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Donnerstag, 15.02.2018

Auf Kollisionskurs

In Ostsachsen häufen sich die Zugunfälle mit umgekippten Bäumen. Schuld hat die Bahn, sagen die privaten Anbieter.

Von Sebastian Kositz

Auch für diesen Triebwagen der Städtebahn Sachsen geht es erst einmal nicht weiter. Die privaten Eisenbahnunternehmen, die in Ostsachsen unterwegs sind, beklagen große Probleme mit morschen und alten Bäumen an den Strecken und werfen der Bahn vor, nicht genug für die Sicherheit zu sorgen.
Auch für diesen Triebwagen der Städtebahn Sachsen geht es erst einmal nicht weiter. Die privaten Eisenbahnunternehmen, die in Ostsachsen unterwegs sind, beklagen große Probleme mit morschen und alten Bäumen an den Strecken und werfen der Bahn vor, nicht genug für die Sicherheit zu sorgen.

© Archivfoto: Städtebahn Sachsen

Bautzen. Nur eine Notbremsung verhindert an diesem Tag Schlimmeres: Als der Lokführer den Baumstamm auf den Gleisen liegen sieht, geht er sofort beherzt in die Eisen. Mit über 100 Stundenkilometer ist der Triebwagen der Städtebahn unterwegs, auf der Fahrt von Kamenz nach Pulsnitz. Das Bremsmanöver zeigt schließlich die erhoffte Wirkung. Als der Zug gegen den Baum prallt, hat dieser schon deutlich an Fahrt verloren. Reisende und Bahnpersonal überstehen den Aufprall unverletzt. Dennoch ist es ein Alptraum für alle Beteiligten.

Was sich vor zwei Monaten so tatsächlich auf der eingleisigen Strecke kurz vor Pulsnitz abgespielt hat, ist auf den Schienen in Ostsachsen ein besonders heftiger, aber keineswegs einmaliger Vorfall. Denn in den vergangenen Jahren hat es auf den Gleisen mehrfach gescheppert, weil ganze Bäume oder große Äste darauf lagen. Die Städtebahn Sachsen (SBS), die auf den Strecken nach Kamenz und Königsbrück fährt, listet zehn derartige Unfälle für die vergangenen Jahre auf. Und auch die Zugführer der Länderbahn Trilex haben ähnliche Momente erlebt. Das Unternehmen, das unter anderem auf den Verbindungen nach Görlitz und Zittau unterwegs ist, verweist für 2016 und 2017 jeweils auf etwa ein Dutzend Kollisionen mit Stämmen und Ästen.

Bahn für Sicherheit an den Gleisen zuständig

Für Städtebahngeschäftsführer Torsten Sewerin sind diese Häufungen trotz zunehmender und teils sehr heftiger Unwetter in den vergangenen Jahren kein Zufall. „Unsere Züge fahren wie in einem Strauch- und Baumtunnel“, erklärt der SBS-Chef, der die Hauptschuld bei der Deutschen Bahn sieht. Deren Züge fahren zwar längst nicht mehr auf den Strecken im Landkreis Bautzen. Allerdings ist die Bahn weiterhin für die Sicherheit an ihren Gleisen zuständig. Doch die Bahn, so der Vorwurf der privaten Mitbewerber, vernachlässige die Pflege der Vegetation links und rechts der Trassen.

Auch bei der Länderbahn Trilex sind die Verantwortlichen verärgert. Probleme mit umgekippten Bäumen gebe es vor allem an den Streckenabschnitten zwischen Dresden-Klotzsche und Arnsdorf und zwischen Bischofswerda und Ebersbach. Trilex-Sprecher Jörg Puchmüller moniert den mangelnden Einsatz der Bahn: „Da ist noch viel Luft nach oben“, erklärt er es diplomatisch. Jörg Puchmüller sieht die Deutsche Bahn in der Pflicht und fordert zugleich mehr Kontrollgänge an den Trassen, um zu verhindern, dass immer wieder morsche und alte Bäume in die Gleise fallen. „Wir bezahlen schließlich auch dafür, dass wir auf den Gleisen fahren dürfen“, so der Sprecher.

Ärger und finanzielle Schäden

Die Städtebahn hat die Probleme nicht nur auf ihren Strecken im Landkreis Bautzen. Zu Jahresbeginn stellte das Unternehmen aus Sicherheitsgründen zwischen Heidenau und Altenberg den Verkehr sogar komplett ein, nachdem Triebwagen mehrfach umgestürzte Bäume gerammt hatten. Bei all den Zusammenstößen gab es bislang immerhin noch keine Verletzten. Für Torsten Sewerin ist es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis so ein Unfall Opfer fordere. Bei extremen Wetterlagen drosseln die Unternehmen konsequent die Geschwindigkeit, lassen die Triebwagen dann nur noch mit höchstens 50 Stundenkilometer rollen.

Die Zusammenstöße sind jedoch nicht nur gefährlich und ärgerlich für Reisende – sondern sorgen auch für große finanzielle Schäden. Allein nach dem Unfall in Pulsnitz summierten sich die Reparaturkosten am Triebfahrzeug auf bis zu eine Million Euro. Unterm Strich hätten die Zusammenstöße nur an SBS-Zügen Schäden von fast zwei Millionen Euro verursacht. Zwar zahle einen großen Teil eine Versicherung. Jedoch ist stets auch ein Eigenanteil fällig. Auf einer halben Million Euro ist die Städtebahn Sachsen deshalb schon sitzen geblieben. Hinzu kommen die Strafen wegen ausgefallener oder verspäteter Züge, die an die Verkehrsverbünde zu zahlen sind.

Die Deutsche Bahn weist indes die Vorwürfe, sich nicht genug um die Bäume an den Strecken zu kümmern, mit aller Entschiedenheit zurück. Die Strecken würden nachhaltig und „unter strikter Anwendung aller relevanten Richtlinien“ gepflegt, lautet es in einer Stellungnahme der Bahn. Zudem würden die Bäume an den Strecken „regelmäßig im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben inspiziert“, erklärt die Bahn.

Bei der Städtebahn Sachsen haben die Verantwortlichen daran aber offenbar große Zweifel. Im November des vergangenen Jahres hat die SBS ein Schreiben an das Eisenbahnbundesamt verfasst. Inzwischen habe es auch schon Gespräche mit der Behörde gegeben. Zudem prüft die SBS rechtliche Schritte gegen die Bahn. (mit SZ/rh)