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Mittwoch, 16.01.2013

Autodiebe belasten sich gegenseitig

Am Landgericht wird gegen eine deutsch-polnische Diebesbande verhandelt. Der mutmaßliche Boss will immer nur Schmiere gestanden haben.

Von Christoph Scharf

Für die Generalstaatsanwaltschaft ist die Sache klar: Eine Bande von fünf Männern organisierte über Monate hinweg den Diebstahl von Fahrzeugen in Ostsachsen und Südbrandenburg. Demnach gingen die fünf Angeklagten streng arbeitsteilig vor. Die Deutschen und Polen klärten zunächst den „Marktbedarf“ jenseits der Neiße. Dann spähte man lohnende Ziele aus, klaute die Wagen und transportierte sie arbeitsteilig über die Grenze.

Die mittlerweile vier Verhandlungstage gegen die deutsch-polnische Gruppierung liefern immer neue Details über die Autoschieber-Szene. Mittlerweile belasten sich die Angeklagten gegenseitig. Glaubt man ihren Aussagen, sind alle nur ganz kleine Lichter gewesen, die jeweils von den anderen Beteiligten übers Ohr gehauen wurden. So gab Henryk M., ein Hoyerswerdaer mit polnischer Verwandtschaft, zwar zu, als Bindeglied zwischen den deutschen und polnischen Tätern fungiert zu haben.

Allerdings sei die Initiative vom Polen Maciej B. ausgegangen, der immer neue Fahrzeuge angefordert habe – um anschließend in Polen nur lächerlich geringe Beträge für die frisch geklauten Autos zu zahlen. So habe es für vier in Spremberg gestohlene Ford-Transit-Behindertentransporter nur 1.000 Euro pro Stück gegeben, wobei der Gesamtwert der DRK-Fahrzeuge laut Anklage bei 120.000 Euro liegt.

Auch die Staatsanwaltschaft hält B. für den mutmaßlichen Chef der Bande. Der 30-Jährige, der sich gleich von zwei Anwälten vertreten lässt, gab gestern eine andere Version zum Besten: Demnach habe der Vater eines Kindes, der mit seinen Eltern einen „Urlaub auf dem Lande“-Ferienbauernhof betreibt, nur eine Mini-Rolle bei den Taten gespielt. So habe B. keine Diebstähle in Auftrag gegeben, bei Einbrüchen nur Schmiere gestanden und auch keine geklaute Ware abgenommen. Die Autos habe stattdessen der Hoyerswerdaer M. in Polen an andere Landsleute verkauft. Maciej B. habe allenfalls mal hilfsbereit ein paar Tausend Euro ausgelegt, damit M. seine deutschen Komplizen pünktlich bezahlen konnte.

Den fünf Männern im Alter zwischen 26 und 41 Jahren wird der bandenmäßige Diebstahl von 13 Transportern, acht Pkws, fünf Motorrädern und einem Kleinbus vorgeworfen. Zudem gehören Minibagger und teure Baugeräte zur Beute, deren Gesamtwert laut Anklage bei mehr als einer halben Million Euro liegt. In die Diebstähle sollen deutlich mehr Männer verwickelt sein, gegen die noch ermittelt wird. Ein Urteil im Mammutprozess wird erst im März erwartet.