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Sachsen
Mittwoch, 28. März 2012

Schüler demonstrieren für mehr Lehrer


„Rettet die Bildung“: Tausende sächsische Schüler haben die Straße zum Klassenzimmer gemacht. Sie protestierten gegen Lehrermangel, Unterrichtsausfall und überfüllte Klassen. Die Regierung versprach Abhilfe.

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Schüler demonstrieren in Dresden für mehr finanzielle Unterstützung der Landesregierung im Bildungsbereich. In Sachsen haben Tausende Schüler gegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall im Land protestiert. Foto: dapd

Leipzig/Dresden. Lehrstunde in Demokratie: Tausende Schüler in Sachsen sind am Mittwoch gegen Missstände an den Schulen auf die Straße gegangen. Fantasiereich und lautstark verlangten sie von der Regierung, für bessere Unterrichtsbedingungen zu sorgen. Denn obwohl der Freistaat im Vergleich mit anderen Bundesländern bei Rankings gut abschneidet, stehen auch hier Lehrermangel und Ausfall von Unterricht auf dem Stundenplan. Auf der Abschlusskundgebung in Dresden stellten sich Sachsens neue Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) und Finanzminister Georg Unland (CDU) den Schülern - und wurden für einige Worte sogar mit Beifall bedacht.

Unland versicherte, dass Bildung im Freistaat weiter Priorität genieße. Allerdings seien die Ressourcen begrenzt, sagte er vor rund 600 Mädchen und Jungen, die mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Kultusministerium erschienen waren. Sachsen stecke mit rund fünf Milliarden Euro ein Drittel seines Jahresetats in Forschung, Wissenschaft und Bildung, argumentierte Unland. Gemeinsames Ziel müsse es sein, noch mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen. Der Lehrermangel war ein Grund, warum der bisherige Kultusminister Roland Wöller (CDU) in der Vorwoche das Handtuch geworfen hatte. Wöller wollte keine Verantwortung für die Misere mehr übernehmen.

Ministerin Kurth will mitkämpfen

Seine Nachfolgerin Brunhild Kurth versicherte den Demonstranten, dass sie mit ihnen gemeinsam um mehr Lehrer kämpfen wolle. Kurth kündigte einen Kassensturz an. Jetzt gehe es darum, alle Zahlen auf den Tisch zu legen und abzugleichen. Zugleich räumte sie einen hohen Unterrichtsausfall ein. Die Aussagen zu den Zahlen lösten später beim CDU-Bildungspolitiker Thomas Colditz Widerspruch auf. Er forderte die Schüler auf, sich nichts vormachen zu lassen. „Die Zahlen liegen auf dem Tisch“, sagte er. Es dürfe nicht sein, dass Ministerien aneinander vorbeireden, weil „die Zahlen nicht ins Konzept des Finanzministers passen.“ Colditz war wiederholt als Kritiker der sächsischen Regierung in der Bildungsdebatte aufgetreten.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Sabine Gerold, deutete die Worte von Unland und Kurth als Versprechen. Die Gewerkschaft habe schon vor fünf Jahren auf den Lehrermangel hingewiesen. „Die Zeiten des Schülerrückgangs und des Sparens sind vorbei, jetzt muss investiert werden“, sagte sie unter dem Beifall der Schüler. Bei einer parallelen Veranstaltung in Chemnitz hatten sich rund 1000 Mädchen und Junge versammelt.

Lehrerverband von Schüleraktionen begeistert

Der Chef der Lehrerverbandes in Sachsen, Jens Weichelt, zeigte sich von dem Engagement der jungen Leute „total begeistert“. „Tausende Schüler haben heute klare Forderungen gestellt. Der Lehrermangel ist so allgegenwärtig, dass es keiner weiteren Analyse bedarf.“ Zahlen zur Altersstruktur der Lehrer und dem Anstieg der Schülerzahlen würden seit drei Jahren auf dem Tisch liegen. Sachsen müsse endlich für die langfristige Sicherung des Lehrerbedarfs sorgen. „Dazu gehören auch attraktive Arbeitsbedingungen, um junge Lehrer zu gewinnen.“

Mit einer Aktion am Leipziger Kant-Gymnasium hatten die Proteste am Morgen begonnen. Mehrere Klassen versammelten sich auf dem Schulhof, um symbolisch einen Sarg mit der Aufschrift „Bildung“ zu Grabe zu tragen. An dem Aktionstag unter dem Motto „Bildet die Rettung - Rettet die Bildung“ beteiligten sich rund 60 Schulen. „Mehr als 20 000 Schüler waren dabei, darüber sind wir sehr glücklich“, sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates, Konrad Degen (dpa)


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