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Samstag, 24.03.2018

Auf den Millimeter genau

Fliesenleger planen und gestalten Wände und Böden. Sie müssen fit im Rechnen sein und anpacken können. Dafür werden sie gut bezahlt.

Von Sabine Meuter

Im Badezimmer, in der Küche oder auf der Terrasse: Sascha Cuppenbender gestaltet Wände und Böden aller Art. Der 19-Jährige absolviert im Betrieb seines Vaters im niederrheinischen Wesel eine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Er berät gern Kunden bei der Auswahl der richtigen Bauelemente: „Bei den Materialien gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben.“ Vor allem liegt ihm aber die praktische Arbeit vor Ort. Die sei zwar körperlich anstrengend, „aber eine reine Schreibtischtätigkeit wäre nichts für mich.“

Bevor Cuppenbender und seine Kollegen eine Fläche gestalten, fertigen sie zunächst eine Skizze an. Dafür braucht es ein gutes Augenmaß. Fit im Rechnen sollten sie auch sein. „Es muss exakt bestimmt werden, wie viel Material nötig ist“, sagt Kirsten Stollberg vom Fachverband Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB).

Angehende Fliesenleger sollten zudem gute Physik-Kenntnisse haben: Wer sich damit auskennt, dem fällt es leicht, Zusammenhänge rund um Wärme-, Schall- und Feuchtigkeitsschutz zu verstehen und zu berücksichtigen. Denn auch das gehört zum Job: So muss ein Badezimmer zum Beispiel fachgerecht abgedichtet werden, damit das Gebäude dauerhaft vor Wasserschäden geschützt ist.

Für den Start in die Ausbildung reicht ein Hauptschulabschluss. „Um herauszufinden, ob ihnen der Beruf wirklich liegt, sollten Schüler erst einmal ein Praktikum absolvieren“, rät Stollberg. Haben sie danach immer noch den Wunsch, Fliesenleger zu werden, sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sehr gut. Drei Jahre lang lernen die Lehrlinge in Betrieb und Berufsschule. Dabei erfahren sie nicht nur, was beim Verlegen von Fliesen, Platten und Mosaiken in Privathäusern zu beachten ist, sondern auch, worauf es etwa in Schwimmbädern, Labors, Kliniken oder in Betrieben der Nahrungsmittelherstellung ankommt. Fliesenleger arbeiten unter anderem in Betrieben des Ausbaugewerbes oder im Fassadenbau. Die Arbeitsagentur Sachsen meldet mehr als 1 500 Beschäftigte in dieser Branche, darunter über 40 Lehrlinge. Die Beschäftigungszahlen hätten in den vergangenen Jahren zugenommen.

Harte Arbeit ist Alltag, auch wenn der Einsatz von Geräten und Maschinen vieles erleichtert. „Zum Beispiel kann es sein, dass in einem Haus ohne Aufzug Fliesen in den vierten Stock geschleppt werden müssen“, sagt Cuppenbender. Und auch schwere Säcke mit Mörtel müssen irgendwie von A nach B kommen. Zudem finden große Teile der Fliesenlegerei naturgemäß auf dem Boden statt. „Das Arbeiten kann an manchen Tagen ganz schön auf die Knie gehen“, so Cuppenbender.

Grundlage für einen Bodenbelag aus Fliesen ist ein sauber und eben aufgetragener Estrich. Deshalb lernen Auszubildende auch den Umgang damit – und anschließend, welche Methoden es beim Verlegen von Platten, Fliesen und Mosaiken gibt. Lasergeräte etwa helfen dabei, die Fliesen auf den Millimeter präzise anzuordnen. Anstelle von Mörtel kommt häufig Spezialkleber zum Einsatz, etwa auf einem Glasuntergrund. Damit Fliesen und Platten maßgerecht in eine Ecke passen, schneidet man sie mit verschiedenen Maschinen zurecht. Schließlich gilt es noch, die Fugen mit Abdichtmasse zu füllen und zu versiegeln.

Das verläuft nicht alles nach Schema F. Cuppenbender gefällt es, dass er sich mit Ideen in die Arbeit einbringen kann. „Oft freuen sich die Kunden über die eine oder andere Anregung“, erzählt er. Manchmal hat die Arbeit auch einen künstlerischen Aspekt – etwa dann, wenn ein weißes Badezimmer noch ein paar farbige Akzente braucht.

Mit seinem Verdienst ist Cuppenbender zufrieden. Er liegt in den drei Ausbildungsjahren zwischen 785 und 1 410 Euro. In Sachsen beginnt die Vergütung nach Angaben der Arbeitsagentur bei 705 Euro und endet bei 1 130 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Gesellen ist je nach Betrieb und Region unterschiedlich. Im Baugewerbeverband Nordrhein, zu dem auch Wesel gehört, liegt es nach Angaben des Fachverbands Fliesen und Naturstein zum Beispiel bei etwa 2 500 Euro. In Sachsen werden etwa 2 100 Euro gezahlt.

Nach der Gesellenprüfung können Fliesen-, Platten- und Mosaikleger ihren Meister machen. Auch Sascha Cuppenbender schließt nicht aus, dass er als Meister den väterlichen Betrieb übernimmt. Aber erst einmal will er die Ausbildung beenden, Berufserfahrung sammeln und sich Herausforderungen stellen. Eine davon hat er bereits hinter sich: „Das war, als ich das erste Mal allein auf einer Baustelle war und schauen musste, ob es mit dem Fliesenlegen klappt.“ Es funktionierte. (dpa/rnw)