Dresden
Freitag, 29. Januar 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
„Die Centrum Galerie ist Großstadt“
Der Architekt der Centrum Galerie Philipp Stamborski hält die Angriffe auf das Kaufhaus für inakzeptabel. Es fehlen das Leben und das gute Angebot, sagt er.
Philipp Stamborski wurde 1963 in Lübeck geboren, von 1987 bis 1993 studierte er Architektur in Aachen. Von 1990 bis 1993 war er Mitarbeiter von Gottfried Böhm in Köln und bei HPP Hentrich-Petschnigg & Partner in Düsseldorf. 1994 begann er als Mitarbeiter von Peter Kulka, seit 1998 ist er Büroleiter des Dresdner Büros, seit 2004 Büropartnerschaft. Foto: SZ/Marion Gröning
In sz-online
Galerie-Chefin: „Wir haben Fehler gemacht“
Interview mit Antje Arnold. (passwortpflichtiger Artikel)
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Video
Die Centrum-Galerie kurz vor der Eröffnung
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Auf der Jagd nach dem Superschnäppchen
Tausende strömten gestern in Dresdens neue Centrum-Galerie mit 110 Läden – Die kollektive Begeisterung hat nicht nur rationale Gründe.
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Dem Kaufhaus fehlt die Seele
Peter Ufer über den Zustand der Centrum Galerie.
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Chefin der Centrum-Galerie kämpft gegen Diebesbanden
Dreiste Diebe drangen in die Geschäfte des Centrums ein. Jetzt stehen Bodygards an den Türen.
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Fotogalerien
Lagepläne:
Wo ist was in der Centrum-Galerie
Wo ist was in der Centrum-Galerie
Sie sind schuld an der Krise der Centrum Galerie. So zumindest lautet der Vorwurf an Sie und Ihren Architekturkollegen Peter Kulka. Haben Sie beim Entwurf nur Ihre Architektur-Träume verwirklicht und die Funktion des Gebäudes ignoriert?
Die Architektur der Centrum Galerie soll plötzlich für die Januar-Krise des Einzelhandels herhalten. Das ist unnötig. Die Galerie hatte einen fulminanten Start, es gab viele positive Reaktionen auf das Haus. Es jetzt kaputt zu reden, ist ein großer Fehler. Im Übrigen ist natürlich mit dem Bau der Traum eines Architekten in Erfüllung gegangen.
Bisher haben Sie es aber nicht geschafft, mit dem Gebäude ausreichend Akzeptanz beim Kunden herzustellen. Woran liegt das?
Wir haben ein Haus an einem Platz gebaut, wo ein Kaufhaus stand, das nicht mehr gebraucht wurde ...
...Einspruch: War dieses Haus wirklich unbrauchbar?
Ich rede von der inneren Architektur, nicht von der Einmaligkeit der Waben außen, die wir aufgenommen haben. Ich rede von der Brache, die um das alte Centrum herum existierte. Jetzt haben wir eine moderne großstädtische Galerie.
Die Kritik zielt vor allem auf die großen Plätze, auf die Unübersichtlichkeit sowie auf die riesige Rolltreppe, was zusammengenommen als kalt und unpersönlich wahrgenommen wird. Halten Sie es für sinnvoll, diese Plätze jetzt mit Grünpflanzen vollzustellen?
Nein. Bitte nicht. Wir haben einen städtischen Raum geschaffen, einen Weg, der genutzt werden soll als Übergang von der Prager Straße zum Dippoldiswalder Platz und zum Postplatz. Der große Raum ist ein Durchgangssystem zum Schlendern durch die Stadt und zu den Läden hin.
Aber warum ist er so leer?
Das ist die richtige Frage. Es sind Plätze, die von Menschen bespielt werden sollten. Es sind Bühnen. Warum spielt dort keiner? Wir haben dieser Galerie Tageslicht gegeben. Hier herrscht bewusst Helligkeit, im Gegensatz zu engen, kunstlichtbeleuchteten Einkaufszentren.
Was ist mit der Größe der Rolltreppe? Würde Sie die genau so wieder planen?
Aber ja. Die Idee ist doch, dass das Centrum von oben erschlossen werden kann. Hier fährt der Kunde auf das Dach, um dann aus der obersten Etage über die Rolltreppe in die Mall einzutauchen. Dahinter steckt der Gedanke, dass vor allem die für Einkaufszentren so schwer erschließbare Plus-Eins-Ebene vom Kunden schnell gefunden wird. Und das ist bei der Eröffnung und auch im Weihnachtsgeschäft voll aufgegangen.
In der von Ihnen beschriebenen Plus-Eins-Ebene stehen Pavillons, die zum einen nur Handys anbieten und zum anderen die Läden dahinter verdecken. Entspricht das Ihrem Plan?
