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Freitag, 05.05.2017

Barock auf neu

Die CG-Gruppe baut in Palaisplatznähe bis 2019 über 250 Wohnungen. Bei der Fassade setzt der Investor auf neue Ideen.

Von Lars Kühl

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Die Neubauten sind mit barocken Stilmitteln gestaltet. Das rechte Haus ist etwas höher und schließt an die Brandversicherungsanstalt an.
Die Neubauten sind mit barocken Stilmitteln gestaltet. Das rechte Haus ist etwas höher und schließt an die Brandversicherungsanstalt an.

© Visualisierung: Atelier ST

Die Reaktion ist für Sebastian Thraut völlig neu. Während es für den Entwurf seines Ateliers ST zu den neuen „Königshöfen“ an der Theresienstraße in der Neustadt aus der Bevölkerung von allen Seiten viel Lob gibt, hagelt es für den Architekten seitens der Kollegen jede Menge Kritik – doch er kann damit gut leben.

Dabei lässt sich dies allgemein fast immer feststellen, wenn über neue Bauvorhaben diskutiert wird. Während die studierten Fachleute Flachdächer, einfache Strukturen und Lochfassaden bevorzugen, begeistern sich die Bürger eher für historisch anmutende Ausführungen mit Schwung, Rundungen und Verzierungen.

Ein Dilemma, das oft nicht für beide Seiten zufriedenstellend gelöst wird. Bei ihrem neuesten Projekt versucht es die CG-Gruppe allerdings. Indem sie zusammen mit einer Jury den Vorschlag des Ateliers ST in einem Fassadenwettbewerb zum Sieger gekürt hat. „Barock rocks“ haben die Leipziger ihren Entwurf genannt, der am Donnerstag offiziell vorgestellt wurde. „Die Qualität aus der Historie, die viele Menschen schön finden, wollen wir in die heutige Zeit transformieren.“ Umgesetzt wurde die Vorgabe, indem einige Elemente aus dem Barock übernommen wurden.

Die Symmetrie der Neubauten lehnt sich an diese Epoche an. Eine vertikale Gliederung wurde mit einem leicht hervorspringenden Mittelbau erreicht, auf den ein kleines Türmchen aufgesetzt wird. Satteldächer, Gauben mit Rundbögen, die sich auch an den Eingangstüren, Loggien und einigen Fenstern wiederfinden, sind weitere Stilmittel. Dazu die Farbwahl aus der Barockzeit, die auf den aufgerauten Putz aufgetragen werden soll: Pastelltöne in Grün und Beige. „Indem wir konventionelle, bewährte Typologien ernst nehmen, zeitgemäß fortsetzen und uns nicht vor Traditionen beziehungsweise traditionellem Handwerk scheuen, entstehen unverwechselbare, ausdrucksstarke Bauwerke“, sagt Thraut. Der breite Zuspruch ist seinem Büro gewiss, wie unter anderem die Reaktion der Gesellschaft Historischer Neumarkt zeigt, die sich eigentlich vor allem für den Wiederaufbau des „alten Dresdens“ starkmacht. Aber diese Übersetzung ins Zeitgemäße gefällt ihr dieses Mal.

Entlang der Theresienstraße und bis zum Wallgäßchen soll ab 2018 bis Ende 2019 eine Lücke geschlossen werden, die neben dem seit über zehn Jahren leer stehenden Eckbau klafft. Dort steht am Palaisplatz seit 1899 die Brandversicherungsanstalt, ein palastähnliches Gebäude mit stadtbildprägendem Charakter, neobarocker Sandsteinfassade und Jugendstilelementen. Mittlerweile verschlechtert sich sein Zustand zunehmend, Wasser dringt in das Bauwerk ein, das unter Denkmalschutz steht. Eine Sanierung ist dringend notwendig. Die gehört ebenfalls zum Projekt „Königshöfe“ der CG-Gruppe, welches von allen Straßenseiten durch Wege begehbar gestaltet wird. Entstehen sollen 51 Luxuseigentumswohnungen. Das Erdgeschoss ist kleinen Läden vorbehalten.

In die Neubauten können nach Fertigstellung 201 Mietparteien einziehen. Die Unterkünfte bekommen einen zeitgemäßen Standard, sollen aber „von einem Polizisten im gehobenen Dienst problemlos bezahlbar sein“, erklärt CG-Chef Christoph Gröner. Die künftigen Häuser werden mit einer Tiefgarage für 242 Fahrzeuge unterkellert. Insgesamt investiert die CG-Gruppe über 85 Millionen Euro. Gröner betont die „architektonische Herausforderung“ neben dem Palaisplatz am Rande des Barockviertels. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. schulmeister

    Meine Meinung: Das ist nicht historisch anmutend, sondern immer noch "Copy+Paste". Kein Schmuck, keine Ornamentik, sondern scheinbar sogar gleiche Geschoßhöhen. Also keine Abwechslung in der Zeile. Nichts, worauf das Auge ruhen kann. Aber was solls, die goldenen Hausbauzeiten sind aus den letzten Jahrhunderten. Zu etwas neuem, kreativem fehlt dann doch der Mut. (oder das Können?)

  2. guteArbeit

    Die Gebäude sehen sehr ordentlich aus. Kompliment. Es fehlen zwar handwerkliche Alleinstellungsmerkmale, Skulpturen, Reliefs, Fresken,Gartenkunst. Aber die Gebäude an sich wirken wirklich geschmackvoll.

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