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Bahnhof wird zur Großbaustelle

In Großschönau entsteht eine Schnittstelle zwischen Bus und Bahn. Dafür werden Plätze und Straßen gebaut.

07.10.2017
Von Holger Gutte

ird zur Großbaustelle
Der Großschönauer Bahnhof und sein Vorplatz. So wie auf diesem Foto wird es in Zukunft nicht mehr aussehen, denn die Gemeinde will das Areal zusammen mit dem Verkehrsverbund Zvon zu einer zentralen Übergangs- und Umsteigehaltestelle zwischen Bus- und Bahnreisenden umbauen.

© SZ-Archiv/Matthias Weber

Trist sieht Großschönaus Bahnhofsvorplatz aus. Vor allem in diesen windigen und regnerischen Herbsttagen. Und auch die Bahnhofsstraße ist nicht gerade ein Schmuckstück – mal abgesehen von den Bäumen am Straßenrand, die noch das Flair einer Allee vermitteln.

Aber deren Tage sind gezählt. Die Bäume müssen bald weichen und Platz machen für ein großes Projekt, das den Großschönauer Bahnhofsvorplatz verändern soll. Die Gemeinde plant am Bahnhof zusammen mit dem Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) eine zentrale Übergangs- und Umsteigehaltestelle zwischen Bus- und Bahnreisenden. Alle Großschönauer Buslinien sollen hier halten. Das bringt Einheimischen wie Touristen den Vorteil, zwischen den vier Buslinien und der Trilex-Bahn bequem an einem Platz umsteigen zu können. Von hier aus können die Reisenden ins Gebirge, nach Zittau und Liberec, Varnsdorf und Seifhennersdorf oder ins Oberland fahren. Die SZ stellt die Pläne vor.

Was soll am Bahnhofsvorplatz alles verändert werden?

Die Übergangsstelle Bus/Bahn wird östlich des ehemaligen Empfangsgebäudes angeordnet. Es entsteht ein zentraler Bussteig, wo mehrere Busse hintereinander halten können. Vom Bussteig ist ein niveaugleicher Übergang auf den Hausbahnsteig vorgesehen, der das Umsteigen wesentlich erleichtert. Weiterhin werden Parkflächen angeordnet, die mit grünen Inseln unterbrochen werden. Auch auf der andere Seite der Bahnhofstraße werden weitere Parkplätze geschaffen. Die gesamte Übergangsstelle wird behindertengerecht ausgebaut. Ein Fahrgastunterstand, Fahrradparker sowie ein elektronisches Informationssystem komplettieren die Anlage.

Was wird zudem an den angrenzenden Straßen und Plätzen verändert?

Im Zusammenhang mit dem Einrichten der Übergangsstelle soll mit einer 80-prozentigen Förderung die Bahnhofstraße für 876 000 Euro grundhaft ausgebaut werden – von der Hauptstraße bis zum Knotenpunkt an der Gabelsbergerstraße. Zwischen Bahnhof und Hauptstraße erhält die Bahnhofstraße Parkbuchten, die mit dem vorhandenen alten Granitpflaster gestaltet werden. Diese befinden sich dann, von der Hauptstraße aus kommend, auf der rechten Seite im unteren Bereich und links im oberen Bereich der Straße. Die Bahnhofstraße selbst erhält einen Asphaltbelag. Zudem werden beidseitig Gehwege mit Beton-Altstadtpflaster angeordnet. Der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Güterbodenstraße wird ebenfalls umgestaltet. Vor dem Empfangsgebäude wird eine großzügige Pflasterfläche mit einer grünen Insel angelegt. Damit bleibt der „Platzcharakter“ gewahrt. Unabhängig davon macht die Deutsche Bahn Netz AG den Bahnübergang an der Gabelsbergerstraße sicherer. Der unbeschrankte Bahnübergang soll mit einer neuen Sicherungsanlage, die mit Lichtzeichen versehen ist, sowie Halb- und Fußwegschranken ausgerüstet werden. Bestandteil der Maßnahme ist auch der Ausbau- und Umbau der Kreuzung Bahnhofstraße/Gabelsbergerstraße, um die sicherheitstechnischen Anforderungen zu gewährleisten. Auf der Westseite wird zudem ein neuer Gehweg über den Bahnübergang angelegt. Reichlich 815 000 Euro kostet diese Baumaßnahme. Die Gemeinde ist als Straßenbauträger mit einem Drittel an der Maßnahme beteiligt, kann jedoch für die knapp 272 000 Euro eine 100-prozentige Förderung beim Freistaat beantragen.

Wird die Verkehrsführung dadurch geändert?

Ja, von der Hauptstraße bis zum Knotenpunkt an der Gabelsbergerstraße. Nach dem Ausbau der Bahnhofstraße ändert sich hier die Vorfahrtsregelung. Die Bahnhofstraße wird bis zur Gabelsbergerstraße eine Hauptstraße. Die Gabelsbergerstraße wird aus Richtung Bahnhof für den Linienverkehr freigegeben. Ähnlich wie beim Ausbau der Hauptstraße in Richtung Grenzübergang erhält die Fahrbahn der Bahnhofstraße beidseitig einen Schutzstreifen für Radfahrer. Die Güterbodenstraße wird perspektivisch zur Einbahnstraße in Richtung Bahnhof.

Warum müssen für das Projekt so viele Bäume gefällt werden?

Die Alleebäume auf der Bahnhofstraße stehen dem Ausbau im Wege und müssen geopfert werden. Für sie werden aber neue gepflanzt, damit auch künftig der Alleencharakter zur Geltung kommt.

Was wird mit den leer stehenden Gebäuden der Bahnhofstraße?

Die ehemalige Post ist nicht mehr zu retten, berichtete bereits der Geschäftsführer der Wohnbau und Wärmeversorgung Großschönau GmbH (WWG), Tobias Steiner. Das Gebäude gehört inzwischen dem Unternehmen. „Das Haus hat ganz starken Schwammbefall und muss abgerissen werden“, schilderte er. Dieser Entscheidung habe schon vor drei Jahren die Denkmalschutzbehörde zugestimmt.

Wann wird gebaut und wie lange sollen die Arbeiten dauern?

Die Bauleistungen für die ÖPNV-Übergangsstelle und Bahnhofstraße wurden als Gemeinschaftsmaßnahme öffentlich ausgeschrieben. Die Vergabe ist in der Gemeinderatssitzung am 25. September erfolgt. Damit könnte noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden. Geplant ist, die Maßnahme bis Ende 2018 abzuschließen. Die Baumaßnahme am Bahnübergang Gabelsbergerstraße ist durch die DB Netz AG ebenfalls für 2018 vorgesehen, jedoch liegen hier noch keine konkreten Termine vor. Das alte verfallene Bahnwärterhäuschen auf der Südseite wird im Vorgriff durch die Gemeinde im Oktober 2017 abgerissen. Der Auftrag hierzu ist erteilt.