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Dienstag, 08.05.2018

Ausgerechnet Union

Für Dynamos Trainer Uwe Neuhaus wird es das Wiedersehen mit der alten Liebe und einem Freund. Ist das ein Vorteil?

Von Sven Geisler

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Bleib mir fern? Uwe Neuhaus (l.) und André Hofschneider waren einst bei Union als Trainer ein Team. Jetzt sind sie Freunde, aber am Sonntag Konkurrenten – eine pikante Situation.
Bleib mir fern? Uwe Neuhaus (l.) und André Hofschneider waren einst bei Union als Trainer ein Team. Jetzt sind sie Freunde, aber am Sonntag Konkurrenten – eine pikante Situation.

© Lutz Hentschel

Es ist ein Spaß – und doch irgendwie ernst gemeint. „Freunde der Sonne!“, droht Uwe Neuhaus den Journalisten wie einst Stefan Effenberg. „Und wage es keiner, irgendeine Verbindung von mir zu Union zu benutzen, um daraus eine Frage zu stellen. Dann lernt ihr mich kennen.“ Doch wie soll man dieses Thema ausblenden vor dem letzten Spieltag in der zweiten Liga, an dem der Trainer mit Dynamo auf seine alte Liebe trifft? Ausgerechnet. Oder, vorsichtig formuliert, freut er sich vielleicht doch über diese Ansetzung?

Der Gegner spiele keine Rolle, erklärt Neuhaus. „Es hätte auch Bayern München sein können“, behauptet er, räumt aber zumindest ein: „Bayern wäre etwas schwieriger.“ Ob es für die Dresdner im nächsten Ost-Duell leichter wird als beim 0:0 in Aue, weil die Berliner nicht mehr um den Klassenerhalt kämpfen müssen, darauf wisse er keine Antwort, sagt der Fußball-Lehrer. Stattdessen zählt er auf, was so alles passiert ist am Sonntag: Duisburg, schon gerettet, dreht in Fürth das Spiel und holt letztlich ein 2:2, Kaiserslautern, bereits abgestiegen, gewinnt gegen Heidenheim.

Nichts ist unmöglich in dieser verrückten Zweitliga-Saison. Selbst wenn ein Unentschieden reicht, könne und werde Dynamo im ausverkauften DDV-Stadion nicht darauf spielen. „Man könnte in etwa wie gegen Aue das Hauptaugenmerk auf die Defensive legen“, meint Neuhaus, „aber man muss auch versuchen, selber Tore zu erzielen.“ Dieser Versuch blieb beim Sachsenderby schon im Ansatz stecken. Nun kommt aber eben nicht irgendwer, sondern Union, also der Verein, den Neuhaus zurück in die zweite Liga geführt und bei dem er sieben Jahre lang gearbeitet hat.

André Hofschneider, sein damaliger Assistent, ist in dieser Saison aufgestiegen zum Chefcoach: ausgerechnet vor dem Hinspiel gegen Dynamo im Stadion „Alte Försterei“ im Dezember. Damals war das natürlich die Geschichte. Neuhaus erzählte locker von seinem Freund „Hofi“ und dass er sich nicht als dessen Lehrmeister verstehe. „Wir haben uns gegenseitig geholfen und voneinander gelernt.“ Ob er ihn trotzdem überraschen könne? „Er wird ganz schön blöd gucken, wenn ich in kurzer Hose an der Seite stehe.“

Das war sozusagen das Markenzeichen von Hofschneider, es den beiden dann im Schneetreiben aber doch zu kalt für derlei Neckereien. Die Partie hat Dynamo mit 1:0 gewonnen und Neuhaus sich nur halbherzig entschuldigt: „Es tut mir leid – und irgendwie auch nicht.“ Das Tor erzielte ein gewisser Andreas Lambertz, es ist also gefühlt schon Lichtjahre her. Auf dem Platz stand der Routinier jedenfalls seit fünf Monaten nicht mehr, sondern in Aue mit den anderen Übriggebliebenden im Fanblock.

Stimmungsmacher unter den Fans

Sie sind Stimmungsmacher im doppelten Sinne. „Gerade diejenigen, die hintendran sind, können für gute oder schlechte Laune sorgen, sie können unterstützen oder behindern“, sagt der Trainer. „Man glaubt es nicht, wie sehr die Mannschaft vom Klima, vom Teamgeist profitiert oder wie sehr es sie belastet, wenn er nicht da ist.“ Bei Dynamo, das betonen alle, stimmt der Zusammenhalt. Letzte Zweifel wurden bei einem Mannschaftsabend vorigen Dienstag ausgeräumt. „Das hat noch mal zusammengeschweißt, das war enorm wichtig“, berichtet Torwart Marvin Schwäbe.

Sie wollen es aus eigener Kraft perfekt machen und nichts geschenkt bekommen, schon gar nicht von Union. Damit rechnet sowieso keiner. „Die wollen in Dresden auch unbedingt gewinnen und Dynamo am Boden sehen“, meint Pascal Testroet. Für die Berliner geht es darum, eine Saison, in die sie als Aufstiegskandidat gestartet waren, versöhnlich abzuschließen.

Als Trainer Jens Keller entlassen wurde, standen die „Eisernen“ auf Platz vier. Trotzdem erklärten die Verantwortlichen, unzufrieden mit der Spielweise und den Ergebnissen zu sein, und präsentierten Vereinsidol Hofschneider als Nachfolger. Doch von den 17 Spielen mit ihm hat Union sieben verloren und nur vier gewonnen. Im April drohte ihm der Rauswurf. Wenn er seinen bis Juni 2019 datierten Vertrag erfüllen will, kann er sich keinen Freundschaftsdienst leisten. Und den würde Neuhaus weder erwarten noch wollen. „Ich denke da nicht im Entferntesten dran“, sagt er.

Damit kein Verdacht aufkommen kann, fällt das wöchentliche Gespräch am Telefon aus. „Das brauchen wir nicht abzusprechen. Ich bin mir sicher, dass er mich nicht anruft, und ich werde ihn auch nicht anrufen.“ Es verstehe sich von selbst, „dass wir in dieser Woche unseren Arbeitgebern gegenüber einige Dinge einhalten müssen“. Schützenhilfe? Ausgeschlossen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Licht aus!

    Dynamo verliert 5:0, Aue spielt unentschieden, Fürth und Braunschweig gewinnen, und RB spielt Europapokal

  2. Ute

    @Licht aus: Falsch! Aue gewinnt :P

  3. bayern

    Aber Bayern bleibt Meister?

  4. @3

    Stimmt es, dass die Platzierungen der ersten Liga nächstes Jahr von 0-17 gehen? Dann gibts endlich wieder einen spannenden Kampf um Platz 1

  5. Hertha gewinnt!

    und die Spieler des Konstruktes übergießen sich mit ekliger Brause, weil Deutschland im EC nun wieder nur durch deutsche Vereine vertreten wird!

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