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Freitag, 25.05.2012

Attentäter Breivik mental angeschlagen

Die Zurechnungsfähigkeit rückt beim Osloer Prozess gegen den Massenmörder immer mehr ins Zentrum. Die Rechtspsychiater sind zerstritten.

Von Thomas Borchert, Oslo

Als der 21-jährige Mohamad Hadi Hamed, im Rollstuhl sitzend, amputiert am linken Arm und Bein, seinen Überlebenskampf beim Massaker auf Utøya schilderte, blieb auch Anders Breivik nicht unbeeindruckt. Er sei „mental angeschlagen“, erklärte der Attentäter auf der Anklagebank in Oslo.

Breiviks wichtigstes Ziel bei dem Prozess über das Verbrechen mit 69 Toten auf Utøya und acht Opfern durch eine Autobombe in Oslo bleibt unverändert: Er will keine Berufung einlegen, wenn das Gericht ihn in seinem Urteil im Juli für zurechnungsfähig erklärt.

Als „psychiatrische Verwirrung“ bezeichnet Harald Stanghelle von der Zeitung „Aftenposten“ das, was über die wichtigste Frage beim Prozess an die Öffentlichkeit dringt. Zwei Gutachten mit entgegengesetzten Schlussfolgerungen liegen dem Gericht vor: „Paranoid schizophren“ und damit nicht schuldfähig, hieß es im ersten. „Zurechnungsfähig“, hatten die Experten im zweiten geurteilt. Eine rechtsmedizinische Kommission hat sich bei der Expertise für das Gericht ohne Einschränkung hinter das erste Gutachten gestellt. Das zweite wurde dagegen nur „zur Kenntnis genommen“. Kommentatoren werteten das als gewichtige Weichenstellung für die fünf Richter.

„Aftenposten“ veröffentlichte Ergebnisse einer dreiwöchigen Dauerbeobachtung Breiviks aus der Haftanstalt Ila, die offenbar für die Zurechnungsfähigkeit des rechtsradikalen Islamhassers sprechen. Die Psychiaterin Maria Sigurjonsdottir stufte ihn als „aufmerksam, konzentriert und organisiert“ ein.

Breivik hat mehrfach erklärt, dass er für sein Massaker als politisch motivierter Täter verurteilt werden will. Seine Motive hatte er auch durch Briefe an Beate Zschäpe von der Zwickauer Nazi-Terrorzelle unterstrichen. Geschrieben hat Breivik auch an den Schweden Peter Mangs, den er als Gleichgesinnten ansieht. Mangs steht in Schweden vor Gericht, weil er Jagd auf dunkelhäutige Zuwanderer gemacht und dabei drei Menschen erschossen haben soll. (dpa)