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Freitag, 13.01.2017

Begleitende Hilfe im Arbeitsleben - Teil 1: Das Integrationsamt

Bestehende Arbeitsplätze schwerbehinderter und gleichgestellter behinderter Beschäftigter sichern, ihre berufliche Entwicklung zu fördern, eine offenes, vorurteilsfreies Arbeitsklima unterstützen: Die Leistungen des Integrationsamtes sind für einen inklusiven Arbeitsmarkt unverzichtbar.

Aufgaben des Integrationsamtes

Dabei ist das Integrationsamt im Rahmen der Eingliederung und Erhaltung von Arbeitsplätzen gleichermaßen für schwerbehinderte und denen gleichgestellte Menschen wie auch für Arbeitgeber tätig.

Das Integrationsamt ist zuständig für

  • die begleitende Hilfe im Arbeitsleben für schwerbehinderte/gleichgestellte Menschen
  • den besonderen Kündigungsschutz für schwerbehinderte/gleichgestellte Menschen
  • die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
  • Seminare und Öffentlichkeitsarbeit für das betriebliche Integrationsteam
  • Einschaltung des Integrationsfachdienstes.

Die begleitende Hilfe im Arbeitsleben

Das Integrationsamt unterstützt Arbeitgeber bei der Schaffung neuer und der Erhaltung bestehender Arbeits- und Ausbildungsplätze für schwerbehinderte oder gleichgestellte behinderte Menschen mit Zuschüssen oder Darlehen, beispielsweise für die behinderungsgerechte Ausstattung von Arbeitsplätzen oder durch eine Finanzierung außergewöhnlicher Belastungen, die mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen verbunden sind, in Form eines Minderleistungsausgleichs oder einer personellen Unterstützung.

Darüber hinaus können dem Arbeitgeber - unter bestimmten Voraussetzungen - anteilige Zuschüsse und Darlehen für die notwendigen Kosten der Ausstattung (nicht behinderungsbedingt)

eines neuen Arbeits- und Ausbildungsplatzes gewährt werden.

Ebenfalls erbringt das Integrationsamt Leistungen an schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Menschen

  • für technische Hilfen,
    zum Erreichen des Arbeitsplatzes,
    zur Gründung und Erhaltung einer selbständigen beruflichen Existenz,
  • zur Beschaffung, Ausstattung und Erhaltung einer behindertengerechten Wohnung und
  • zur Teilnahme an Maßnahmen zur Erhaltung und Erweiterung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten und in besonderen Lebenslagen.

Außerdem haben schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Menschen Anspruch auf Übernahme der Kosten für eine notwendige Arbeitsassistenz.

Neben den allgemeinen Fördermöglichkeiten im Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen liegt ein weiterer Schwerpunkt der gesetzlichen Aufgaben des Integrationsamtes auf der Unterstützung und Schaffung von Integrationsprojekten.

Integrationsprojekte arbeiten als eigenständige Unternehmen oder als unternehmensinterne Betriebe und Abteilungen. Sie haben sich als Arbeitgeber des allgemeinen Arbeitsmarktes zu einem stabilen und unabdingbaren Angebot für beruflich besonders betroffene schwerbehinderte Menschen entwickelt.

Der besondere Kündigungsschutz

Schwerbehinderte wie auch gleichgestellte behinderte Beschäftigte haben einen besonderen Kündigungsschutz. Das heißt, der Arbeitgeber benötigt zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses die vorherige Zustimmung des Integrationsamtes.

Der besondere Kündigungsschutz hat das Ziel,

  • den schwerbehinderten Beschäftigten zu schützen,
  • den Arbeitsplatz zu erhalten, indem alle Möglichkeiten im Rahmen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben ausgeschöpft werden. Das heißt, das Integrationsamt nimmt Kontakt mit dem Betrieb auf und bringt ihre Leistungen und Unterstützungsmöglichkeiten ein.

Die Integrationsämter sind verpflichtet,

  • zwischen den Interessen des Arbeitgebers und des schwerbehinderten Beschäftigten abzuwägen und eine Entscheidung nach pflichtgemäßen Ermessen zu treffen.
  • möglichst einvernehmliche Lösungen anzustreben, da sie die besten Chancen auf Bestand haben.

Einschaltung des Integrationsfachdienstes

Die Umsetzung der begleitenden Hilfe und der besondere Kündigungsschutz beinhalten auch die notwendige Beratung und Begleitung der

schwerbehinderten/gleichgestellten Menschen und deren Arbeitgeber durch einen Integrationsfachdienst. Die Integrationsfachdienste werden vom Integrationsamt gebildet, finanziert und beauftragt.

Die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe

Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, sind beschäftigungspflichtig. Das heißt, sie müssen einen bestimmten Anteil - derzeit fünf Prozent - ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Beschäftigten besetzen. Erreichen sie die entsprechende Quote nicht, müssen sie jährlich eine Ausgleichsabgabe an das Integrationsamt abführen.

Die Ausgleichsabgabe dient dazu,

  • einen finanziellen Ausgleich gegenüber den Arbeitgebern zu schaffen, die schwerbehinderte Menschen beschäftigen und denen dadurch erhöhte Kosten entstehen, z. B. durch den gesetzlichen Zusatzurlaub oder die behinderungsgerechte Ausstattung eines Arbeitsplatzes (Ausgleichsfunktion).
  • Arbeitgeber dazu anzuhalten, ihre Beschäftigungspflicht zu erfüllen (Antriebsfunktion).

Seminare und Öffentlichkeitsarbeit

Die erfolgreiche Umsetzung der genannten Aufgaben erfordert nicht zuletzt die enge Kooperation mit den betrieblichen Partnern - Arbeitgebern, Schwerbehindertenvertretungen, Betriebs- und Personalräten - sowie Bewusstseinsbildung durch Aufklärungsarbeit. Jährlich bietet das Integrationsamt ein umfangreiches und interessantes Schulungsprogramm mit einem breiten Spektrum an praxisorientierten Schulungen an.

Durch die genannten Leistungen soll es Menschen mit Behinderungen ermöglicht werden, im Arbeitsleben vorurteilsfrei die gleichen Chancen wie Menschen ohne Behinderungen zu erhalten und am Arbeitsplatz ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll zu verwerten und weiterzuentwickeln. Im Sinne der Inklusion bedeutet dies, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Normalität ist und die erforderlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind.

Weitere Informationen zu den Aufgaben und Leistungen sowie Ansprechpartner finden Sie:

www.ksv-sachsen.de