Gerichtsbericht Sonntag, 11.11.2012

Aus Geldnot in Gartenlauben eingebrochen

Ein 22-jähriger Waldheimer stand wegen Diebstahls allein vor Gericht. Der zweite Angeklagte kam nicht. Er hatte keine Zeit.

Von Helene Krause

Nervös sitzen Staatsanwältin und Zeugen im Gerichtssaal. Sie warten auf den Prozessbeginn. Doch das dauert, denn nur einer der beiden Angeklagten, Andreas Z.*, ist vor Gericht erschienen. Der andere, Henry P., ließ Z. über Facebook wissen: „Ich komme, wenn ich Zeit habe.“ Anscheinend hatte er keine. Vorgeworfen wird den beiden Angeklagten gemeinschaftlicher Diebstahl in Tateinheit mit mehrfacher Sachbeschädigung.

Beide sollen mit einem Kumpan, der zur Tatzeit erst 13 Jahre alt war, zwischen dem 10. und 12. April dieses Jahres in der Gartenanlage “Am Weinberg“ in Roßwein in mehrere Parzellen eingebrochen sein. In den Gärten beschädigten sie Gegenstände und stahlen Gläser, Solarleuchten, Getränke und einen Akkuschrauber samt Ladestation.

Aufgrund des Nichterscheinens von Henry P. wird das Gerichtsverfahren gegen ihn abgetrennt. Er wird mit einem Haftbefehl gesucht und ihm wird zu einem späteren Zeitpunkt der Prozess gemacht. So verhandelt das Gericht nur gegen Andreas Z. Der damals 13-jährige Kumpel ist als Zeuge geladen. Er war zur Tatzeit nicht strafmündig.

Der Angeklagte Z. gibt die Taten zu. Allerdings soll nach seiner Aussage P. allein die Gartentüren mit einem Brecheisen aufgehebelt und die Laubentüren eingetreten haben. Den Diebstahl begingen die drei Kumpane dann gemeinsam. Auf die Frage von Richterin Weik, warum er bei der Sache mitgemacht habe, sagt der Angeklagte: „Ich habe bei Henry gewohnt. Er hat mich gezwungen. Ich musste anteilig Miete bezahlen und hatte kein Geld.“ Weil sie kein Geld hatten, sind sie auch in die Gartenlauben eingestiegen. Dort wollten sie sich Essen und Trinken beschaffen. Das Diebesgut schafften sie in P.’s Wohnung. Dort sortieren sie es. Die Gläser gingen unterwegs kaputt. Den Akkuschrauber verkauften sie und die Getränke teilten sie untereinander auf.

Vermindert schuldfähig

Andreas Z., der als Kind adoptiert worden ist, zog 2011 bei seinen Eltern aus. „Ich hatte Stress mit ihnen. Deswegen bin ich weg.“ Im Bundeszentralregister ist der Angeklagte, der zwei Ausbildungen abgebrochen hat und arbeitslos ist, kein Unbekannter. Zwei Einträge hat er dort stehen. Einen wegen Diebstahls und einen wegen Sachbeschädigung in fünf Fällen. Da er psychische Probleme hat, steht er unter amtlicher Betreuung. Aus diesem Grund plädiert das Gericht auch auf eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht. Andreas Z. wird wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in fünf Fällen zu einem sozialen Trainingskurs verurteilt. In ihrer Urteilsbegründung sagt Richterin Weik: „Er war geständig, hat sich bei den Geschädigten entschuldigt und ist vermindert schuldfähig.“ Außerdem war der Schaden gering. Der Wert der gestohlenen Gegenstände betrug weniger als 50 Euro. Der Sachschaden, der beim Aufhebeln der Eingangstore und -türen und durch die Zerstörung der Solarleuchten entstand, liegt unter 500 Euro. Sollte der Angeklagte den Trainingskurs nicht absolvieren, drohen ihm bis zu vier Wochen Haft. *Namen geändert