Dienstag, 23.04.2013

„Bad Banks“ bleiben Milliardenrisiko für die Steuerzahler

Die beiden großen „Bad Banks“ in Deutschland haben 2012 Gewinne gemacht. Ist damit das Schlimmste überstanden? Wohl kaum. In den nächsten Jahren könnte die Lage wieder deutlich schwieriger werden, weitere Milliardenverluste sind nicht ausgeschlossen.

Von Daniela Wiegmann, dpa

Die „Bad Bank“ der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate ist 2012 von Rückschlägen verschont geblieben und kann Geld an den Staat überweisen.
Die „Bad Bank“ der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate ist 2012 von Rückschlägen verschont geblieben und kann Geld an den Staat überweisen.

©dpa

München. Schlechte Banken mit guten Zahlen: Beide „Bad Banks“ in Deutschland haben nach Milliardenverlusten einen kleinen Gewinn gemacht. Nach der Abwicklungsanstalt der WestLB meldete am Dienstag auch die Resterampe der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) schwarze Zahlen für 2012. Grund für eine Entwarnung? Keinesfalls.

Denn in den Büchern schlummern immer noch Milliardenrisiken, die den Steuerzahlern in Deutschland am Ende um die Ohren fliegen könnten. „Die Gefahren sind erheblich“, warnt der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Allein aus der Krise in Italien drohen horrende Verluste.

Aufgabe der Abwicklungsanstalten ist es, den Giftmüll zu Geld zu machen, der ihnen nach der Finanzkrise von den Banken hinterlassen wurde. Dabei sollen sie die Verluste so gering wie möglich halten. „Aber sie werden natürlich zuerst das los, was sich leicht verkauft“, sagt Burghof. Für die besonders riskanten Kredite oder Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren wird sich aber womöglich nie ein Käufer finden: Die dicke Rechnung kommt zum Schluss - denn ein Finanzmüll-Endlager wird es nicht geben.

Bei der „Bad Bank“ der Hypo Real Estate werden 44 Prozent aller Papiere und Kredite erst nach dem Jahr 2030 fällig, einige laufen aber auch noch viel länger. Bis dahin soll die „Bad Bank“ aber längst nicht mehr existieren. Vorstandschef Christian Bluhm und seine Kollegen müssten die Papiere deshalb früher los werden, Notverkäufe (Firesales) aber vermeiden. „Wir müssen entscheiden, welchen Abschlag nehmen wir in Kauf, um dafür in 30 Jahren kein Risiko mehr zu haben.“

Im vergangenen Jahr gelang das gut: Nach Milliardenverlusten in den Vorjahren verbuchte die Abwicklungsanstalt 37 Millionen Euro Gewinn. 17 Millionen davon werden an den Bankenrettungsfonds überwiesen. Gewöhnen sollte sich der Bund aber lieber nicht an die Überweisungen aus München: Besser als 2012 wird es in den kommenden Jahren kaum werden, machte Bluhm klar. Vor allem mit den Zinserträgen gehe es nach einem kräftigen Plus 2012 wieder bergab. „Da haben wir den Zenit erreicht.“

Insgesamt hat die HRE nach der Notverstaatlichung Altlasten im Wert von mehr als 170 Milliarden Euro in die Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement abgekippt, davon sind immer noch mehr als 130 Milliarden Euro übrig. Darunter: Kaum verkäufliche Großfinanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen oder Tunnel. Das größte Risiko in der Bilanz ist Italien, allein dort ist die Abwicklungsanstalt mit 30 Milliarden Euro engagiert.

Seine Prognosen versieht Bluhm deshalb immer mit vielen Fragezeichen. Ohne „Sonderbelastungen“ sei auch 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis möglich, sagte er. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro. Für diesen Verlust musste der Bund und somit der Steuerzahler aufkommen - und müsste das auch bei allen zukünftigen Sonderbelastungen. (dpa)

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