Freitag, 04.01.2013

Baden-Württembergs Ex-Innenminister Thomas Schäuble gestorben

Er wurde der „kleine Schäuble“ genannt. Der frühere Innenminister von Baden-Württemberg lag nach einem Herzinfarkt seit Monaten im Wachkoma. Nun ist Thomas Schäuble tot.

Von Henning Otte

Baden-Württemberg ehemaliger Innenminister Thomas Schäuble ist tot.
Baden-Württemberg ehemaliger Innenminister Thomas Schäuble ist tot.

©dapd

Stuttgart. Der frühere baden-württembergische Innenminister Thomas Schäuble (CDU) ist nach schwerer Krankheit im Alter von 64 Jahren gestorben. Der jüngere Bruder von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erlag am Donnerstagabend im badischen Gaggenau den Spätfolgen eines Herzinfarkts.

Die Südwest-CDU sprach am Freitag von einem herben Verlust. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte, das Land verliere einen „authentischen Charakter und scharfen Analytiker“. Ex-Regierungschef Günther Oettinger (CDU) sagte: „Das ist sicher für ihn und seine Familie eine Erlösung, zugleich aber auch ein großer Schrecken.“ Schäuble hinterlässt Frau und drei erwachsene Kinder.

Der „kleine Schäuble“ galt lange als Kronprinz des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU). Doch nach einem Zerwürfnis mit Teufel kehrte er 2004 der Politik den Rücken und führte fortan die Badische Staatsbrauerei Rothaus („Tannenzäpfle“). Nach einem Herzinfarkt bei einer Wanderung im Juli 2012 war er nicht mehr auf seinen Posten zurückgekehrt. Er lag seither im Wachkoma und lebte zuletzt in einem Pflegeheim in Gaggenau.

Der Südbadener Schäuble war von 1996 bis 2004 Innenminister. Als solcher festigte er seinen Ruf als rechtskonservativer Vertreter der Partei. Erstmals ins Stuttgarter Kabinett kam er aber schon 1991; da übernahm er in der schwarz-gelben Koalition als damals jüngstes Kabinettsmitglied das neu geschaffene Verkehrsressort. 1992 wurde er in der CDU/SPD-Koalition Justizminister. Thomas war der jüngste der drei Schäuble-Brüder. Der älteste, Frieder Schäuble, der sich von der Politik ferngehalten hatte, war bereits 2011 gestorben.

Anfang Dezember hatte die Landesregierung mitgeteilt, dass Schäubles Vertrag bei Rothaus aufgelöst werden solle. Unter der Regie des CDU-Mannes habe sich Rothaus „in einem hartumkämpften Markt auf hohem Niveau stabilisieren und einen Spitzenplatz im heimischen Biermarkt behaupten“ können, lobte Kretschmann. Bei Schäubles Einsetzung im Jahr 2004 hatte es noch Kritik gehagelt. Opposition und Bund der Steuerzahler bemängelten, Schäuble werde von der CDU bei einem Landesunternehmen versorgt. Derzeit führt übergangsweise Ex-Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) die Brauerei.

Bundesweite Schlagzeilen hatte Thomas Schäuble gemacht, als er im Jahr 2000 mit Altbundeskanzler Helmut Kohl abrechnete - einen Tag nach dem Rückzug seines Bruders vom CDU-Bundesvorsitz im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre. „Ich verabscheue Herrn Kohl. Und ich kann da für die ganze Familie sprechen“, wurde Thomas Schäuble zitiert - und ergänzte, dass Kohl ohne seinen Bruder nicht 16 Jahre lang Bundeskanzler gewesen wäre. (dpa)

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