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Freitag, 14.10.2011 Kleinzschachwitz

Aufzug für vier Pfoten

Schäferhund Eras suchte früher nach Verletzten. Seit einem Bandscheibenvorfall ist er selbst hilfsbedürftig und fährt nur noch Aufzug.

Sein Leiden ist ihm kaum anzusehen: Fröhlich wedelt der siebeneinhalbjährige Schäferhund Eras mit dem Schwanz und wartet auf ein Kommando seines Frauchens. Doch die Befehle, die er jetzt bekommt, haben nichts mehr mit seinem früheren Job zu tun.

Denn seit einem Bandscheibenvorfall kann der frühere Rettungshund nicht mehr mit seiner Staffel im Kamenzer Land auf die Suche gehen. Vermisste Kinder und Senioren, im Wald liegende Pilzsammler oder Jogger mit Verletzungen waren sein Spezialgebiet. Eras erschnüffelte alles. „Vergangenes Frühjahr konnte er dann kaum mehr laufen, geschweige denn sich erheben“, sagt Löwe. „Beim Arzt kam dann die erschütternde Diagnose mit der Bandscheibe.“ Nach fünf Jahren treuer Dienste hängt die Kleinzschachwitzerin so sehr an ihrem Eras, dass sie ihn operieren ließ. Die Hunde-Krankenversicherung übernahm die OP-Kosten in Höhe von rund 2000 Euro.

Rettungshund im Ruhestand

Inzwischen geht es dem Rüden wieder gut. Eine spezielle Physiotherapie für Hunde macht’s möglich. „Ich hab ihm eine Magnetfeldmatte gekauft, die seine Muskeln entspannt“, sagt Löwe. „Ab und zu macht er auch noch beim Training der Rettungshunde mit.“ In den Einsatz kann er aber nicht mehr. Dafür hat Sylka Löwe inzwischen einen neuen Hund.

Doch trotz der guten Pflege kann Eras keine Treppen mehr steigen. Und er muss in den ersten Stock des Zweifamilienhauses, denn dort ist er bei seinem Frauchen zu Hause. Den Hund immer hinauf zu tragen, sei auf Dauer keine Lösung gewesen. Ein Laufbrett im Treppenhaus kam auch nicht infrage: Zu wenig Platz wäre für die Bewohner des Hauses auf der Treppe übrig geblieben. Also musste ein Aufzug her. „Gott sei dank ist mein Vater Ingenieur und hatte gleich die richtige Idee“, sagt Löwe. Eine alte Leiter an der Hauswand und ein unscheinbarer Holzkasten im Gras sind alles, was auf den ersten Blick zu sehen ist. Will Eras nach oben, öffnet die junge Frau eine Holzklappe, und der Schäferhund läuft brav in den Aufzug. Immer vorwärts, denn oben muss er auf der anderen Seite wieder raus. Wenn Sylka Löwe den roten Knopf an ihrer Fernsteuerung drückt, schwebt der selbst entwickelte Aufzug nach oben. „An sein neues und bequemes Transportmittel hat sich Eras schnell gewöhnt“, sagt Sylka Löwe und lacht. Angekommen im ersten Stock muss der Rettungshund im Ruhestand nur noch durch eine kleine Tür und über den Balkon ins Wohnzimmer schlüpfen und ist da: In seiner ganz persönlichen Seniorenresidenz. (Tobias Wolf)