Donnerstag, 27.12.2012

Baden in echtem Meissener

Kaum zu glauben, was sich aus Porzellan alles machen lässt. Die Firma Stonewater zeigt in ihrer Blasewitzer Villa den ersten Wellness-Bereich aus dem zerbrechlichen Material.

Von Peter Anderson

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  • Heißt die Mutter der Porzellankiste Vorsicht? Nein. Was Bäder anbelangt, heißt sie Beate Mikoleit. Die Dresdner Architektin zeigt mit Bad-Designer Gert Küntzelmann im Firmensitz der gemeinsamen Firma Stonewater in Dresden das erste Bad aus Meissener Porzellan. Foto: Steffen Füssel
    Heißt die Mutter der Porzellankiste Vorsicht? Nein. Was Bäder anbelangt, heißt sie Beate Mikoleit. Die Dresdner Architektin zeigt mit Bad-Designer Gert Küntzelmann im Firmensitz der gemeinsamen Firma Stonewater in Dresden das erste Bad aus Meissener Porzellan. Foto: Steffen Füssel

Gert Küntzelmann ist verliebt. Sanft zieht er die Konturen der Porzellanwand nach. Keine Stelle gleicht der anderen. Der Stonewater-Geschäftsführer steht im Souterrain des Firmensitzes im Dresdner Stadtteil Blasewitz. Der Badausstatter hat dort auf der Loschwitzer Straße 25 den ersten nahezu komplett aus Meissener Porzellan bestehenden Wellnessbereich der Welt fertiggestellt – in Handarbeit, so wie es sich für eine Manufaktur gehört. Jeder der glatt weißen Wandsteine ist individuell geformt. Mit etwas Abstand betrachtet entsteht eine leicht wellige Oberflächenstruktur. Um diesen Effekt zu erzielen, hätten er und seine Mannschaft lange probiert, sagt Küntzelmann. Immer wieder sortierten sie die Wandsteine neu und setzten sie in verschiedenen Kombinationen zusammen. So lange, bis wirklich jeder Stein den passenden Nachbarn gefunden hatte. Die Mühe macht sich bezahlt. Das Wellenspiel der Wand gibt dem Bad eine individuelle Note. Die kleinen Unregelmäßigkeiten der Steine schaffen eine warme Atmosphäre – elegant und doch gemütlich.

Aus dem Parterre ist Beate Mikoleit ins Souterrain herabgestiegen. Die Architektin und Geschäftsführerin hat Stonewater zusammen mit Gert Küntzelmann gegründet. Im unteren Teil des Firmensitzes wollen sie ausprobieren und zeigen, wie Meissener Porzellan in einem Bad wirken kann. In den vergangenen Monaten hat sich der Raum in eine einzige Porzellankammer verwandelt. Pyramidenfliesen aus Meissener ziehen sich zwischen Waschtisch und Spiegel entlang. Angeraute Bodenplatten in zartem Sand-Beige schmeicheln den Füßen. Liegen und Bänke sind mit Porzellan in einem an Böttgersteinzeug erinnernden Braunton verkleidet.

Unter der raffinierten Oberfläche verberge sich modernste Badtechnik, sagt Beate Mikoleit. Die Dusche ist nicht einfach eine simple Brause, unter die man sich stellt, um sauber zu werden. Düsen in unterschiedlichen Höhen massieren den Lendenbereich oder die Schultern. Jeder Duschkopf kann mit einem Computerprogramm einzeln gesteuert werden .

Eine angewärmte Porzellanbank hinter der Dusche bildet den Mittelpunkt des Dampfbades. „Sie können sich hier wie in einem Hamam verwöhnen lassen“, sagt Gert Küntzelmann. Auf der Glasscheibe hinüber zur Liegedusche faucht ein typischer Meissener Ming-Drache. Mit Sandstrahltechnik hat eine Spezialfirma das Motiv auf übermannshohe Glasscheiben gebracht. Dort wird es von versteckten Strahlern verschiedenfarbig angeleuchtet. Der Drache kann die Farbe wechseln, je nach Stimmung.

Kunden für Meissener Wellness sieht Beate Mikoleit zuvorderst in vermögenden Privatleuten, die sich zum Entspannen nach dem anstrengenden Alltags etwas Besonderes leisten wollen. Passen würde die neue Stonewater Kreation aber auch in die Suiten nobler Hotels. Sie könnten ihren Gästen mit Meissener Wellness ein Unikat anbieten, kein Bad von der Stange.

Fest steht, die Meissener Bäder werden nicht im Baumarkt zu haben sein. Stonewater wird sie ab dem neuen Jahr exklusiv vertreiben. Gert Küntzelmann hat als gelernter Fliesenlegermeister eine eigene Technik entwickelt, um die Boden- und Wandsteine aus Porzellan fugenlos und sicher verlegen zu können. „Das Porzellan muss beim Verlegen mit Sie angesprochen werden“, sagt er. Porzellan sei ein sehr hartes Material. Beim Verlegen müsse der Handwerker sehr genau auf die Kanten des Materials achten, sonst platze schnell ein Teil ab.

Im Parterre der Blasewitzer Stonewater Villa lassen sich Küntzelmann und Beate Mikoleit in zwei Meissener Sessel fallen. Sie gehören zu den ersten Stücken aus dem Einrichtungsangebot Meissen Home der Manufaktur. Weitere Möbel und Lampen sind aus Italien nach Sachsen unterwegs. Die Blasewitzer Villa soll ab dem Frühjahr als Schau- und Verkaufsraum für Meissener Wellness, Meissen Home und vor allem natürlich für Meissener Porzellan werben. Das ist bereits da. Die Figuren wirken als Blickfang in einem großen, weißen Regal. Badbauer Küntzelmann nimmt eine heraus und wiegt bewundernd den Kopf. „Kaum zu glauben, was sich alles aus Porzellan machen lässt.“