erweiterte Suche
Aus dem Gerichtssaal Mittwoch, 16.01.2013

Aussetzer einer Erzieherin

Die 56-Jährige soll einer Zehnjährigen in einem Hort an den Hals gefasst haben. Die Frau bestreitet das.

Von Maren Soehring

© dapd

Die Verhältnisse in einer Dresdner Kindertageseinrichtung müssen äußert schwierig gewesen sein. In dem auf Kinder mit Lernbehinderungen spezialisierten Hort hatte es im Frühjahr 2011 viele Personalwechsel gegeben. Mit der Situation seien die Kinder nicht zurechtgekommen, „aufgeregt und wild“ gewesen. Sie hätten ihre neuen Erzieherinnen regelrecht „ausgetestet“, berichtete die damalige stellvertretende Leiterin gestern in einem Prozess am Amtsgericht Dresden.

Dort musste sich eine 56-jährige Erzieherin, die für eine Woche als Urlaubsvertretung in die Einrichtung kam, wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Am Nachmittag des 26. Mai 2011 war sie in dem Hort im Außenbereich als Aufsicht eingeteilt. Laut Anklage soll sie gegen 15 Uhr von einem zehnjährigen Mädchen von hinten geschubst worden sein und es an den Hals gegriffen haben. Dadurch habe die Schülerin Hämatome bekommen und unter Schluckbeschwerden gelitten.

Die sichtlich aufgewühlte Angeklagte, die nach eigenen Angaben bereits seit 1990 Erfahrungen mit lernbehinderten Kindern hat, bestritt die Vorwürfe. Nach dem Schubser habe sie das Mädchen am Arm gefasst und zur Rede gestellt. Am Hals berührt oder gar gewürgt habe sie das Kind jedoch nicht, sagte sie. Die Arbeit in diesem Hort habe sie sehr belastet, die Kinder hätten ihr ablehnend gegenübergestanden, eine normale Kommunikation sei kaum möglich gewesen.

Diese Einschätzungen der Angeklagten bestätigten auch ihre damalige Vorgesetzte und die Mutter des Opfers. Die Zehnjährige hatte die Anschuldigungen auch kurz nach dem Vorfall zunächst zurückgenommen, sich sogar entschuldigt. Doch abends zu Hause habe sie die Sache erneut geschildert. Die Mutter ging mit ihr zum Arzt, der eine Schwellung der Lymphdrüsen und streifige Hämatome am Hals feststellte. Daraufhin erstattete sie eine Anzeige. Auch im gestrigen Prozess wiederholte das Mädchen, das in nichtöffentlicher Sitzung als Zeugin gehört wurde, die Vorwürfe.

Richterin Susanne Halt glaubte der Darstellung, dennoch stellte sie das Verfahren vorläufig ein. Ihrer Auffassung nach habe es den Griff an den Hals gegeben. Doch die Angeklagte habe sich in einer einmaligen Ausnahmesituation befunden. „Das rechtfertigt jedoch nicht ihr Verhalten“, so die Richterin zu der nicht vorbestraften Angeklagten. Sie muss 200 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.