Jetzt sind wir beim Punkt. Unsere Intention war, mit den Pavillons eine Abwechslung in dem Großraum zu schaffen. Es sollen Engräume entstehen, und dahinter öffnen sich Räume. Eine wunderbare Abwechslung. Aber diese Idee spiegelt sich nicht in den Angeboten wider. Hier herrscht Eintönigkeit. Es fehlt die Anziehungskraft der Angebote.
Sie werfen also den Ball zurück an die Nutzer des Hauses, die die Architektur kritisieren, und sagen, es fehlt das richtige Angebot. Reicht das als Verteidigung?
Wir brauchen uns nicht zu verteidigen. Dresden hat mit der Centrum Galerie ein modernes Haus bekommen, das der Prager Straße, übrigens als einziger in der ganzen Stadt, ein großstädtisches Gepräge gibt. Und Dresden will immer Großstadt sein. Dass es jetzt schwierig scheint, dies als solches anzunehmen, verwundert uns nicht. Das braucht nun mal Zeit.
Empfinden Sie es als Angriff auf Ihre Ideen, wenn die Ornamentfassaden im Inneren des Hauses von Kritikern als islamistische Mauer oder das Haus insgesamt als Türkentempel bezeichnet wird?
Sollte es abwertend gemeint sein, so bedaure ich das, weil es nicht dem großstädtischen Anspruch Dresdens entspricht. Es war für uns Aufgabe, sich zum einen mit der einst existierenden Architektur auseinanderzusetzen. So haben wir die Waben außen als Zitat wiederaufgenommen. Das wurde und wird als sehr gute Lösung empfunden. Wir haben dieses Relief nach innen getragen und sind in der Dresdner Historie noch weiter zurückgegangen. Die Ornamentfassade zeigt barocke Motive aus dem Schloss, wo ja im März die Türkenkammer eröffnet. Insofern ist die Assoziation zu den orientalischen Ornamenten genau richtig. Wovon haben sich denn die Architekten Augusts des Starken beeinflussen lassen? Natürlich, unter anderem von der Macht und dem Reichtum Konstantinopels.
Fühlen Sie sich also jetzt missverstanden?
Als Architekturbüro muss man damit leben, dass nicht alle Ideen verstanden werden. Die Ornamentfassade ist hinterleuchtet. Die Lichtspiele werden nur vom Centermanagement nicht ausreichend oder sogar falsch genutzt. Zudem hat die Struktur eine akustische Funktion. Dieses große Haus ist sehr ruhig. Die Centrum Galerie hat es nicht verdient, dass sie mit übertriebener Kritik zu Tode geredet wird.
Was wünschen Sie sich in Zukunft für das Haus?
Dass es als öffentlicher Raum genutzt wird. Auch nachts. Warum gibt es in dem Haus zum Beispiel keine Diskothek? Möglichkeiten des separaten Zugangs gibt es. Die Plätze und Hallen müssen bespielt werden, beispielsweise von Theatern. Die Angebote in den Läden müssen vielfältiger werden. Dies ist ein junges Haus für die Generation der Zukunft. Dem muss durch die Angebote Rechnung getragen werden. Mehr Bänke und Grünpflanzen werden es nicht retten.
Sie haben also alles richtig gemacht und sind nicht schuld an der Krise des Hauses?
Es wäre fatal, zu behaupten, wir hätten alles richtig gemacht. Das macht keiner. Und eine Krise kann ich nicht sehen. Wir haben es in der großen Wirtschaftskrise eröffnet. Und das mit Erfolg.
Interview: Peter Ufer
Die Architektur der Centrum Galerie soll plötzlich für die Januar-Krise des Einzelhandels herhalten. Das ist unnötig. Die Galerie hatte einen fulminanten Start, es gab viele positive Reaktionen auf das Haus. Es jetzt kaputt zu reden, ist ein großer Fehler. Im Übrigen ist natürlich mit dem Bau der Traum eines Architekten in Erfüllung gegangen.
Bisher haben Sie es aber nicht geschafft, mit dem Gebäude ausreichend Akzeptanz beim Kunden herzustellen. Woran liegt das?
Wir haben ein Haus an einem Platz gebaut, wo ein Kaufhaus stand, das nicht mehr gebraucht wurde ...
...Einspruch: War dieses Haus wirklich unbrauchbar?
Ich rede von der inneren Architektur, nicht von der Einmaligkeit der Waben außen, die wir aufgenommen haben. Ich rede von der Brache, die um das alte Centrum herum existierte. Jetzt haben wir eine moderne großstädtische Galerie.
Die Kritik zielt vor allem auf die großen Plätze, auf die Unübersichtlichkeit sowie auf die riesige Rolltreppe, was zusammengenommen als kalt und unpersönlich wahrgenommen wird. Halten Sie es für sinnvoll, diese Plätze jetzt mit Grünpflanzen vollzustellen?
