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Donnerstag, 10.08.2017

Aus der Berliner Szene in die Oberlausitz

Luna Christine Weineck hat lange in Berlin gelebt. Nun wohnt sie in einem alten Fachwerkhaus in Dürrhennersdorf.

Von Constanze Junghanß

Die 52-jährige Luna Christine Weineck kehrt zu ihren familiären Wurzeln zurück. Das alte Häuschen in Dürrhennersdorf birgt Erinnerungsstücke, wie die Zinkbadewanne von der Großmutter.
Die 52-jährige Luna Christine Weineck kehrt zu ihren familiären Wurzeln zurück. Das alte Häuschen in Dürrhennersdorf birgt Erinnerungsstücke, wie die Zinkbadewanne von der Großmutter.

© C. Junghanß

Heiß begehrt sind die alten Zinkbadewannen von anno dazumal. Sie erleben ihr Comeback als Blumentröge in Vorgärten, als Miniteiche auf dem eigenen Grundstück oder sie stehen zur Zierde hübsch drapiert an Holzzäunen. Luna Christine Weineck dagegen nutzt das gute Stück so, wie es eigentlich gedacht war: In der Wanne ihrer Großmutter wird noch heute gebadet.

Und so befindet sich das antike Teil im Badezimmer eines Dürrhennersdorfer Häuschens. Hier lebt die gebürtige Aachenerin nun. Nach vielen Jahren mitten in Berlin zieht es sie zu ihren Wurzeln zurück. Die befinden sich in der Oberlausitz. Genauer gesagt im Fachwerkhaus mitten in Dürrhennersdorf. Das Haus gehörte der Oma. „In der Zeit der Vertreibung nach 1945 kamen alle Verwandten hier unter“, erzählt die 52-Jährige von der Familiengeschichte. Auf 150 Quadratmetern fanden die Flüchtlinge Platz. Die Wände im Gemäuer atmen Geschichte. Etwa 200 Jahre alt sei das Haus. Und – wie Frau Weineck weiß – eins der Weberhäuser in der Region. Die Fenster sind klein, dafür zahlreich. 23 Stück hat die Heimkehrerin gezählt. Die möchte sie, so weit es geht, erhalten.

Im Moment versprühen Wohn- und Küchenbereich noch DDR-Charme mit orangefarbenen Gardinen und Sprelacart-Möbeln. „Hier möchte ich die Wand freilegen“, sagt die Hausbesitzerin und zeigt im Flur auf den alten Putz. Die Holzbalken sollen wieder sichtbar werden. Viel Arbeit steht noch an. In kleinen, machbaren Schritten wird es im Laufe der Zeit vorangehen, ist sich die Frau aus der Großstadt sicher. Doch weshalb zieht man eigentlich von einer Millionenmetropole aufs Land? Die familiären Bindungen sind die eine Seite. Dazu kommt, dass Frau Weineck als damaliges „Wessi-Kind“ schon immer in den Ferien bei der Dürrhennersdorfer Oma Urlaub machte. Der kleine Ort ist für sie auch ein Stück Heimat, inklusive schöner Kindheitserinnerungen. „Für mich ist das hier das absolute Paradies.“

Die andere Seite ist die Nähe zu Polen und zu Tschechien. Ein Leben im Dreiländereck sei schon etwas Besonderes, sagt sie. Zudem gebe es viele kreative Köpfe in der Region. Da fühlt sie sich hingezogen, gehört selbst als Freiberuflerin für Projekt- und Standortentwicklung mit in diese Sparte und hat schon erste Kontakte zu Initiativen, Projekten und Vereinen zwischen Bautzen und Görlitz geknüpft. Der junge Verein „Löbau lebt“ beispielsweise gehöre ebenso dazu wie der Verein Lebens(T)räume Ebersbach-Neugersdorf.

Eine Vernetzung mit vielen Menschen strebt sie an. Dazu hat Luna Christine Weineck auch einen Blog im Internet eingerichtet. Der trägt den Namen „tRaumpilotin“ und soll Menschen zu Wort kommen lassen, die dem Leben der Großstadt Adieu gesagt haben. „Aus der Szene in die Pampa“ formuliert sie das im Internet für sich selbst. Andere Großstädter sollen auf den Geschmack kommen, die Region kennenzulernen. „Ich möchte eine Brücke zwischen Berlin und der Oberlausitz schlagen“, sagt sie. Und hat nun eine verrückte Idee. Die wiederum hängt mit einem Traum zusammen. Der heißt „Raumerweiterungshalle“(REH). Solche transportablen Hallen wurden in der DDR entwickelt und gebaut. Nur wenige gibt es noch. Die Fangemeinde dagegen ist groß. Zu ihr zählt die ehemalige Musikerin und Architektin. Schon lange habe sie sich ein solches Objekt gewünscht. Vor wenigen Tagen kam ein Anruf: Eine „REH“ stünde in Berlin kostenlos zur Abholung bereit. Am liebsten möchte die Neu-Oberlausitzerin das gute Stück annehmen und auf dem eigenen Grundstück aufstellen lassen. Denn darin könnten Gäste aus der Großstadt ebenso übernachten, wie Künstler, die sich ausprobieren möchten. Doch ohne Hilfe geht das nicht. Das tonnenschwere Teil müsste mit einem Tieflader transportiert und wahrscheinlich per Kran auf Dürrhennersdorfer Flur gelotst werden. Luna Christine Weineck sieht das nicht als absolut unmöglich, aber dennoch als wenig realistisch an. Die Zeit drängt. Wird die Halle nicht abgeholt, steht deren Verschrottung bevor. Wenigstens das soll verhindert werden. „Diese Hallen gelten mittlerweile als erhaltenswertes Kulturgut“, sagt sie. Es wäre also nicht nur im Sinne von Frau Weineck, wenn jemand Interesse an der Rettung des „Ziehharmonika-Hauses“ aus Blech hat und sich mit ihr in Verbindung setzt. Gemeinsam könne vielleicht etwas bewegt werden.

Kontakt über http://traumpilotin.de