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Aufatmen nach dem Schreck

25.11.2016

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nach dem Schreck
Idyllische Lage, perfekter Blick auf Meißen, einladendes Ambiente – all das finden Besucher im „Hotel & Restaurant Knorre“ am Meißner Stadtrand. | Foto: Hübschmann

Der Schock bei Claus Scholze ist noch immer nicht ganz überwunden, seit er im Oktober potenziellen Gaunern auf den Leim gegangen ist. Da hatte das „Hotel & Restaurant Knorre“ per E-Mail eine Bewerbung von einem vermeintlichen Interessenten für eine Ausbildungsstelle bekommen. Im Anhang ein Lebenslauf – als zip-Datei. Man dachte an nichts Schlimmes, öffnete die Datei – und der Schreck in der Abendstunde war perfekt. „Sämtliche Daten waren urplötzlich verschlüsselt“, erinnert sich Claus Scholze an jenen verhängnisvollen Donnerstag. Hotelbuchungen, Tischbestellungen – für das Personal waren die Angaben nicht mehr verwertbar, erschienen nur noch in kryptischen Schriftfragmenten. Tags darauf die „Bestätigung“, wieder per Mail: „Ihre Dokumente, Fotos, Datenbank und andere wichtige Daten wurden verschlüsselt!“ Um sie wieder lesen zu können, werde eine Spezialsoftware benötigt. Die könne Claus Scholze zum „Sonderpreis“ kaufen: 1 426 Dollar. „Nach fünf Tagen erhöht sich der Preis auf 2 852 Dollar“, wurde ihm noch mitgeteilt.

Polizei und Landeskriminalamt wurden eingeschaltet, ohne Hinweise auf den Absender der Mails oder eventuelle Konteninhaber erlangen zu können. Das wundert nicht, denn „alle Transaktionen können nur über das bitcoin-netzwerk ausgeführt werden“, hatten die Ganoven noch wissen lassen.

„Das waren Tage, da habe ich kein Auge zugemacht“, gesteht der „Knorre“-Chef. Um den normalen Ablauf in seinem Unternehmen nicht zu gefährden, zahlte er und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. „Ich weiß, dass dies ein sch... Deal ist. Aber für uns lebensnotwendig. Mir blieb nichts anderes übrig.“ Denn die verschollenen Dateien reichten bis zu Planungen in Hotel & Restaurant weit ins nächste Jahr. Inzwischen kann man im „Knorre“ wieder auf alle Daten zurückgreifen, und Claus Scholze „kann auch wieder lachen“.

Für die nächsten Wochen wird er auch unbedingt die Übersicht über seine angemeldeten Gäste brauchen. Denn nach „dem schlechtesten Monat eines jeden Jahres, dem November“, folgt der für viele schönste. „Weihnachten und Silvester sind wir ausgebucht“, sagt Claus Scholze. Zudem gebe es ausreichend Nachfragen und Bestellungen für Weihnachts- und Betriebsfeiern. Und nach kurzer „Flaute“ im Februar und März freut man sich schon wieder auf die warmen Monate im kommenden Jahr. Direkt am Elberadweg gelegen, finden dann neben motorisierten Gästen vor allem Rad- und Wanderer den Weg in die Gastlichkeit, viele davon aus dem Ausland wie den Niederlanden oder der Schweiz. Die Räumlichkeiten für Feiern oder Tagungen seien ebenfalls sehr gut frequentiert. 23 Hotelzimmer und rund 150 Plätze in den Gasträumen bietet „Hotel & Restaurant Knorre“. Als Familienunternehmen geführt, sorgen je nach Saison zwischen 12 und 14 Beschäftigte für das Wohl und Wehe der Gäste. Dabei dominieren im Restaurant Wein aus Sachsen und gutbürgerliche deutsche Küche. „Wir sind ein eingespieltes Team, fachlich geschult und erfüllen fast jeden Wunsch“, beschreibt Claus Scholze die Situation.

Dass er am Meißner Stadtrand eine exklusive, idyllische Lage hat, ist ihm natürlich bewusst. Doch die Stadt sei aus vielen Gründen einen Besuch wert. Die Albrechtsburg, der Dom, die Manufaktur. Moritzburg ist nicht weit. Die Elbe samt Radweg.

Die Dateien mit den Anmeldungen und Hotelreservierungen werden sich also auch künftig gut füllen. Nur eines sollten potenzielle Gäste beachten, wenn sie sich per Mail ankündigen: Eine zip-Datei wird in der „Knorre“ künftig ganz sicher niemand mehr öffnen.

Hotel & Restaurant Knorre

Elbtalstraße 3 | 01662 Meißen/OT Winkwitz

Telefon: 03521 72810 | Telefax: 03521 7281177

knorre@meissen-hotel.com | www.meissen-hotel.com