erweiterte Suche
Donnerstag, 18.02.2016

Auf Patrouille gegen Kriminelle

In Dresden wollen City-Streife und Neustadt-Security weitermachen. Jetzt muss die Finanzierung geklärt werden. Auch über die Sicherheitslage am Wiener Platz will die Stadt jetzt intensiv nach Lösungen suchen.

Von Julia Vollmer

Immer zu zweit waren die Mitarbeiter der City-Streife im Einsatz, um rund um den Hauptbahnhof für mehr Sicherheit zu sorgen.
Immer zu zweit waren die Mitarbeiter der City-Streife im Einsatz, um rund um den Hauptbahnhof für mehr Sicherheit zu sorgen.

© Sven Ellger

Drogenhandel, Schlägereien und Diebstähle – der Wiener Platz ist nach wie vor ein Brennpunkt in der Stadt. Parteien und Polizei suchen nach Lösungen. Die SPD will in der nächsten Stadtratssitzung mit einer aktuellen Stunde „nüchtern und sachlich“ darüber diskutieren. „Es ist nicht hinnehmbar, dass weiterhin offen mit Drogen gehandelt wird und Frauen Angst haben, sich im Dunkeln dort aufzuhalten“, betont Christian Avenarius, Vorsitzender der Stadtratsfraktion. Nur mit einer nachhaltigen Strafverfolgung könne man der Sache Herr werden, hier kranke es aber nach wie vor an genügend Personal. Mit der Polizeireform hatte der Freistaat die Zahl der Beamten zusammengekürzt.

Die CDU-Fraktion will einen Eilantrag einreichen, um die „Situation an diesem Schwerpunkt zu entschärfen“, so Jan Donhauser, Fraktionsvorsitzender. Darin soll verankert werden, dass das Personal im Ordnungsamt aufgestockt und das Beleuchtungskonzept noch mal geprüft wird. Die CDU will außerdem die City-Streife unterstützen. Avenarius zeigt sich als Befürworter der City-Streifen, wie sie sowohl in der Innenstadt auf Initiative des City-Managements als auch in der Neustadt als private Security getestet wurden. „Sie haben das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen positiv beeinflusst“, sagte er. Der Fraktionschef würde es begrüßen, wenn sich Mittel und Wege fänden, die beiden Projekte zumindest mittelfristig fortzuführen. City-Manager Jürgen Wolf zieht ein positives Fazit der Pilotphase. „Wir haben nur gutes Feedback der Händler erhalten, konnten präventiv wirken.“ Jetzt läuft die Abstimmung, wie man künftig die 17 000 Euro, die das Projekt monatlich kostet, finanzieren kann.

Vier Mitarbeiter waren jeweils in Zweiergruppen zwischen Prager Straße und Hauptbahnhof unterwegs. Am häufigsten eingreifen musste sie wegen Diebstahl, Ruhestörung und alkoholisierten Randalierern, berichtet Wolf. Das Ordnungsamt zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Man kann vermuten, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und der Gäste gestärkt wurde“, heißt es aus dem Rathaus.

Die Dresdner Polizei steht dem Projekt City-Streife offen gegenüber. Der enge Kontakt mit den Händlern helfe bei der Arbeit. Die Beamten sehen den Wiener Platz nach wie vor als einen ihrer Einsatzschwerpunkte. Im Fokus der Polizei stehen dabei Gruppen junger Männer verschiedener Herkunft, Laske weist aber ganz klar darauf hin, dass keinesfalls nur Menschen mit Migrationshintergrund in die Geschäfte verwickelt sind. Schon 2015 verstärkte die Polizei ihr Aufgebot vor Ort, die Bürgerpolizei ist an vier Tagen pro Woche am Bahnhof. Als Erfolg verbuchen die Ordnungshüter, dass sich die Drogenszene am Wiener Platz anders als in anderen Städten nicht weiter ausgebreitet hat.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren ab Ende September bis Ende Dezember vergangenen Jahres mit einer Sondereinheit vor allem im Bereich zwischen Hauptbahnhof, Wiener Platz, Prager Straße, Altmarkt und Hauptstraße intensiv präsent, so die Stadt. Während Avenarius und Donhauser das Thema Videoüberwachung befürworten, sieht Polizeisprecher Laske die Sache skeptisch. Es sei unpraktikabel, da die Kamera nicht rund um die Uhr läuft und ein Beamter immer situationsabhängig den Aufnahmeknopf bestätigen müsste. Das dürfe er aber nur in kritischen Situationen und diese seien, beispielsweise bei einem verdeckten Drogenkauf, mitunter schwierig einzuschätzen.

Zufrieden mit der Testphase ist Stefan Schulz, Initiator der privaten Neustadt-Security, die bis Januar lief. Gäste und Gastronomen betonten das verbesserte Sicherheitsgefühl. Die rund 40 Händler und Clubbetreiber, die sich an der Initiative „Respect – Save the Crowd“ beteiligten, sind in der Abstimmung für eine künftige Finanzierung. Rund 6 000 Euro habe die Testphase pro Monat gekostet, sagte Schulz. Linken-Stadtrat Tilo Kießling sieht die Polizei in der Pflicht. „Wenn öffentliche Sicherheit nur noch durch privat finanzierte Streifendienste gewährleistet werden kann, ist etwas faul. Der Staat muss sich um alle Stadtteile kümmern.“ Ähnlich sieht das Vincent Drews (SPD): „Statt eine privat organisierte Security zu begrüßen, sollten die Beamten ihre Aufgabe erfüllen und die öffentliche Sicherheit gewährleisten.“ Man müsse überlegen, Mitarbeiter des Ordnungsamtes gezielter einzusetzen, um im Viertel für mehr Sicherheit zu sorgen“, fordert der Neustadt-Stadtrat Drews.