Nein. Bitte nicht. Wir haben einen städtischen Raum geschaffen, einen Weg, der genutzt werden soll als Übergang von der Prager Straße zum Dippoldiswalder Platz und zum Postplatz. Der große Raum ist ein Durchgangssystem zum Schlendern durch die Stadt und zu den Läden hin.
Aber warum ist er so leer?
Das ist die richtige Frage. Es sind Plätze, die von Menschen bespielt werden sollten. Es sind Bühnen. Warum spielt dort keiner? Wir haben dieser Galerie Tageslicht gegeben. Hier herrscht bewusst Helligkeit, im Gegensatz zu engen, kunstlichtbeleuchteten Einkaufszentren.
Was ist mit der Größe der Rolltreppe? Würde Sie die genau so wieder planen?
Aber ja. Die Idee ist doch, dass das Centrum von oben erschlossen werden kann. Hier fährt der Kunde auf das Dach, um dann aus der obersten Etage über die Rolltreppe in die Mall einzutauchen. Dahinter steckt der Gedanke, dass vor allem die für Einkaufszentren so schwer erschließbare Plus-Eins-Ebene vom Kunden schnell gefunden wird. Und das ist bei der Eröffnung und auch im Weihnachtsgeschäft voll aufgegangen.
In der von Ihnen beschriebenen Plus-Eins-Ebene stehen Pavillons, die zum einen nur Handys anbieten und zum anderen die Läden dahinter verdecken. Entspricht das Ihrem Plan?
Jetzt sind wir beim Punkt. Unsere Intention war, mit den Pavillons eine Abwechslung in dem Großraum zu schaffen. Es sollen Engräume entstehen, und dahinter öffnen sich Räume. Eine wunderbare Abwechslung. Aber diese Idee spiegelt sich nicht in den Angeboten wider. Hier herrscht Eintönigkeit. Es fehlt die Anziehungskraft der Angebote.
Sie werfen also den Ball zurück an die Nutzer des Hauses, die die Architektur kritisieren, und sagen, es fehlt das richtige Angebot. Reicht das als Verteidigung?
Wir brauchen uns nicht zu verteidigen. Dresden hat mit der Centrum Galerie ein modernes Haus bekommen, das der Prager Straße, übrigens als einziger in der ganzen Stadt, ein großstädtisches Gepräge gibt. Und Dresden will immer Großstadt sein. Dass es jetzt schwierig scheint, dies als solches anzunehmen, verwundert uns nicht. Das braucht nun mal Zeit.
Empfinden Sie es als Angriff auf Ihre Ideen, wenn die Ornamentfassaden im Inneren des Hauses von Kritikern als islamistische Mauer oder das Haus insgesamt als Türkentempel bezeichnet wird?
Sollte es abwertend gemeint sein, so bedaure ich das, weil es nicht dem großstädtischen Anspruch Dresdens entspricht. Es war für uns Aufgabe, sich zum einen mit der einst existierenden Architektur auseinanderzusetzen. So haben wir die Waben außen als Zitat wiederaufgenommen. Das wurde und wird als sehr gute Lösung empfunden. Wir haben dieses Relief nach innen getragen und sind in der Dresdner Historie noch weiter zurückgegangen. Die Ornamentfassade zeigt barocke Motive aus dem Schloss, wo ja im März die Türkenkammer eröffnet. Insofern ist die Assoziation zu den orientalischen Ornamenten genau richtig. Wovon haben sich denn die Architekten Augusts des Starken beeinflussen lassen? Natürlich, unter anderem von der Macht und dem Reichtum Konstantinopels.
Fühlen Sie sich also jetzt missverstanden?
Als Architekturbüro muss man damit leben, dass nicht alle Ideen verstanden werden. Die Ornamentfassade ist hinterleuchtet. Die Lichtspiele werden nur vom Centermanagement nicht ausreichend oder sogar falsch genutzt. Zudem hat die Struktur eine akustische Funktion. Dieses große Haus ist sehr ruhig. Die Centrum Galerie hat es nicht verdient, dass sie mit übertriebener Kritik zu Tode geredet wird.
Was wünschen Sie sich in Zukunft für das Haus?
Dass es als öffentlicher Raum genutzt wird. Auch nachts. Warum gibt es in dem Haus zum Beispiel keine Diskothek? Möglichkeiten des separaten Zugangs gibt es. Die Plätze und Hallen müssen bespielt werden, beispielsweise von Theatern. Die Angebote in den Läden müssen vielfältiger werden. Dies ist ein junges Haus für die Generation der Zukunft. Dem muss durch die Angebote Rechnung getragen werden. Mehr Bänke und Grünpflanzen werden es nicht retten.
Sie haben also alles richtig gemacht und sind nicht schuld an der Krise des Hauses?
Es wäre fatal, zu behaupten, wir hätten alles richtig gemacht. Das macht keiner. Und eine Krise kann ich nicht sehen. Wir haben es in der großen Wirtschaftskrise eröffnet. Und das mit Erfolg.
Interview: Peter Ufer







