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Tagesthema
Dienstag, 11. Mai 2004
(Sächsische Zeitung)

Der heimliche Herr über die Gleise

Von der Öffentlichkeit unbemerkt, hat ein Banker das ideale Bahn-Netz für Dresden und Umgebung erdacht

Von Christian Spahr
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Einsteigen im Dresdner Hauptbahnhof. Ginge es nach Veikko Voigt, rollten in Deutschland viel mehr Fernzüge im Stundentakt. Montage: SZ

Im Kopf von Veikko Voigt rattern mehrere hundert Züge. Jeden Tag, meist nach Feierabend und in fast jeder freien Minute, in der der Banker sich nicht auf seinen Job konzentrieren muss. Unablässig rollen in seiner Vorstellung S-Bahnen und Schnellzüge von Bischofswerda bis Riesa, von Großenhain nach Decin. Der gebürtige Dresdner lebt mit einer Utopie, für die er das Bundesverdienstkreuz bekäme, wenn er sie in die Tat umsetzen könnte: Voigt hat ein ideales Eisenbahnnetz für Dresden und Umgebung konzipiert.

„Die Grundzüge habe ich mit acht Jahren entworfen“, erzählt der inzwischen 29-jährige Voigt von seiner Planer-Leidenschaft. Damals saß er als Steppke aus der Sächsischen Schweiz in den Interzonen-Zügen, die ihn zu Verwandten im Vogtland brachten. Unter lauter Rentnern, die in den Westen durften, erlebte er den Lokwechsel in Reichenbach; später spielte er die Fahrten zu Hause an der Modelleisenbahn nach.

Inzwischen hilft ihm der Computer, sein weit verzweigtes Fantasienetz zu veranschaulichen: „Auf meiner Festplatte fahren ständig ein paar hundert Züge“, erzählt er, „vor drei Monaten musste ich mir einen schnelleren Rechner kaufen.“ Wie in einer realen Schaltzentrale hat er die Kontrolle über tausende Kilometer Gleis. Und eine Vorstellung, wie Bahn-Kunden zu begeistern sind: „Bei mir fahren jede Stunde zwei Züge nach Leipzig und einer nach Berlin, dazu alle zwei Stunden ein Express nach Prag.“ Der Stundentakt innerhalb Deutschlands fehlt dem begeisterten Bahnfahrer in der Realität auf wichtigen Strecken. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, tüfteln neben Voigt 200 andere Amateur-Planer an besseren Bahnnetzen in Deutschland. „Da gibt es Hunderte von Entwürfen, die im stillen Kämmerlein entstanden sind“, verrät Voigt – theoretisch eine stille Ideen-Reserve für die Bahn AG.

„Na, haste wieder an deinem Netz gebastelt“, hört Voigt von seinen Kollegen in Frankfurt am Main, wenn er morgens mal etwas verschlafen dreinblickt. Dass er zur Bahn wechseln könnte, befürchten sie indes wohl nicht – seine Visionen könnte niemand bezahlen. Für einen Spinner will Voigt allerdings nicht gehalten werden. „Das ist für mich Denksport“, erklärt er. Das Gedächtnistraining dürfte seiner Karriere bei der Bank zugute kommen – auch dort muss er viel rechnen.

http://veikko.bei.t-online.de/eisenbahn



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