat der Caterer den Vertrag mit dem Landtag gekündigt. Moritz Glaser wollte mehr Frische in die Küche bringen und mehr regionale Produkte verwenden als sein Vorgänger. „Wir brauchen keine Erdbeeren aus China, nur weil sie in großen Mengen kostengünstig zu bekommen sind“, sagt der gelernte Koch. „Lieber verzichten wir im Winter ganz darauf.“ Außerdem sei es ein Irrglaube, Tiefkühlgemüse sei günstiger als frisches vom Markt. Wegen des aufwendigen Putzens und Schälens würden sich viele Großküchen allerdings für Frostgemüse entscheiden. „Aber hier haben wir behinderte Menschen, die möglicherweise nur schälen können, das aber sehr gut.“ Die großzügige Landtagsküche sei hervorragend ausgestattet.

Im Zuge des Betriebsübergangs soll den sechs Kantinenmitarbeitern ein neuer Vertrag vom neuen Betreiber angeboten werden. Sie haben dann die Wahl.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. tom

    Auf Stellenausschreibungen der Stadt steht "Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Eignung besonders berücksichtigt." nur Schade das das hier nicht Berücksichtigt wurde.

  2. Möhre66

    Immer das Beste für unsere gaumenverwöhnten Politiker.

  3. Tierfreund

    Wieder mal eine Schande für unsere Volksvertreter.

  4. Dresdnerin

    Ausschreibung ist Ausschreibung. Und wahre Inklusion heißt eben Gleichberechtigung. Und diese ist dann erreicht, wenn keine Sonderbehandlung von Menschen mit Behinderung mehr nötig ist. Da sind wir zwar im Allgemeinen noch weit davon entfernt, aber dennoch...Sagt jemand, der bei der Wohlfahrt arbeitet.

  5. Daisy

    Schade, wäre ein richtiger Schritt in Richtung Gleichbehandlung gewesen. Es gibt sehr gute Behindertenwerkstätte die sehr engagiert und qualitativ gut arbeiten, das sollte man auch einmal mit Aufträgen der öffentlichen Hand anerkennen.

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