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Politik
Donnerstag, 11. März 2010
(Sächsische Zeitung)

„Mandela hat uns verraten“

Von Frank Räther, SZ-Korrespondent in Johannesburg

Winnie Mandela hält ihrem Ex-Mann und früheren Präsidenten vermeintliche schwere Fehler und sogar den Friedensnobelpreis vor.

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Winnie Mandela Foto: dpa

Winnie Mandela zieht kräftig vom Leder. „Mandela hat uns verraten“, klagt die zur Führung des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) gehörende Ex-Frau von Nelson Mandela. „Er hat sich mit einem schlechten Deal für die Schwarzen einverstanden erklärt. Ökonomisch stehen wir noch immer draußen. Vielleicht sollten wir zum Ausgangspunkt zurückkehren und feststellen, was alles falsch gelaufen ist.“

Kritik am Nobelpreis

Dies erklärte Winnie Madikizela-Mandela in einem Gespräch mit dem weltberühmten Schriftsteller V.S. Naipaul und seiner Frau Nadira, als diese sie in ihrem Haus in Soweto besuchten. Nadira Naipaul gibt ihre Äußerungen in einem Artikel des „London Evening Standard“ wieder, der am Mittwoch auch im Johannesburger „Star“ abgedruckt wurde -- und für beträchtliches Aufsehen sorgt.

Denn die 73-jährige einstige Ikone des Anti-Apartheid-Kampfes legte noch mehr nach: „Mandela ging ins Gefängnis als flammender junger Revolutionär. Aber seht euch an, was da rauskam.“ Es sei beschämend gewesen, dass er 1993 den Friedensnobelpreis zusammen mit dem letzten weißen Präsidenten Frederik Willem de Klerk entgegennahm, der doch das Regime repräsentierte, das ihn einst ins Gefängnis steckte. Und der ANC hätte Mandela längst beiseite gedrängt. Er hätte keine Kontrolle mehr, sondern würde nur noch gebraucht, um weltweit Geld einzusammeln. „Ich kann ihm nicht vergeben.“

Ist dies nur die Empörung einer verbitterten Frau, von der sich Mandela 1996 wegen Untreue und Verwicklung in den Mord an einem 14-jährigen Jungen scheiden ließ, oder positioniert sie sich in dem immer offensichtlicher werdenden Machtkampf innerhalb des ANC?

Denn ihre jetzigen Eskapaden kommen just zu einer Zeit, da in vielen Townships gewaltsame Unruhen ausbrechen. Die Bewohner sind unzufrieden, da die erhoffte Verbesserung ihrer Lebensbedingungen trotz inzwischen 16-jähriger ANC-Regierung ausbleibt. Sie kommen zeitgleich mit den radikalen Äußerungen des ANC-Jugendführers Julius Malema, der die Nationalisierung des Bergbaus und der Banken fordert und schwarze Journalisten auffordert, „die Reihen zu schließen“ und nicht schwarze Führer Südafrikas zu kritisieren.

Schon zuvor hatte er verlangt, dass man bereit sein müsse, für Präsident Zuma zu töten. Gleichzeitig diffamiert er weiße Politiker wie Helen Zille, die Premierministerin der Westkap-Provinz, zu der Kapstadt gehört, als „Monster“ und Anhängerin des Satanismus. Malema ist ein gefährlicher Populist, der ein rassistisches Feuer schürt.

Bezeichnenderweise hat ihn ANC-und Staatschef Jacob Zuma bisher nie zurückgepfiffen. Im Gegenteil: Er nannte ihn wiederholt einen möglichen „künftigen Präsidenten Südafrikas“. Denn auf Malema, der sich „100-Prozent-Zuma-Boy“ nennt, kann er sich verlassen.

Nicht einmal ein Jahr nach Zumas Wahl zum südafrikanischen Präsidenten wird die Kritik an ihm immer lauter, dass er das Land nicht richtig führt, sondern alles vor sich hin laufen lässt. Einige ANC-Führungsmitglieder, so die umlaufenden Gerüchte, wollen sogar auf einen Rücktritt Zumas drängen, wenn die Organisation im September zur Tagung des Nationalen Generalrats zusammentritt.

Unzufriedenheit mit Zuma

Zumas bisherige Stabschefin Jessie Duarte trat kürzlich zurück, weil sie mit der Art und Weise, wie die Präsidentenkanzlei geführt wird, nicht einverstanden ist. Auch die beiden Allianzpartner des ANC, der Gewerkschaftsdachverband Cosatu und die Kommunistische Partei, äußern sich immer unzufriedener mit der Regierungspolitik.

Und so fallen Winnie Mandelas sehr kritische Äußerungen in eine Zeit, da sich die Kräfte sammeln, die auf eine Radikalisierung statt auf Versöhnung und Zusammenarbeit aller Rassen in Südafrika aus sind. Frau Mandela selbst hat sich bislang nicht zu den veröffentlichten Zitaten geäußert, die jedoch politische Analysten für sehr wahrscheinlich halten.



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