erweiterte Suche
Sonntag, 25.06.2017

Auf den Spuren eines großen Baumeisters

Das Osterzgebirge ist eine Reise wert. Hier wuchs der Erbauer des Dresdner Wahrzeichens auf. Doch nicht nur deshalb lohnt sich ein Besuch.

Von Maik Brückner

Bild 1 von 4

Jürgen Albertus ist es gelungen, einen Teil der Originalglocke der Dresdner Frauenkirche in Osterzgebirgsmuseum nach Lauenstein zu bringen. Zusammen mit anderen Funden ist sie das Herzstück der George-Bähr-Ausstellung.
Jürgen Albertus ist es gelungen, einen Teil der Originalglocke der Dresdner Frauenkirche in Osterzgebirgsmuseum nach Lauenstein zu bringen. Zusammen mit anderen Funden ist sie das Herzstück der George-Bähr-Ausstellung.

© Egbert Kamprath

  • Jürgen Albertus ist es gelungen, einen Teil der Originalglocke der Dresdner Frauenkirche in Osterzgebirgsmuseum nach Lauenstein zu bringen. Zusammen mit anderen Funden ist sie das Herzstück der George-Bähr-Ausstellung.
    Jürgen Albertus ist es gelungen, einen Teil der Originalglocke der Dresdner Frauenkirche in Osterzgebirgsmuseum nach Lauenstein zu bringen. Zusammen mit anderen Funden ist sie das Herzstück der George-Bähr-Ausstellung.
  • Faszination Tierwelt: Der Wildpark Osterzgebirge befindet sich auf halber Strecke Richtung Geising. Die familienfreundliche Anlage zeigt 27 Haustier- und 22 Wildtierarten, darunter auch Erdmännchen. Bisher sind sie die Besucherlieblinge.
    Faszination Tierwelt: Der Wildpark Osterzgebirge befindet sich auf halber Strecke Richtung Geising. Die familienfreundliche Anlage zeigt 27 Haustier- und 22 Wildtierarten, darunter auch Erdmännchen. Bisher sind sie die Besucherlieblinge.
  • Wanderparadies Geisingberg: Der Geisingberg ist zwar nicht der höchste Berg im Osterzgebirge, aber der markanteste. Der 824 Meter hohe Gipfel ist leicht zu bezwingen. Oben lädt eine Baude zur Rast ein. Vom 18 Meter hohen Luisenturm hat man eine schöne Aussicht.
    Wanderparadies Geisingberg: Der Geisingberg ist zwar nicht der höchste Berg im Osterzgebirge, aber der markanteste. Der 824 Meter hohe Gipfel ist leicht zu bezwingen. Oben lädt eine Baude zur Rast ein. Vom 18 Meter hohen Luisenturm hat man eine schöne Aussicht.
  • Rodelvergnügen Kahleberg: Rodelspaß gibt es in Altenberg auch während der warmen Monate. Unterhalb des Kahlebergs befindet sich die Sommerrodelbahn. Für die etwa ein Kilometer lange Abfahrtsstrecke brauchen Sommerrodler je nach Geschick zwei bis fünf Minuten.
    Rodelvergnügen Kahleberg: Rodelspaß gibt es in Altenberg auch während der warmen Monate. Unterhalb des Kahlebergs befindet sich die Sommerrodelbahn. Für die etwa ein Kilometer lange Abfahrtsstrecke brauchen Sommerrodler je nach Geschick zwei bis fünf Minuten.

Osterzgebirge. Ehrfürchtig legt Jürgen Albertus seine Hand auf den Bronzeguss. Unverkennbar handelt es sich dabei um den Rest einer Glocke. „Die hing mal in der Dresdner Frauenkirche“, sagt Albertus. Als diese Anfang der 1990er Jahre enttrümmert wurde, wurde beim Aufräumen nicht nur der Rest des Bronzegusses gefunden. Auch die Turmkugel, das Kuppelkreuz und einige Schmuckelemente kamen zum Vorschein. Albertus ist es gelungen, einige dieser Funde ins Lauensteiner Osterzgebirgsmuseum zu bringen. Darauf ist der 72-Jährige heute noch stolz. Schließlich bilden sie das Herzstück einer Ausstellung, die es so kein zweites Mal gibt. Sie widmet sich dem Leben und Werk von George Bähr, dem Baumeister der Dresdner Frauenkirche. In drei Räumen beleuchtet das von Jürgen Albertus begründete Osterzgebirgsmuseum dessen Werdegang. Und der begann in Fürstenwalde, einem kleinen Erzgebirgsdorf unweit von Lauenstein. Als Albertus 1979 das dortige Schloss übernahm, wusste er noch nichts von dem großartigen Architekten. „Der damalige Bürgermeister übergab mir das Schloss mit zwei Aufgaben: Rette es und mache es zu einem Museum“, erinnert sich Albertus, der in Dippoldiswalde aufgewachsen ist und heute noch dort lebt. Albertus nahm die Sache ernst, sanierte die Anlage Stück für Stück – meist mit den sogenannten Feierabendbrigaden.

