Samstag, 17.11.2012

Auge um Auge

Nicht nur die Fielmann-Kette macht kleinen Optikern Konkurrenz, jetzt gibt es noch andere Rivalen: Die Online-Brillen-Händler.

Von Rolf Obertreis

Foto: dpa
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An der Spitze zieht Fielmann einsam seine Kreise. Während der Brillenmarkt in Deutschland in den ersten neun Monaten um drei Prozent geschrumpft ist, legt Europas größter Brillen-Filialist weiter zu und verkaufte mit 5,2 Millionen Brillen fast fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist, setzte damit 837 Millionen Euro um und fuhr einen Nettogewinn von knapp 99 Millionen Euro ein. Und Fielmann will weiter expandieren, wobei der Marktanteil in Deutschland schon bei fast 50 Prozent liegt.

Klassische Augenoptiker haben sich mit diesem fast übermächtigen Konkurrenten abgefunden. Mehr Aufmerksamkeit erregt derzeit der zunehmende Anteil von Online-Brillen-Händlern. Sie schwimmen auf einer Erfolgswelle, wie etwa Mister Spex aus Berlin, und steigern ihre Umsätze um 50 Prozent pro Jahr. Augenoptiker versuchen gegenzuhalten – mit einer Kombination aus Online-Handel und klassischer Beratung im Geschäft.  Glaubt man den Angaben von Unternehmensgründer und -Chef Dirk Graber, wird Mister Spex in diesem Jahr bei einem Umsatz von etwa 25 Millionen Euro unter die zehn größten Filialisten in der Augenoptik in Deutschland aufrücken und das gerade mal fünf Jahre nach der Gründung.

Branchenkenner bescheinigen dem Online-Brillenhandel weiteres Potenzial, er könne zu einer erfolgreichen Nische werden. Bis zu zehn Prozent des Branchenumsatzes könne er in den nächsten fünf Jahren an sich ziehen, was allein in Deutschland auf einen Umsatz von etwa einer halben Milliarde Euro hinauslaufen würde oder mindestens eine Million online verkaufter Brillen. Nach Angaben des Zentralverbandes der Augenoptiker wurden 2011 in Deutschland 11,1 Millionen Brillen, dazu Brillengläser, Kontaktlinsen und Hörgeräte im Gegenwert von gut fünf Milliarden Euro abgesetzt – nur in Augenoptik-Geschäften.

Der Online-Handel ist dabei nicht berücksichtigt.  Großer Vorzug des Onlinehandels nach eigener Einschätzung: Preise, die angeblich bis zu 50 Prozent unter denen der hierzulande etwa 12000 Augenoptiker-Läden und -Filialen liegen. „Meiner Meinung nach sind die Margen bei Augenoptikern total überzogen. Der Marktführer verkauft beispielsweise ein paar Brillengläser für 80 Euro, die wir für vier Euro netto einkaufen“, sagt Mister-Spex-Chef Graber, der sich mit seiner Firma die Kosten für teure Filialen spart, und wie Brille24 oder netzoptiker.de, die hierzulande anderen großen Online-Anbieter, längst auch ins europäische Ausland liefert.

Reine Online-Brillenhändler müssen mit einem Nachteil leben: Der Kunde kann die Brille im Laden nicht aufsetzen, es gibt keinen Sehtest, die Gläser können nicht persönlich angepasst werden. Rabatte und kostenlose Rückgabe-Möglichkeiten machen dies nicht wett. Mister Spex kooperiert deshalb mit rund 270 Augenoptikern (und will diese Zahl bis 2015 etwa verdoppeln), bei denen sich die Kunden beraten lassen können und die die Brille anpassen. Dafür wird der Optiker am jeweiligen Umsatz beteiligt.  

Diesen Beratungsvorteil versuchen umgekehrt sechs der zwölf größten deutschen Optiker, die sich in der Einkaufsgemeinschaft Opticland zusammengeschlossen haben, seit gut einem Jahr durch einen eigenen Online-Händler unter dem Namen Optixone zu nutzen. „Der Augenoptiker bleibt in einer Schlüsselposition. Genau deshalb setzt Optixone auf die enge Verbindung von off- und online mit seinen über 400 Partnerbetrieben“, sagt Geschäftsführer Dominik Schulz, der den Umsatz im ersten Jahr mit einem „gut einstelligen“ Millionenbetrag beziffert. Fielmann setzt gleichwohl vorerst weiter auf das stationäre Geschäft.

Allein in Deutschland soll die Zahl der Filialen in nächster Zukunft von aktuell 570 auf etwa 700 steigen. Doch wenn es so weit sei, heißt es auch, könne man jederzeit in den Online-Handel einsteigen. Der brummt unterdessen. Mister Spex zählt bereits mehr als 400.000 Kunden und verschickt bis zu 4.000 Pakete pro Tag. Brille24 nennt 600.000 Kunden.

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