erweiterte Suche
Dienstag, 13.02.2018

Bedarf an Förderschul-Plätzen wächst

Döbeln schickt Kinder nach Roßwein oder Waldheim. Doch auch diese Einrichtungen kommen an ihre Grenzen.

Von Tina Soltysiak

In der Waldheimer Förderschule (im Foto vorn) werden derzeit 130 Jungen und Mädchen unterrichtet. Sie ist kapazitätsmäßig die kleinste der drei Lernförderschulen im Altkreis. In der Döbelner Schloßbergschule lernen etwa 183Kinder, in der Roßweiner Lernförderschule sind es rund 210.
In der Waldheimer Förderschule (im Foto vorn) werden derzeit 130 Jungen und Mädchen unterrichtet. Sie ist kapazitätsmäßig die kleinste der drei Lernförderschulen im Altkreis. In der Döbelner Schloßbergschule lernen etwa 183 Kinder, in der Roßweiner Lernförderschule sind es rund 210.

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Region Döbeln. Die Nachfrage nach Plätzen in den drei Förderschulen im Altkreis Döbeln steigt. Das erklärten die Leiter der Einrichtungen, Dagmar Dettke von der Schloßbergschule Döbeln, Birgit Saupe von der Lernförderschule Albert Schweitzer in Roßwein und Heiko Felgener von der Schule zur Lernförderung Waldheim, übereinstimmend. Sie alle seien ausgelastet. „Wir dürfen aber keine zusätzlichen neuen Klassen bilden, um den Mehrbedarf aufzufangen“, so Birgit Saupe.

Für 16 Klassen sei die Roßweiner Lernförderschule ausgelegt. „Wir unterrichten zurzeit etwa 210 Schüler“, ergänzte sie. Damit ist die Roßweiner die größte Förderschule im Altkreis Döbeln. In der Bildungseinrichtung können die Mädchen und Jungen seit 1994 sogar den Hauptschulabschluss erwerben. „Unsere Förderschule ist damit die einzige im Umkreis von 50 Kilometern, in der der Hauptschulabschluss angeboten wird“, so Birgit Saupe. Die Hauptschulklassen H8, H9 und H10 werden nach den Lehrplänen der Klassen sieben, acht und neun der Oberschule unterrichtet. Zudem gibt es einen Hort und eine Ganztagsbetreuung für die Kinder.

Derzeit sind die Pädagogen wieder besonders gefragt. Denn die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs steht an. „Es gibt eine große Gruppe Kinder mit hohem Förderbedarf. Wir müssen diese Auswahl vornehmen“, so Waldheims Schulleiter Felgener. Diese Diagnostikverfahren seien nicht immer einfach, ergänzte Birgit Saupe. Doch es gebe klare Regeln, an die sich die Beteiligten halten müssen. Die schreibt das Sächsische Schulgesetz vor.

Lehrer begutachten Kinder selbst

Hat ein Schüler Probleme beim Lesen und Schreiben, beim Erarbeiten mathematischer Zusammenhänge und beim selbstständigen Anwenden des Erlernten, komme eine sonderpädagogische Förderung in Betracht. Die Förderschullehrer schauen sich die gemeldeten Kinder im Kindergarten beziehungsweise der vierten Klasse an. Im März gibt es in der Regel eine Überprüfungswoche. Dabei gelte abzuwägen zwischen dem möglichen höheren Bildungsweg und der Belastung für die Kinder. Für manch einen Schüler bedeute der Besuch einer Förderschule eine Entlastung und damit eine bessere Leistung.

Das neue Schulgesetz für Sachsen sieht in diesem Zusammenhang eine wesentliche Änderung vor: Grundschulen können in einer Pilotphase bis 2023/24 auf freiwilliger Basis auf die Feststellung dieser sonderpädagogischen Förderbedarfe verzichten. Dass dies sowie die vielzitierte Inklusion nicht das Aus für die Förderschulen bedeutet, darin sind sich die drei Schulleiter – auch im Hinblick auf die steigenden Schülerzahlen – einig.

Vor einigen Jahren stand schon einmal zur Debatte, eine der drei Förderschulen im Altkreis Döbeln zu schließen. Doch da der Zulauf hoch ist, sei das aktuell kein Thema. „Die Schülerzahl ist weiter steigend, wir dürfen wegen der Kapazitätsgrenze von 180 aber nicht mehr Kinder aufnehmen“, sagte Dagmar Dettke von der Döbelner Schloßbergschule. Deshalb müsse sie Schüler an die anderen Bildungseinrichtungen in Roßwein oder Waldheim weiterleiten – insofern dort noch Platz ist. „Die Stadt müsste langsam mal Farbe bekennen, wie es weitergehen soll“, sagte sie. Die Schulleiterin spielte damit auf den Sanierungsstau an den Döbelner Schulen an (DA berichtete).

Als einen Grund für die große Nachfrage an Förderschulplätzen in Döbeln nennt Dagmar Dettke die Wohnraumpolitik: „Hier gibt es günstige Wohnungen, die vom Staat gefördert werden.“ Es solle nicht so klingen, dass Kinder aus Hartz-IV-Familien automatisch einen geringeren Bildungsweg einschlagen. Sie kenne auch andere Beispiele. Aber es sei eine Entwicklung, die den Tatsachen entspricht. Sie verwies dabei auch auf den Sozialbericht des Landkreises Mittelsachsen.

Aus diesem geht hervor, dass der Anteil an Hartz-IV-Empfängern in Döbeln höher ist als im Umland. Zudem gibt es in der Stadt mehr Kinder, die bei der Schuleingangsuntersuchung Sprachauffälligkeiten zeigen. Im Altkreis liegt er bei 26 Prozent, in der Stadt Döbeln bei 33 Prozent. „Diese Sprachauffälligkeiten kann man nahezu eins zu eins auf einen Lernförderbedarf umlegen“, so Dagmar Dettkes Einschätzung. An der Schloßbergschule lernen zurzeit etwa 183 Jungen und Mädchen. In Waldheim werden laut Schulleiter Heiko Felgener 130 Schüler unterrichtet.