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Donnerstag, 05.10.2017

B-115-Umleitungsstrecke stößt auf Kritik

Der Bau auf der B 115 fordert von den Bürgern in der Neißeaue viel ab. Auch eine Kunnersdorfer Gärtnerei muss kürzertreten.

Von Frank-Uwe Michel

Hier am Bahnübergang in Mückenhain wird es gerade für Lastkraftwagen eng auf der Umleitungsstrecke zwischen der Kunnersdorfer Senke und Kodersdorf. Für Anwohner ist es aber auch an anderen Stellen nicht leicht, unversehrt über die Straße zu kommen.
Hier am Bahnübergang in Mückenhain wird es gerade für Lastkraftwagen eng auf der Umleitungsstrecke zwischen der Kunnersdorfer Senke und Kodersdorf. Für Anwohner ist es aber auch an anderen Stellen nicht leicht, unversehrt über die Straße zu kommen.

© jens trenkler

Übers Land fahren kann schön sein. Auch im Landkreis Görlitz. Und sicherlich gibt es zwischen Groß Krauscha und Kodersdorf das eine oder andere zu entdecken. Doch wenn man die Strecke als Umleitung in Angriff nehmen muss, weil auf der B 115 zwischen Kunnersdorfer Senke und Kodersdorf der Fahrbahnbelag erneuert wird, dann sieht die Sache schon anders aus. Da nimmt man den Traktor mit dem Pflug im Schlepptau nur noch aus dem Augenwinkel wahr, lässt den Schwarm Saatkrähen, der sich auf die Reste eines abgeernteten Feldes stürzt, links liegen und konzentriert sich stattdessen auf den Verkehr. Der ist mit voll beladenen Brummis - je nach Tageszeit - mal dicht gedrängt oder fließt zuweilen auch etwas spärlicher. Hildegard Eichler aus Groß Krauscha passt immer jene Momente ab, in denen sich Lücken ergeben und sie ohne Probleme die Kreisstraße passieren kann. „Morgens, wenn die Leute zur Arbeit fahren, ist es besonders schlimm. Auch nachmittags nach Vier ist eine Zeit, in der man ganz genau aufpassen muss“, hat die rüstige Seniorin festgestellt. Zwar sieht sie ein, dass die Bundesstraße erneuert werden muss, gleichzeitig bedauert sie jedoch die Begleitumstände. „Wir sind hier auf dem Dorf, da gibt es auch Tiere. Die Lkw fahren unsere Katzen tot. Zwei haben wir schon eingebüßt.“

Davon hat auch Yvonne Wiesner vom kleinen „Lädeli“ in der Dorfstraße schon gehört. „50 fährt hier keiner. Man müsste die Geschwindigkeit mal kontrollieren!“, fordert sie. Das hat der Schöpstaler Bürgermeister Bernd Kalkbrenner schon mit den Verantwortlichen des Landkreises besprochen. Dort hat man ihm versichert, dass Verkehrskontrollen „zeitnah“ durchgeführt werden. Erst wolle man die Richtigkeit der Verkehrsschilder entlang der Umleitungsstrecke überprüfen, dann rücke man mit mobilen Blitzern an. Yvonne Wiesner findet, dass besonders an Bushaltestellen Gefahren lauern. „Jetzt sind zwar Ferien, da fahren nur wenige Kinder mit. Wenn aber die Schule wieder beginnt, gibt es ein richtiges Gedränge.“ Ihr Mann Per, der in Groß Krauscha im Ortschaftsrat sitzt, versteht sowieso nicht, warum man die Umleitung so gewählt hat, wie sie jetzt ist. „Wenn man eine fast parallel zur B 115 verlaufende A 4 hat, dann muss man die Abläufe eben so planen, dass eine Strecke immer als Ausweichpiste der anderen dienen kann und nicht fast gleichzeitig auf beiden bauen.“ Auch eine weitere Kritik kann er sich nicht verkneifen: „Die Bundesstraße wird mit neuem Asphalt versehen, für die Kreis- und Kommunalstraßen fehlt das Geld.“ Zumal spannend zu beobachten sei, ob und wann die entstehenden Schäden beseitigt werden.

Bei Evelin Bergmann, der Bürgermeisterin von Neißeaue, sind indes noch keine Bürgerbeschwerden eingegangen. „Natürlich ist der Umleitungsverkehr eine Belastung, die man ganz deutlich spürt. Aber es gibt ja keine Möglichkeit, die Fahrzeuge woanders zwischen der Kunnersdorfer Senke und Kodersdorf hin und her zu schicken.“ Den Einwohnern ihrer Ortsteile empfiehlt sie: Ausharren, solange an der B 115 noch gebaut wird. Denn ein baldiges Ende sei ja in Sicht. Der an sie herangetragene Wunsch, Schilder für Geschwindigkeitsbegrenzungen mit 30 km/h aufzustellen, funktioniere leider nicht. „Das ist bei Kreisstraßen nicht gestattet“, so die Bürgermeisterin.

Nach dem Ende der Baumaßnahme sehnt man sich auch bei der Firma Gartenbau Kunnersdorf, die wegen der B 115-Sperrung zurzeit völlig abgeschnitten ist. Inhaberin Gundula Czyron: „Wir haben unseren Mitarbeitern gesagt, dass sie Urlaub nehmen oder Überstunden abbummeln sollen.“ Außerdem bemühe man sich, mit der Arbeitsagentur eine Kurzarbeiterregelung hinzubekommen. Die Zeit des ausbleibenden Kundenstroms wird überdies genutzt, dem Ladengeschäft einen neuen Farbanstrich zu verpassen. „Wir hoffen, dass das angekündigte Ende der Baumaßnahme zum 4. November eingehalten werden kann.“

Die Sorge, den Termin nicht zu schaffen, kann Isabel Siebert der Gärtnereibetreiberin und den Anliegern der Umleitungsstrecke - zumindest aktuell - nehmen: „Die Vorbereitungen für den Asphalteinbau sind schon angelaufen. Noch in dieser Woche beginnen die Fräsarbeiten auch auf der B 115“, erklärt die Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Verzögerungen seien ihr nicht bekannt. Allerdings hänge der Fertigstellungstermin auch stark vom Wetter ab.