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Donnerstag, 05.10.2017

Bagger drehen sich für 300 neue Arbeitsplätze

Das Gewerbegebiet in Hrádek wächst: Das belgische Unternehmen Drylock Technologies erweitert seine Produktion, und eine Liberecer Firma hat bereits Baupläne.

Von Petra Laurin

Im Hintergrund das Zittauer Gebirge, im Vordergrund die Baustelle im Gewerbegebiet von Hradek nad Nisou. Gleich zwei große Baumaßnahmen finden hier in den nächsten Monaten statt. Dabei entstehen viele neue Arbeitsplätze.
Im Hintergrund das Zittauer Gebirge, im Vordergrund die Baustelle im Gewerbegebiet von Hradek nad Nisou. Gleich zwei große Baumaßnahmen finden hier in den nächsten Monaten statt. Dabei entstehen viele neue Arbeitsplätze.

© matthias weber

Im Gewerbegebiet von Hrádek nad Nisou (Grottau) wird gebaggert. Vor Kurzem begann dort der Bau neuer Produktionshallen der Firma Drylock Technologies, bestätigte Direktor Martin Harazin gegenüber der SZ. Drylock Technologie hatte die Produktionserweiterung bereits im Frühjahr dieses Jahres angekündigt. Nach fünf Jahren, in denen die Firma für Hygieneartikel im Dreiländereck arbeitet, ist die Zeit nun reif für eine Erweiterung. Zurzeit beschäftigt die Zweigstelle des gleichnamigen belgischen Mutterkonzerns mit Sitz in Zele (Flandern) etwa 370 Menschen. Künftig sollen sich das Produktionsvolumen und der Personalbestand mindestens verdoppeln.

Die Produkte von Drylock Technologies sind zwar nahezu vollständig für den Export bestimmt, kommen aber teilweise über international agierende Supermarktketten nach Tschechien zurück. Zur Produktpalette gehören neben Babywindeln, Windelhöschen, Wickelauflagen und Feuchttüchern zur Babypflege auch Hygieneartikel für Erwachsene, wie beispielsweise Einlagen und Tampons. Die Drylock-Pläne sehen vor, zwei neue Hallen zu errichten, die über eine Transportbrücke verbunden werden. Auch Parkflächen für 270 Autos und 20 Lkw sollen entstehen. In der kleineren Halle soll es Lager- und Büroräume sowie Sozial- oder Sanitärräume für die Mitarbeiter und Kraftfahrer geben. Die größere Halle wird neben Lagerflächen vor allem direkt der Produktion dienen. Dieser Teil soll sechs Produktionslinien umfassen. Damit verbunden ist ein Bedarf an mindestens 400 neuen Arbeitskräften.

Hrádeks Bürgermeister Josef Horinka freut sich über die Pläne: „Natürlich bin ich froh, dass bei Drylock neue Arbeitsplätze entstehen“, sagt er. „Gleichzeitig bin ich aber auch ein wenig skeptisch, woher die neuen Arbeitskräfte kommen sollen.“ Schon jetzt kommt nur ein Drittel der Beschäftigten aus der näheren Umgebung, während andere Mitarbeiter aus Liberec und dem Schluckenauer Zipfel nach Hrádek pendeln. „Die Firma wird sich wohl Mitarbeiter in Polen oder im Friedländer und Schluckenauer Zipfel suchen müssen“, so Horinka. Zurzeit sucht Drylock bereits Kraftfahrer, Maschinenbaumechaniker und -einrichter. Das Problem mit fehlenden Fachkräften hat übrigens nicht nur die Wirtschaft in Tschechien: „Auch für unser Stadtamt können wir nicht genug Mitarbeiter finden“, beklagt der Hrádeker Bürgermeister.

Großes Datenzentrum geplant

Beim zweiten großen Vorhaben im Hrádeker Gewerbegebiet ist Fachkräftemangel dagegen nicht das bestimmende Thema. Die Liberecer Internet-Firma CS-spoje will im Gewerbegebiet ein Datenzentrum aufbauen. „Eigentlich wollten wir auch im Herbst beginnen, wir müssen aber noch einige Fragen klären“, sagt Geschäftsführer Martin Rybnícek. Die Halle soll nun 2018 auf einem 5 000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. In dem Zentrum für Datenspeicherung – übrigens das bislang einzige nördlich von Prag – werden aber nur fünf Leute arbeiten. Die technische Anlage wird in Hrádek aufgebaut, weil in Liberec oder Jablonec (Gablonz) nicht genug Stromkapazitäten für so ein Vorhaben zur Verfügung stehen. Die Investoren rechnen, dass die Energiekosten jährlich über 1,2 Millionen Euro betragen. „Firmen, aber auch Verwaltungen sollen bei uns ihre Daten sicher speichern. Auch mit der Deutschen Telekom verhandeln wir über eine Zusammenarbeit“, sagt Martin Rybnícek. CS-spoje setzt darum auch auf Kunden aus Deutschland und Polen.

Hrádek zählt heute zu den attraktivsten Orten im Kreis Liberec. Die Stadt lockt internationale Firmen und neue Einwohner gleichermaßen an. Die Industriegebiete an der Grenze wachsen schon zehn Jahre und die Stadt profitiert davon. Der größte Arbeitgeber, die KSM Casting CZ a.g., Produzent von Gussprodukten aus Leichtmetall für die Automobilindustrie, bietet über 600 Plätze an und sucht für Dutzende freie Positionen weitere Mitarbeiter. 2016 machte die Firma einen Umsatz von 65 Millionen Kronen (rund 2,5 Millionen Euro).