Parallel dazu schuf er das Museum. „Dabei lernte ich auch die Kulturbundgruppe in Fürstenwalde kennen“, erinnert er sich. Deren Mitglieder berichteten ihm von George Bähr. „Die waren stolz auf Bähr“, sagt Albertus. Der große Sohn des Dorfes, wurde 1666 geboren. Später zog dessen Familie nach Lauenstein. Dort lernte Bähr das Zimmererhandwerk und erwarb sich die Grundlagen für seine spätere Tätigkeit in Dresden. Albertus war fasziniert.

Diesen Mann müsse man würdigen, sagt er sich. Doch in den 1980er Jahren standen ihm zu wenig Räume im riesigen Schloss zur Verfügung. Damals wohnten noch viele Familien auf dem Schlossgelände. Die meisten von ihnen waren Flüchtlinge und Heimatvertriebene, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Lauenstein gestrandet waren. Ihnen wurden Wohnungen im Schloss zugewiesen. Klingt gut, war es aber nicht. Denn die Räume waren dafür nicht geschaffen worden. Wer Glück hatte, zog weiter. So wurden nach und nach Räume frei. Albertus ließ diese herrichten.

Nachdem eine weitere Familie ausgezogen war und der Schulhort neue Räume bekam, wurden Ende der 1990er Jahre drei der schönsten Räume frei. Albertus sah die Zeit gekommen, eine Ausstellung für den Baumeister zu schaffen. Er organisierte sich Fördermittel, nahm Kontakt zu Restauratoren und Gestaltern auf. „Wer eine neue Ausstellung konzipiert, braucht ein Drehbuch“, sagt er. In dem muss beschrieben sein, was wo hinkommt. Außerdem braucht man aussagekräftige Exponate. Albertus wandte sich an die Stiftung Frauenkirche Dresden. Dort zeigte man sich erfreut, dass man den Baumeister in seiner Heimat nicht vergessen hatte. „Ich wurde herzlich empfangen“, berichtet Albertus mit leuchtenden Augen. „Ich habe großartige Leute kennengelernt.“ Er konnte sich die Funde anschauen, die damals in der Unterkirche eingelagert waren. „Ich durfte mir Ausstellungsstücke aussuchen“, erinnert er sich. Nur eines durfte er nicht mitnehmen: Das Turmkreuz. Damit hatte die Stiftung einige Pläne. Heute steht es im Innenraum der Frauenkirche und erinnert an die Zerstörung. Albertus musste seine Ausstellung ohne Turmkreuz gestalten.

Doch bevor er damit beginnen konnte, gaben die Restauratoren den Räumen ihr früheres Aussehen zurück. „Wir rissen die später eingebauten Zwischenwände heraus, ließen Farbschichten abtragen“, erinnert sich Albertus. Auch der Fußboden wurde bearbeitet. Zum Vorschein kamen die breiten Bretter aus der Entstehungszeit des Schlosses. Die Restauratoren konnten viel retten und den Hauptraum so herrichten, wie er früher mal ausgesehen hat.

Dann war es an Albertus, die Räume mit Exponaten und Schautafeln auszustatten. Bähr war zu DDR-Zeiten zwar in Vergessenheit geraten, geforscht wurde aber trotzdem zu seiner Person. Von daher lagen dem Museum viele Informationen zum Leben und Werk vor – nur eines gelang Albertus nicht. Er konnte kein Bild des Baumeisters auftreiben. „Sicher wurde er auf einem Bild mal porträtiert“, sagt Albertus heute. Und vielleicht existiert dieses Bild auch noch. Doch niemand erkennt ihn. Aus diesem Grund musste auch seine Ausstellung ohne ein Bild des Genies auskommen. Dafür stellt die Ausstellung Bährs Bauwerke vor, die die Kriege überlebt haben. Viele stehen in und um Dresden, einige auch im Erzgebirge und in der östlichen Lausitz. Sehr anschaulich hat Albertus auch dargestellt, wie schwer das Zimmereihandwerk zu Bährs Zeiten war.

Inzwischen ist die Bähr-Ausstellung 13 Jahre alt. Sie gehört neben der vermutlich einmaligen Sammlung zur Geschichte des kursächsischen Post- und Verkehrswesens und der Schau zur Müglitztalbahn zu den Besonderheiten, mit dem das Museum aufwarten kann. Albertus weiß, wie schwer es ist, solche Ausstellungen immer wieder ins Gespräch zu bringen. Der neu eingerichtete George-Bähr-Wanderweg, der die früheren Wirkungsorte des Baumeisters miteinander verbindet, hat das Zeug dazu. Albertus hofft, dass dieser Weg ein Grund mehr ist, das Osterzgebirge zu besuchen. „Diese Hügellandschaft zieht mich immer wieder in den Bann, auch wegen ihrer vielfältigen Natur“, sagt Albertus, der 2009 in den Ruhestand ging. Der studierte Ingenieurökonom hofft, dass die Kulturlandschaft noch viele begeistern möge. Und vielleicht findet der ein oder andere in „sein Museum“ und zu George Bähr.