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Montag, 19.11.2012

Bautzen tanzt den Gangnam Style

Eine Viertelstunde Partyauf dem Kornmarkt: Ein 16-Jähriger bringt dafür am Sonnabendnachmittag rund 1.000 Leute auf die Beine.

Von Ingolf Reinsch

Es ist scheinbar eine ganz spontane Aktion. Und doch hat sie Pascal König gut vorbereitet. Über Facebook hatte der Bautzener Schüler, der in Doberschau wohnt, vor gut einem Monat die Internetgemeinde aufgerufen: „Wollt ihr mal so richtig den Gangnam aus euch rauslassen? Dann kommt zur Platte beim Kornmarktcenter und lasst uns Spaß haben!“ 800 hatten sich für diese Aktion, Flashmob genannt, angemeldet. 1.000 sind es dann tatsächlich, die am Sonnabendnachmittag zur besten Einkaufszeit auf den Platz zwischen Reichenturm und Kornmarktcenter kommen, um den „Gangnam Style“ zu tanzen. Dieser Song des südkoreanischen Rappers Psy und dessen schrilles Musikvideo sind seit dem Sommer ein weltweit gefeierter Internet-Hit.

Für 15 Uhr ist der Flashmob angesagt. Gegen halb Drei kommen die ersten. Schnell füllt sich der Platz, dessen Mitte für die Tänzer frei bleibt. Dann geht es los. Die Musik kommt aus einem Lautsprecher, der auf einem VW Golf steht. Die ersten beginnen zu tanzen. Schnell werden es mehr. Am Ende sind es einige hundert, die sich zu Psys Rhythmen bewegen. „Der Song ist leicht zu tanzen. Und die Musik ist cool“, sagte Pascal König am Sonntag der SZ.

In einer Freistunde war der Zehntklässler auf die Idee gekommen, zu einer Gangnam-Party aufzurufen. Seine Mitschüler fanden das klasse, so dass es Pascal eine Nummer größer anging. „Wenn sich 800 anmelden, kann man davon ausgehen, dass 400 kommen. Wir hatten aber mehr Teilnehmer als Anmeldungen, was selten ist.“ Vermutlich ist es die bisher größte, per Internet organisierte Aktion dieser Art in Ostsachsen – und möglicherweise nicht nur das. „Wir haben uns Videos von anderen „Gangnam Style“-Flashmobs weltweit angesehen. Überall waren es weniger Teilnehmer.“

Vor allem junge Leute sind am Sonnabend auf die Platte am Kornmarkt gekommen – manche auch, um aufzufallen. Eine Gruppe zeigt sich in Ganzkörperanzügen, einer läuft auf nackten Beinen in einer Windel herum. Sie kamen spontan – so wie die anderen Besucher. Wenige Tage vor dem Treffen hatte es bei Facebook Hinweise gegeben, Rechtsradikale könnten die Party zum Anlass für eine Gegendemonstration nehmen oder provozieren. Zumindest eine Gruppe wurde gesehen; sie blieb „Zaungast“.

Das Treffen verlief ruhig, die meisten hatten ihren Spaß, und die Geschäfte im Kornmarktcenter waren nach dem circa 15-minütigen Flashmob mit junger Kundschaft proppenvoll. „Nur die Musik hätte etwas lauter sein können“, sagt Pascal König. Er kann sich vorstellen, wieder einen Flashmob zu organisieren. „Vielleicht im nächsten Jahr“, sagt er.