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Donnerstag, 07.12.2017

Bayerns bessere Franzosen

Franck Ribery geht als Kapitän voran. Kingsley Coman wirbelt auf dem Flügel. Corentin Tolisso trifft doppelt gegen PSG und legt auch ein Geständnis ab.

Von Christian Kunz und Klaus Bergmann

Corentin Tolisso ragt mit seinem Torgespür heraus.
Corentin Tolisso ragt mit seinem Torgespür heraus.

© dpa/Sven Hoppe

Die kleine bayerische „Équipe Tricolore“ war ganz nach dem Geschmack von Jupp Heynckes. Rekordeinkauf Corentin Tolisso trumpfte mit zwei Toren groß auf. Tempodribbler Kingsley Coman bereitete zwei Treffer vor. Kapitän Franck Ribéry durfte sich bei seinem Startelf-Comeback nach längerer Verletzungspause endlich wieder in einer Hauptrolle feiern lassen. „Das war erfreulich für die Mannschaft. Besonders unsere Franzosen waren gut“, sagte der Trainer und hatte das sehr spezielle Kräftemessen des Trios mit den Landsleuten bei seiner Aufstellung „sicher im Hinterkopf“.

Die besseren Franzosen trugen beim 3:1 des FC Bayern im Gruppenfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain rote Trikots. „Wenn es gegen eine Mannschaft aus dem Heimatland geht, ist man immer zwei, drei Prozent motivierter“, sagte Torhüter Sven Ulreich.

Besonders der vor der Saison für 41,5 Millionen Euro von Olympique Lyon verpflichtete Tolisso drehte in der Allianz-Arena auf. „Wir haben ein schönes Gesicht von Bayern München gezeigt“, beschrieb es der Mittelfeldakteur. „Wir wollten das 0:3 aus dem Hinspiel gutmachen. Das lag uns sehr am Herzen. Ich will bei Bayern die nächsten Schritte machen. Das ist mir bisher gelungen.“

Am Abend der Bayern-Franzosen freute sich Heynckes, dass sein Plan aufgegangen war. „Coco Tolisso hat schon in den vergangenen Wochen immer wieder angedeutet, dass er ein großartiger Fußballer ist und Torgefahr ausstrahlt. Psychologisch war es sicher auch wichtig, gegen seine Landsleute und Paris zu spielen“, erklärte der Fußballlehrer. „Zudem ist er ein sehr guter Teamplayer und läuferisch wie kämpferisch stark.“

Schon seit einiger Zeit hebt der 72-Jährige den Formanstieg von Coman hervor. „Er hat mehr Selbstvertrauen und Anerkennung in der Mannschaft und von den Fans.“ Der 21-jährige weiß sein Tempo immer besser einzusetzen und, wie Heynckes attestierte, „behält auch die Übersicht, wenn er durchbricht. Das ist ein Produkt des Trainings. Coman beendete das Spiel mit Beschwerden in der Leistengegend und fasste sich anschließend angeschlagen an den Oberschenkel. Weitere Untersuchungen standen an.

Ein Ausfall von Coman wäre bitter, aber angesichts der Rückkehr von Ribéry könnte dieser aufgefangen werden. Der Publikumsliebling, der mit Heynckes 2013 schon das Triple gewann, durfte sich nach seinem Kurzcomeback gegen Hannover nun auf seiner Lieblingsbühne über mehr als eine Stunde beweisen. Mit „Ribéry“-Sprechchören feierten die Fans den 34-Jährigen, der wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte. „Nach zwei Monaten mein erstes Spiel, darüber freue ich mich“, sagte Ribéry, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. Heynckes traut ihm noch ein, zwei Jahre bis zum Karriereende zu.

Coman (2020) und Tolisso (2022) sind noch deutlich länger an den FC Bayern gebunden, bei dem bereits Franzosen wie Willy Sagnol und Bixente Lizarazu große Karrieren erlebten. Tolisso dankte erst einmal Heynckes für die nächsten Karriereschritte. „Er ist ein Leader. Er gibt uns allen Selbstvertrauen“, berichtete der 23-Jährige. An seinem großen Königsklassen-Abend konnte der Franzose auch locker über ein Problemchen hinweggehen: „Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht alles, was der Trainer sagt.“ (dpa mit sid)

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