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Mittwoch, 04.10.2017

Auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt

Zittau prüft die Bewerbung um den Titel. Mit Partnern und einer ganz besonderen Idee.

Von Thomas Mielke

Bisher bekannte Eckpunkte

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Die Kulturhauptstadtbewerbung soll nicht nur auf Zittauer Schätzen wie den Epitaphien ...
Die Kulturhauptstadtbewerbung soll nicht nur auf Zittauer Schätzen wie den Epitaphien ...

© SZ-Archiv

  • Die Kulturhauptstadtbewerbung soll nicht nur auf Zittauer Schätzen wie den Epitaphien ...
    Die Kulturhauptstadtbewerbung soll nicht nur auf Zittauer Schätzen wie den Epitaphien ...
  • ... und dem Fastentuch beruhen.
    ... und dem Fastentuch beruhen.
  • Vielmehr soll die ganze Region inklusive aller Anrainer des Dreiländerecks und der Sechs-Städte-Bund eine große Rolle spielen. Dieses Bild zeigt den Vorschlag einer dreiarmigen Brücke am Dreiländerpunkt. das  Liberecer Ingenieurbüro hat sie im Auftrag der Stadt Hradek erstellt.
    Vielmehr soll die ganze Region inklusive aller Anrainer des Dreiländerecks und der Sechs-Städte-Bund eine große Rolle spielen. Dieses Bild zeigt den Vorschlag einer dreiarmigen Brücke am Dreiländerpunkt. das Liberecer Ingenieurbüro hat sie im Auftrag der Stadt Hradek erstellt.
  • Privilegien und Statuten der Oberlausitzer Sechsstädte
    Privilegien und Statuten der Oberlausitzer Sechsstädte

Die Stadt Zittau macht sich tatsächlich auf den Weg und prüft eine Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“.

Bisher bekannte Eckpunkte

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Ist die Bewerbung nicht eine Nummer zu groß für Zittau?

Zittau bewirbt sich nicht allein, obwohl die Kultur im Vergleich zu Städten gleicher Größenordnung mannigfaltig ist. In die Bewerbung sollen die Städte des Dreiländerecks, des Sechs-Städte-Bundes und die Gemeinden des Naturparks Zittauer Gebirge eingebunden werden. Wie Essen 2010 für das gesamte Ruhrgebiet würde Zittau für die Oberlausitz stehen. Und nicht nur das. Laut Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) schwebt Landrat Bernd Lange (CDU) eine Doppelbewerbung vor. Die Partnerregion des Landkreises, Gorizia/Nova Gorica in Italien und Slowenien, liegt zumindest regional auch in einem Dreiländereck. Zusammen würde die Bewerbung Regionen in sechs Ländern vereinen. Zumal beide Dreiländerecke durch die neuen Grenzen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind und Slowenien 2025 wie Deutschland eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen darf. „Wir würden dann zeigen, wie die europäische Entwicklung in den letzten 80 Jahren fortgeschritten ist“, umreißt Zenker die Idee. Der Kreistag hat dem prinzipiell schon zugestimmt. Der Landrat selber wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Zenker fliegt mit ihm noch im Oktober nach Brüssel, um mit Botschaftern bei der EU zu sprechen. Mit der Wojewodschaft Niederschlesien ist ein Treffen am 10. Oktober geplant. Der tschechische Hejtman des Bezirks Liberec hat seine Zustimmung bereits signalisiert. Auch Sachsens Ministerpräsident steht der Bewerbung offen gegenüber.

Wie groß sind die Aussichten auf einen Erfolg bei der Bewerbung?

Das kann niemand einschätzen. Schließlich bewerben sich auch kulturelle Schwergewichte wie Dresden und Nürnberg um den Titel, der nur im Abstand von vielen Jahren an eine deutsche Stadt geht. Der OB hofft unter anderem darauf, dass Europa weiterhin die Regionen stärken und den großen Kulturstädten nicht noch einen weiteren Titel an die Brust heften will. Letztendlich aber wäre die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ auch nur das i-Tüpfelchen. Tatsächlich würden Zittau und die Region schon durch die Bewerbung so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, wie sie auf anderen Wegen kaum finanzierbar ist. Noch heute würden die positiven Effekte der Görlitzer Bewerbung um den bisher letzten möglichen deutschen Kulturhauptstadttitel 2010 für die Neißestadt zu spüren sein, sagte Zenker. Zudem muss die Region während der Bewerbungsphase eine Vision für sich entwickeln. Auch das wertet er als eine große Chance.

Womit will sich Zittau um den Titel bewerben?

Die Region ist kulturell sehr breit aufgestellt: Das beginnt bei der Baukultur mit Umgebindehäusern und erhaltenen historischen Strukturen, geht über die Hochkultur mit Theatern und Schätzen wie dem Fastentuch und die Breitenkultur mit ihren vielfältigen Vereinsaktivitäten weiter und endet nicht zuletzt beim Sport, der auch eine kulturelle Errungenschaft ist und in der Region eine große Bedeutung hat.

Kann sich Zittau die Bewerbung überhaupt leisten?

Nein, nicht allein. Das hat OB Zenker im Stadtrat klar zum Ausdruck gebracht. Deshalb soll in wenigen Wochen eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis geschlossen werden. „Erst dann geht es richtig los“, so Zenker. Zudem hofft er auf Fördergeld. Noch müssen die Kosten aber erst einmal ermittelt werden. Essen hat sich die Bewerbung 80 Millionen Euro kosten lassen, Görlitz eine siebenstellige Summe. Mehrere Stadträte machten deutlich, dass sie angesichts der finanziellen Lage Zittaus unbedingte Haushaltsdisziplin erwarten.

Was sind die nächsten Schritte für die Bewerbung?

Nach der Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis und der Anmeldung haben Zittau und Partner ein Jahr Zeit, ein Konzept zu erarbeiten. Bevor es zur Bewertung bei der Jury eingereicht werden kann, muss die Stadt – so hat es der Rat beschlossen – ihre Bürger befragen. Zudem entscheidet der Stadtrat über jeden Einzelschritt und kann im Ernstfall die Notbremse ziehen.

Einstimmig hat der Stadtrat den Oberbürgermeister beauftragt, mit den Vorbereitungen zu beginnen.