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Mittwoch, 03.09.2003

Banausen sägten Penis ab

Nanu, da fehlt doch was! Die „Samenbank“, eine der sieben hölzernen Kunstbänke, die zurzeit die Galerie Roter Turm zieren, ist nicht vollständig. Auf der Sitzfläche prangt ein Schild: „Zensiert - Im Namen des Volkes?“

An dieser Stelle lugte vor wenigen Monaten noch etwas ganz anderes hervor: ein gut 35 Zentimeter langer Holzpenis. Mittels Drücken einer Handpumpe funktionierte der Penis als eine Art Springbrunnen. Die Idee stammt von der Künstlerin Catrin Große aus Doberlug-Kirchhain (bei Cottbus): „Der Penis war spielerisch gemeint, sollte der Kunst mehr Pep geben.“

Das City-Management Dresden hatte die damals noch voll bestückte Kunstbank Anfang Juni auf der Wilsdruffer Straße aufgestellt. „Nur wenige Stunden da-rauf rief uns die Polizei an“, erzählt Dirk Kohl (35), Chef der Firma „Citymarketing“. „Es seien Beschwerden eingegangen, und wir sollten die Bank sofort wegräumen.“ Gesagt, getan. Die „Schniedel-Bank“ wurde an die Prager Straße versetzt. „Dort, so dachten wir, hätte niemand was gegen diese Art Kunst.“

Pustekuchen. Denn nur wenige Tage später hatten Banausen den Penis einfach abgesägt. „Daraufhin haben wir das Zensiert-Schild draufgeschraubt", erklärt Kohl weiter. Catrin Große findet das in Ordnung: „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht.“

Nun hat das Kunstwerk seinen Weg nach Chemnitz gefunden. „Vielleicht verkaufen oder versteigern wir die Bänke“, überlegt Kohl. Eine Bank soll rund 800 Euro kosten. Kohl: „Dann wird eventuell wieder ein neuer Penis angeschraubt.“ (gra)