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Montag, 11.07.2016

Auch Zähneputzen schützt vorm Herzinfarkt

Zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählen Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Vor allem übermäßiger Stress, Zigaretten- und Alkoholmissbrauch, Medikamente, mangelnde Bewegung und eine ungesunde Ernährung gelten als Hauptauslöser. Neue Untersuchungen belegen jedoch: Entzündungen im Mundraum stellen für das Gefäßsystem einen zusätzlichen Risikofaktor dar und können die Wahrscheinlichkeit für einen Herz- oder Hirninfarkt erhöhen.

Manche betreiben bei der Zahnpflege mehr Aufwand als andere, aber eines gilt für alle: Sie sollten regelmäßig die professionelle Zahnreinigung (PZR) in einer Zahnarztpraxis nutzen, um Unterstützung bei der Parodontitis-Vorsorge zu erhalten.
Manche betreiben bei der Zahnpflege mehr Aufwand als andere, aber eines gilt für alle: Sie sollten regelmäßig die professionelle Zahnreinigung (PZR) in einer Zahnarztpraxis nutzen, um Unterstützung bei der Parodontitis-Vorsorge zu erhalten.

© proDente e.V./Johann Peter Kierzkowski

Etwa 90 Prozent der Gesamtbevölkerung leidet unter entzündetem Zahnfleisch, die Gingivitis. Zusammen mit der Parodontitis - der Entzündung des Zahnhalteapparats - zählt sie zu den häufigsten Infektionskrankheiten beim Menschen. Auslöser für beide Erkrankungen des Mundraums sind Bakterien, die sich in Plaque-Ablagerungen und bei fortschreitender Parodontitis in den sich dabei bildenden Taschen des Zahnfleischs besonders gut vermehren. Patienten mit einer Gingivitis leiden unter gerötetem und blutendem Zahnfleisch, das bei Berührung schmerzt. Bei anhaltenden Beschwerden sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden, denn aus der Gingivitis kann sich eine Parodontitis entwickeln. Diese bakteriell verursachte Infektionskrankheit kann Teile des Zahnhalteapparats und des Kieferknochens angreifen und so die Zähne des Patienten lockern. Beide Entzündungen stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko für den Patienten dar, weil sich die Bakterien sowie deren Stoffwechselprodukte aus dem Mundraum über die Blutbahn im gesamten Körper verteilen. Untersuchungen zeigen, dass sie bereits bei alltäglichen Aktivitäten wie Zähneputzen oder beim Verzehr von Speisen in den Blutkreislauf gelangen können. Die Bakterien sind in der Lage, in die Zellen der Gefäßwände einzudringen und hier entzündliche Veränderungen auszulösen. Dies lässt unter anderem die Risiken ansteigen, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Eine besondere Gefährdung stellt die Parodontitis für Diabetiker dar. Wenn sie medikamentös nicht optimal eingestellt sind, ist bei ihnen das Risiko für eine Entzündung im Mundraum etwa dreimal so hoch wie bei ihren Altersgenossen, die nicht unter der Zuckerkrankheit leiden. Zudem ist eine von der Parodontitis verursachte, erhöhte Bakteriendichte im Mund für alle Diabetiker gefährlich: Denn diese Bakterien und deren Stoffwechselprodukte reduzieren die Wirkung des für die Blutzuckerregulierung im Körper verantwortlichen Hormons Insulin. Aufgrund des höheren Blutzuckerspiegels kann sich der Stoffwechsel bei Diabetikern verschlechtern und das Risiko für Komplikationen wie Nieren- oder Augenerkrankungen befördern. Auch die Entzündung selbst verläuft schneller und heftiger als bei Nicht-Diabetikern. Deshalb ist es wichtig, Gingivitis beziehungsweise Parodontitis rechtzeitig behandeln zu lassen. Die von Zahnärzten angebotenen vorbeugenden Maßnahmen sind eine Grundvoraussetzung für langfristigen Zahnerhalt und letztendlich wirkt sich eine gute Mundhygiene auch positiv auf die Allgemeingesundheit aus. Um Patienten erfolgreich zu therapieren, ist es entscheidend, im Rahmen der Parodontitis-Prophylaxe mögliche Risikofaktoren frühzeitig zu identifizieren, bewerten und zu behandeln. „Eine gute Mundgesundheit wirkt sich positiv auf die Allgemeingesundheit aus. Deshalb ist die Vorbeugung beziehungsweise Behandlung von Zahnfleischerkrankungen für einen langfristigen Zahnerhalt ebenso wichtig wie für das Vermeiden und Bekämpfen weitverbreiteter chronischer Allgemeinerkrankungen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Zahnmedizin ist daher für die Zukunft unverzichtbar, um dem scheinbar unaufhaltsam steigenden Auftreten chronischer Erkrankungen entgegenzuwirken.“, sagt PD Dr. Barbara Noack, Fachzahnärztin der UniversitätsZahnMedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

Bakterien im Mund

Bakterien wie auch Pilze, die den Mundraum besiedeln, sind kein Problem für die Gesundheit des Patienten. Bei regelmäßiger Zahnpflege hindern sich die Keime gegenseitig an einer übermäßigen Vermehrung und können somit keinen Schaden anrichten. Die bereits vorhandenen Keime schützen den Patienten sogar vor anderen gefährlichen Bakterien, indem diese die Mundschleimhaut besiedeln und fremden Erregern damit keine Möglichkeit geben, sich im Mundraum niederzulassen.