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Montag, 20.03.2017

Aufzug soll länger fahren

Stadtrat und Rathaus geben sich mit neun Stunden Betrieb nicht zufrieden. Auch ums Geld wird gestritten.

Von Peter Anderson

Steht momentan 15 Stunden still und fährt neun Stunden. Der Stadtrat will dieses Verhältnis beim Meißner Panoramaaufzug umdrehen.
Steht momentan 15 Stunden still und fährt neun Stunden. Der Stadtrat will dieses Verhältnis beim Meißner Panoramaaufzug umdrehen.

© Claudia Hübschmann

Meißen. In dieser Sache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagt Wolfgang Tücks. Der Vorsitzende der ULM-Fraktion im Meißner Stadtrat will sich mit den derzeit eingeschränkten Fahrzeiten des Panorama-Aufzugs nicht abfinden. Nach einer längeren und gründlichen Reparatur ist der Lift seit 9. März wieder vom Meisatal zur Burg und umgekehrt unterwegs. Allerdings nur von 9 Uhr bis 18 Uhr und zur Sicherheit stets unter Aufsicht des Personals.

In einem Telefongespräch mit der SZ kündigte Tücks am Montag an, dass der Stadtrat bei seiner nächsten Zusammenkunft am 29. März über einen verbesserten Service diskutieren werde. Linken-Fraktionschef Ullrich Baudis bestätigte, dass es bereits Gespräche über Details gebe. „Wenn es so bleiben würde, wäre das ja eine regelrechte Katastrophe“, so der Kommunalpolitiker.

Welche Folgen das durch gehäufte Pannen bedingte Aus für den 24-Stunden-Betrieb hat, zeigte sich zugespitzt zur Meißner Ballnacht am 11. März. Auf dem zugeparkten Domplatz gab es kaum ein Durchkommen. Nicht auszudenken, wenn es an diesem Abend einen Feuerwehreinsatz hätte geben müssen.

Abseits solcher Ausnahmesituationen geht die aktuelle Regelung an den Arbeitszeiten der Mitarbeiter von Burg, Burgkeller, Dom, Domkeller und Amtsgericht vorbei. Den Anwohnern wird der Alltag erheblich erschwert. Der 2016 für solche Fälle eingeführten Shuttleverkehr wurde von der Stadt diesmal nicht wieder aufgenommen. Für einen Einsatz von 13 Stunden wären täglich Kosten in Höhe von 1 000 Euro anfallen. Das sei nicht zu verantworten, so Oberbürgermeister Olaf Raschke auf der Stadtratssitzung im Februar.

Einem Bericht von Meissen Fernsehen zufolge hat die Funktaxi Meißen GmbH der Stadt angeboten, diese Lücke mit einem deutlich preiswerteren Angebot zu schließen. Dies könnte ähnlich funktionieren wie beim sogenannten Anruf-Sammeltaxi der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM).

Zu Zeiten sehr geringer Nachfrage fahren Taxis als Ersatz für reguläre Busse. Das Anruf-Sammel-Taxi bringt die Kunden der VGM bis zur Haustür in den Städten Meißen oder Riesa und kostet wenige Cent mehr als eine normale Busfahrt. Wie der Meißner Funktaxi-Chef Sandy Kretzschmann am Montag gegenüber der SZ sagte, liege ihm bislang keine Antwort der Stadt auf die Offerte vor.

Im Winter geht’s ohne Lift

Neben dem praktischen Aspekt besitzt die Aufzugs-Diskussion noch eine politische Komponente. Der Vorsitzende des Meißner Kulturvereins Walter Hannot sieht die Probleme mit dem Lift als Teil des aus seiner Sicht insgesamt gescheiterten Prestigeobjekts autofreier und besucherfreundlicher Domplatz. Nach der Neugestaltung des Platzes könnten alte und gehbehinderte Menschen nicht mehr ohne fremde Hilfe vom Aufzug oder Parkplatz in den Dom oder die Albrechtsburg gelangen, Rollstuhlfahrer, Kinderwagen ebenso, schreibt Hannot in einem Beitrag bei Facebook.

Das Ordnungsamt schaue beim Parken inzwischen ganz weg. Letztlich hätten die insgesamt investierten sechs Millionen Euro nur einen Bruchteil dessen gebracht, was hätte ursprünglich erreicht werden sollen, so der Kulturvereinschef. „Ein Privater hätte in so einem Fall längst die Fördermittel zurück geben müssen, weil er ja offensichtlich die angegebenen Förderziele nicht verfolgt.“

Stadträten und Rathaus ist dieses Problem durchaus bewusst. Wie der am Montag veröffentlichten Vorlage zur nächsten Ratssitzung zu entnehmen ist, wird vorgeschlagen, die Betriebszeiten künftig auf 14 Stunden auszuweiten. Zu speziellen Veranstaltungen, wie etwa den im Sommer erneut anstehenden Burgfestspielen, sollen die Veranstalter den Lift auf eigene Kosten auch länger nutzen können. Klar geregelt wird ebenfalls das Parken im Januar und Februar, wenn die Anlage generell ruht. Für Ausfallzeiten ist erneut ein Shuttle-Service geplant.

Wie für die SZ weiter zu erfahren war, wird zudem daran festgehalten, die Technik mithilfe von Fachleuten nochmals gründlich auf Schwachstellen hin zu analysieren. Anschließend sollten diese ausgemerzt und die Anlage so ertüchtigt werden, dass sie langfristig und zuverlässig funktioniert. Dieser Prozess dürfte sich allerdings noch bis ins nächste Jahr hinziehen.