Dienstag, 29.01.2013

Bauern im Osten schlagen wegen explodierender Bodenpreise Alarm

Ackerflächen in Ostdeutschland sind gefragt wie noch nie. Das treibt die Preise und bringt die Bauern in Rage.

Von Sabine Fuchs

Ein Traktorengespann pflügt ein abgeerntetes Getreidefeld bei Landsberg in Sachsen-Anhalt.
Ein Traktorengespann pflügt ein abgeerntetes Getreidefeld bei Landsberg in Sachsen-Anhalt.

©dpa

Magdeburg. Landwirt Axel Spengler in der Magdeburger Börde könnte eigentlich zufrieden sein: Zusammen mit seinem Gesellschafter beackert er 858 Hektar bestes Land. Die Gegend ist deutschlandweit bekannt für ihre ertragreichen Böden. Vor allem Weizen, Zuckerrüben und Mais baut Spengler an, aber auch Gewürze und Sonnenblumen gedeihen hervorragend auf dem überwiegend gepachteten Land. Doch seine fetten Äcker bereiten dem Landwirt in letzter Zeit große Sorgen. Grund: Die drastisch gestiegenen Preise für Land in Ostdeutschland. „300 Hektar habe ich noch gepachtet, für 70 Hektar davon läuft der Pachtvertrag in diesem Jahr aus“ sagt Spengler. Kaufen könne er zu den aktuellen Preisen aber nicht, sein Betrieb - die Spengler & Kirchhof GbR Schwaneberg - gebe das einfach nicht her.

Sorgen wie Spengler haben viele Bauern im Osten, besonders in den Agrarländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und in Teilen Brandenburgs. „Die Preise für Ackerland sind in ganz Deutschland gestiegen“, sagt Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Aber in den neuen Ländern seien sie in den zurückliegenden Jahren regelrecht explodiert. Seit 2006 seien sie im Osten um 132 Prozent gestiegen, im Westen um 19 Prozent. Trotzdem sind die Äcker im Osten immer noch deutlich billiger als im Westen. Als einen Grund für den jüngsten Anstieg sieht Aeikens die Finanzkrise. „Der Acker im Osten wird zum Spekulationsobjekt für Anleger“, sagt der Minister. Nach seinen Angaben kostete der Hektar Ende 2011 in den alten Ländern im Schnitt gut 20.500 Euro und im Osten etwa 8.840 Euro. Eine Ende der Spirale im Osten ist für den Minister nicht absehbar.

Bauer Spengler sieht dagegen noch einen weiteren Grund: Die Bodenverwertungs und -verwaltungs GmbH (BVVG), die im Auftrag des Bundes ehemalige DDR-Ackerflächen verpachtet und verkauft. Lag der durchschnittliche Verkaufspreis von Ackerflächen der BVVG im Jahr 2008 bei 6.319 Euro pro Hektar, betrug er im Jahr 2011 bereits 12.640 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern lag er in dem Jahr im Durchschnitt bei 14.989 Euro und in Sachsen-Anhalt beim Spitzenwert von 15.392 Euro pro Hektar. „Von mir wollten sie mehr als 27.000 Euro, das doppelte des Bodenrichtwertes“, klagt Spengler. Für zwei oder fünf Hektar könne er solche Spitzenpreise an die BVVG zahlen. „Aber nicht für die noch ausstehenden insgesamt 300 Hektar“. Weitere 435 Hektar sind Pachtland von Privatbauern, 110 Hektar Eigentum der beiden Gesellschafter.

„Wir treiben die Preise nicht in die Höhe“, sagt eine Sprecherin der bundeseigene BVVG in Berlin. Die Gesellschaft schreibe transparent aus und verkaufe nach Marktwert. Grund für die Entwicklung sei die steigende Nachfrage nach Böden unter anderem wegen der Energiewende. Land werde für den Anbau von Energiepflanzen wie Raps oder Mais gebraucht. Die BVVG hatte nach Angaben von Mitte 2012 im Osten noch 350 000 Hektar Wald und Felder zu verkaufen. Die Wälder sollen bis 2014, die Äcker bis 2025 vollständig abgegeben sein. Über die neuesten Entwicklungen will die BVVG am 1. Februar informieren, wie die Sprecherin ankündigte.

Für ansässige Bauern, die sich die Pacht für ihr Land oder die Kaufpreise nicht mehr leisten können, stünden zahlungskräftige Investoren aus dem Westen bereit, meint Aeikens. „Und die geben sich nicht mit zwei oder drei Hektar ab, die wollen mehr, oftmals die Mehrheit der Anteile in den Agrarbetrieben, um das Sagen zu haben.“ In vielen Fällen geschehe das fast unbemerkt, da Anteilsübernahmen von Firmen anders als von Privatpersonen laut Grundstückverkehrsgesetz nicht erfasst werden müssen.

Seit der Föderalismusreform im Jahr 2006 hätten die Länder aber mehr Einfluss auf das Grundstücksverkehrsgesetz, sagte Aeikens. Dort will er nun ansetzen. Er will jetzt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Landwirtschaftsverbänden, Wissenschaftlern und Juristen ins Leben rufen. „Diese soll dann bis zum Sommer ausloten, wie das Gesetz geändert werden kann.“ Bezüglich der Landverkäufe durch die BVVG könne er sich vorstellen, dass nur noch kleinere Lose bis maximal zehn Hektar verkauft werden dürfen. Die seien für Bauern bezahlbar und für Finanzinvestoren uninteressant.

Bauer Spengler, der seit 1988 zunächst als Abteilungsleiter im Volkseigenen Gut Schwaneberg gearbeitet und nach der Wende seinen Betrieb gegründet hatte, hilft das zunächst wenig. Er will nun erreichen, dass sein Pachtvertrag verlängert wird. (dpa)

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