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Montag, 22.02.2016

Augustusbrücke bekommt kleinen Nachbarn

Zum Sanierungsauftakt reißen die Bauleute in Dresden den ersten Bogen der Brücke komplett ab. Für Fußgänger und Radler gibt es aber eine Lösung.

Von Peter Hilbert

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Dresdner Brückenbauer sind erfindungsreich. Solch eine Stahlkonstruktion (kleines Foto) wird errichtet, da der marode erste Bogen der Augustusbrücke abgerissen werden muss. Damit Fußgänger und Radfahrer trotzdem über die Elbe kommen, wird die fünf Meter hohe Behelfsbrücke aus Stahlfachwerk gebaut. Über ein Jahr soll das Bauwerk stehen.
Dresdner Brückenbauer sind erfindungsreich. Solch eine Stahlkonstruktion (kleines Foto) wird errichtet, da der marode erste Bogen der Augustusbrücke abgerissen werden muss. Damit Fußgänger und Radfahrer trotzdem über die Elbe kommen, wird die fünf Meter hohe Behelfsbrücke aus Stahlfachwerk gebaut. Über ein Jahr soll das Bauwerk stehen.

© SZ/Peter Hilbert Montage: SZ/U. Nitschke / Sven Ellger

Ab dem Herbst dieses Jahres gibt es eine neue Großbaustelle mitten in Dresden – die Augustusbrücke.

Das 105 Jahre alte Bauwerk ist zwar nach dem Zweiten Weltkrieg instand gesetzt, aber nie umfassend saniert worden. In den Plänen des derzeitigen Genehmigungsverfahrens ist detailliert erklärt, wie der Bau abläuft und welche Konsequenzen es für den Verkehr gibt.

Der Start: Fußgänger und Radfahrer müssen über kleine Behelfsbrücke

Die ersten Arbeiten beginnen Anfang November, erklärt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Ab Ende dieses Jahres wird die Elbquerung für Kraftfahrzeuge komplett gesperrt. Der erste Bogen überm Terrassenufer ist so stark geschädigt, dass er abgerissen werden muss. Das wird im Frühjahr 2017 geschehen.

Damit Fußgänger und Radfahrer dort weiter über die Elbe kommen, wird eine fünf Meter hohe Behelfsbrücke aus Stahlfachwerk gebaut. Sie beginnt an der Aussichtsplattform über dem Pegelhäuschen und überspannt auf 19 Metern Länge das Terrassenufer. Dann zweigt sie rechtwinklig ab und schließt hinterm abgebrochenen ersten Bogen wieder an die Augustusbrücke an. Über die kommen die Passanten dann zur Neustädter Seite. Das provisorische Bauwerk wird über ein Jahr stehen, bis der neu gebaute erste Bogen fertig ist. Die genauen Zeiten dafür und für die Straßenbahnsperrung stehen noch nicht fest. „Denn einen konkreten Bauablaufplan haben wir noch nicht“, begründet Koettnitz.

Die Vollsperrung: Straßenbahnen weichen über Nachbarbrücken aus

Auf Umleitungen ab Jahresende müssen sich Straßenbahnfahrgäste einstellen. „Dann werden auch die Straßenbahnen umgeleitet“, kündigt der Amtschef an. Die Linie 4 fährt über die Marienbrücke zum Postplatz, die 8 und die 9 über die Carolabrücke zum Pirnaischen Platz.

Die Bauzufahrt: Radler teilen sich Elberadweg mit Baufahrzeugen

Einschränkungen gibt es auch auf dem rechtselbischen Radweg. Direkt neben der Albertbrücke beginnt die Baustellenzufahrt am Rosa-Luxemburg-Platz. Vorbei am Königsufer fahren die Transporter dann zu den Lagerplätzen am Fuße der Augustusbrücke, die auf den Flächen zwischen Radweg und Elbe angelegt werden. Radfahrer und Baufahrzeuge müssen sich während der Bauzeit den etwa einen Kilometer langen Abschnitt des Elberadwegs teilen. „Das dürfte aber kein Problem sein“, sagt Koettnitz. „Denn der Weg ist mehr als fünf Meter breit.“

Die Brückensanierung: Über den Bögen wird am Anfang alles weggebaggert

Die Sanierung verläuft ähnlich wie bei der Albertbrücke. Zum Auftakt wird ab Jahresende das Pflaster ausgebaut. Danach kommen die Bagger zum Zuge, die das Füllmaterial bis auf die Oberseiten der Brückenbögen freilegen, erklärt Koettnitz. Dabei müssen auch alte Leitungen entfernt werden.

„Später wird dort wieder Füllbeton eingebaut“, so der Amtschef. Für die Straßenbahntrasse errichten die Bauleute eine sogenannte feste Fahrbahn. Dabei liegen die Gleise in einer stabilen Betonkonstruktion. Die Dresdner Verkehrsbetriebe gehen davon aus, dass eine derartige Trasse 60 Jahre hält. Letztlich wird die Oberfläche noch gepflastert – auf den Radwegen mit glatt geschnittenen Steinen, neben den Gleisen mit den sogenannten Katzenköpfen.

Der Abbruch: Neustädter Treppe muss komplett erneuert werden

Noch vor dem Baubeginn soll die Treppe am Narrenhäusel bis zum Sommer neu gebaut und freigegeben sein. Die Treppe auf der anderen Neustädter Brückenseite ist marode und muss während der Sanierung abgerissen und erneuert werden. Geplant ist, dabei die Sandsteine und die Geländer weitgehend wieder einzubauen.

Die Absturzsicherung: Ein Meter hohe Brüstungen werden wieder eingebaut

Schon seit Jahren gibt es erhebliche Probleme bei den Sandsteinbrüstungen, die nicht mehr die nötige Standsicherheit haben. 2008 mussten die ersten Aussichtsplattformen gesperrt werden. Im März 2015 waren Risse in Brüstungen überm zweiten Pfeiler neben dem Terrassenufer entdeckt worden. Sie mussten abgebaut werden. Bei der Sanierung werden die Brüstungen komplett abgebaut, so Koettnitz. Jeder Stein wird vorher dreidimensional genau erfasst. „Die Höhe von einem Meter kann so bleiben, da die Sandsteinbrüstungen auch sehr breit sind“, erläutert er. Die Steine werden später wieder eingebaut, kaputte aber repariert oder ersetzt.

Das Finale: Bis Ende 2018 sollen alle Arbeiten beendet sein

„Wir gehen von einer Bauzeit von zwei Jahren aus“, sagt Koettnitz. Das hänge allerdings auch vom Wetter ab und ob Hochwasser zu einem Baustopp zwingt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Ein aufmerksamer Betrachter

    Wer hat da die Behelfsbrücke eingezeichnet? Und auf welcher Grundlage? Bei genauer Betrachtung wäre wohl aufgefallen, dass hier etwas nicht stimmt oder soll der Antritt der Brücke künftig tatsächlich unterhalb der Augustusbrücke verlaufen!??? https://www.google.de/maps/@51.0542278,13.7394947,188m/data=!3m1!1e3

  2. Didi

    Das Photo ist wirklich etwas seltsam. Seit wann führt das Terrassenufer über der Brücke entlang? *g*

  3. Bernd

    @Didi: Der erste Bogen der Augustusbrücke wird abgerissen, dann sieht die Brücke von oben mit Behelfsbrücke so aus ...

  4. eine aufmerksame betrachterin

    @ ein aufmerksamer betrachter: na da hat wohl jemand erst geschrieben und dann nachgedacht?

  5. Didi

    Ach so Bernd, dann ist ja alles klar. Danke.

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