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Mittwoch, 09.03.2016

Baum-Besetzer machen Vattenfall unruhig

Überraschende Entwicklung im Fall der besetzten Bäume am Rande des Tagebaus Nochten: Zumindest Besucher haben jetzt Mühe die Protestler im Wald zu erreichen.

Von Susanne Sodan

Auf dem Weg zu den Baum-Besetzern liegt jetzt Sand und Kies.
Auf dem Weg zu den Baum-Besetzern liegt jetzt Sand und Kies.

© JR

Mühlrose. Die Aktivisten von Lautonomia halten ihre Baum-Besetzung aufrecht. Zwar liegt seit Dienstag ein großer Haufen Sand auf dem Weg zu den besetzen Bäumen im Tagebaugebiet Nochten, die Aktivisten scheint das aber kaum zu stören. Sie sind damit beschäftigt, ihre Plattformen in den Bäumen zu Baumhäusern auszubauen, sagt eine Sprecherin der Aktion.

Die Holzbauten haben die Aktivisten am frühen Sonnabendmorgen in drei Eichen am Rand des Tagebaus Nochten bei Mühlrose bezogen. Fünf der Aktivisten halten die Bäume besetzt, andere Unterstützer sorgen für Verpflegungs-Nachschub und verteilen Flugblätter in der Gemeinde Trebendorf. Ziel der Baum-Besetzung ist es, den Tagebau zu stoppen.

Die Aktivisten seien nicht auf Einladung von Vattenfall da, machte Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer am Dienstag deutlich. „Wir prüfen rechtliche Schritte.“ Außerdem wolle man das Gespräch mit den Aktivisten suchen. „Die Leute befinden sich auf dem Betriebsgelände. Sie können sich damit in Gefahr bringen“, so Schirmer. Er war am Dienstag mit einem Mitarbeiter vor Ort, bestätigt Kathi Gerstner, Vattenfall-Sprecherin für die Lausitz. „Die Aktivisten wurden aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Außerdem wurden ihnen Sicherheitshinweise gegeben.“ Die Facebook-Reaktion der Aktivisten dazu: „Wir denken natürlich nicht daran, zu gehen.“ Sie wollen verhindern, dass ein weiteres Stück Lausitzer Landschaft verschwindet.

Die Menschen vor Ort reagieren eher zurückhaltend auf die Aktion. „Ich denke nicht, dass die Zukunft der Region und des Tagebaus auf den Bäumen entschieden wird“, sagt Jörg Funda, Ortsvorsteher von Rohne. „Wir haben in den vergangenen Jahren mit voller Bürgerbeteiligung versucht, Einfluss zu nehmen. Wir sind alle rechtsstaatlichen Wege gegangen, die man gehen kann.“ Er hat den Eindruck, der Protest der Besetzer geht im Wesentlichen an den Problemen der Menschen vor Ort vorbei. Denn bei den Diskussionen der vergangenen Jahre ging es nicht nur um die Frage:Naturschutz – ja oder nein?

Die Beziehung Oberlausitz und Bergbau sei komplizierter, so Jörg Funda. „Wir haben bereits viel Lebensqualität verloren.“ Zum Beispiel wurde genau dort, wo die Besetzer jetzt sind, ein großer Teil alten Baumbestandes, der Tiergarten, gefällt. „Damit ist ein wirklich schöner Fleck Erde fort.“ Auf der anderen Seite fragen sich viele, was denn nach der Kohle kommen soll. Jetzt seien die Leute erschöpft und auch verunsichert. Die Besetzer sind das nicht. Sie wollen die Menschen vor Ort noch einmal aufrütteln.