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Samstag, 13.01.2018

Begrüßungsgeld für Laden-Gründer

Wer in Sebnitz ein Geschäft eröffnet, bekommt bis zu 10 000 Euro geschenkt. Er braucht allerdings einen langen Atem.

Von Dirk Schulze

Direkt am Sebnitzer Markt stehen derzeit drei Schaufensterfronten leer – alle anderen Läden sind aber belegt. Damit der Innenstadthandel nicht ausstirbt, setzt die Stadt jetzt neue Anreize.
Direkt am Sebnitzer Markt stehen derzeit drei Schaufensterfronten leer – alle anderen Läden sind aber belegt. Damit der Innenstadthandel nicht ausstirbt, setzt die Stadt jetzt neue Anreize.

© Dirk Zschiedrich

Sebnitz. Mit einer finanziellen Starthilfe will Sebnitz seine Innenstadt beleben. Selbstständige oder Unternehmen, die ein Ladenlokal am Markt oder den umliegenden Straßen übernehmen, können künftig einen städtischen Zuschuss von bis zu 10 000 Euro abfassen – je nach Ladengröße. Die Initiative ist eine der Maßnahmen, mit denen die Stadt ihr neues Einzelhandelskonzept flankiert. Nach mehrmonatiger Vorbereitung soll das Förderprogramm noch im Januar in Kraft treten.

Das Ziel ist es, Anreize für eine attraktivere Innenstadt zu setzen. „Die Händler sollen merken, dass sie bei uns willkommen sind“, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Allein wegen der 10 000 Euro werde keiner ein Geschäft eröffnen. Der Zuschuss könne aber der letzte noch ausstehende Punkt sein, diesen Schritt zu wagen. Die Stadt wolle sich damit auch klar als Ansprechpartner für Einzelhändler und Selbstständige positionieren und nicht nur für größere Firmen da sein.

Das Angebot richtet sich an Händler mit einem „zentrenrelevanten Sortiment“. Dazu gehören etwa Kleidung, Spielwaren, Bücher, Sportartikel, Elektronik, Nahrungsmittel oder Souvenirs. Ebenso können sich Gastronomen oder Dienstleister wie Physiotherapeuten oder Friseure um den Zuschuss bewerben. Neben einer Neueröffnung ist auch die Übernahme eines Geschäfts durch einen anderen Eigentümer förderfähig. Das soll bestehende Jobs sichern und der Nachfolge-Problematik entgegenwirken. Oft schließen Geschäfte, wenn der Inhaber in Rente geht, weil niemand den Laden übernehmen will.

Die Förderung ist an Bedingungen geknüpft, soll aber unkompliziert gehandhabt werden. Die Händler müssen ein Konzept vorlegen, über dessen Eignung die Stadt entscheidet. Für eine Verkaufsfläche bis 75 Quadratmeter winken 5 000 Euro Zuschuss, für alles darüber 10 000 Euro. Das Geld wird zunächst als zinsloses Darlehen ausgezahlt, Voraussetzung ist ein Mietvertrag über mindestens zwei Jahre. Wer vor dieser Frist schlappmacht, muss das Darlehen zurückzahlen. Wer zwei Jahre durchhält, bekommt alles geschenkt. Diese Klausel soll Geschäftemacher abschrecken, die nur auf den Zuschuss aus sind.

Mit dem neuen Förderprogramm – das in dieser Form einzigartig in der Region ist –, will Sebnitz auch aktiv in die Akquise gehen, erklärt OB Ruckh. Geplant seien etwa Anzeigen, um Händler mit speziellen Sortimenten in die Stadt zu locken. Zudem will die Stadt bei größeren Betrieben um Filialen werben. Als Innenstadt ist im neuen Einzelhandelskonzept, das am Dienstagabend vorgestellt wird, der Bereich vom Kreisverkehr am Schillerplatz über die Schandauer Straße und den Markt bis zur Ecke Rosenstraße/Lange Straße definiert. Wer dort einen Laden anmietet, kann die Förderung bekommen. Der weitere Verlauf der Langen Straße gehört nicht mehr dazu.

Direkt am Sebnitzer Markt stehen seit Längerem ein großes Ladenlokal an der Ostseite, seit dem Sommer ein ehemaliger Blumenladen und gegenüber die Passage leer. Der Drogeriediscounter Rossmann hat am Stadtrand neu gebaut. Auf der Schandauer Straße haben in den vergangenen Jahren zwei Sportgeschäfte geschlossen.

Das neue Einzelhandelskonzept wird am 16. Januar, 18.30 Uhr, in der Aula des Goethe-Gymnasiums vorgestellt. Händler, Vermieter, Hauseigentümer und alle anderen Einwohner sind zur Diskussion eingeladen.