Riesa
Freitag, 11. September 2009
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Telefonzelle als öffentlicher Bücherschrank
Von Sabrina Gebauer
In Riesa startet ein Pilotprojekt: Vor dem Kino steht ein Bücherregal. Platz ist für 300 Bücher. Das Ausleihen ist ganz einfach.
Verstohlene Blicke streifen die rote Telefonzelle mitten im Stadtzentrum, Kinder ziehen an der Tür und wollen wissen, was sich dahinter verbirgt. Normalerweise sind die Zellen doch gelb, in rot kennt man sie hier nur aus englischen Filmen. Ungewöhnlich ist aber nicht nur die Farbe der neuen Telefonzelle, denn hinter der Tür verbirgt sich nicht, wie erwartet, ein Telefon, sondern ein Regal voller Bücher. Darunter nicht nur die Klassiker wie Karl Mays Abenteuergeschichten, sondern auch moderne Romane. Ob Jung oder Alt, jeder soll hier etwas Passendes zum Lesen finden.
Zelle ist stabil und trocken
Das Konzept dieses Projektes ist einfach – und noch dazu einmalig im Osten Deutschlands. Jeder, der vorbei kommt, kann sich einfach ein Buch aus dem Schrank nehmen. Im Gegenzug können auch ausgelesene Bücher wieder hineingestellt werden, wodurch eine Art Bücheraustausch entsteht.
„Das ist sozusagen Leseförderung pur“, fasst Karin Proschwitz, Leiterin der Stadtbibliothek Riesa, zusammen. Sie jedenfalls macht sich überhaupt keine Sorgen, dass sich der Bücherbestand verringert und das Angebot nur einseitig genutzt wird. „Die Idee wurde schließlich schon in anderen Städten umgesetzt und funktioniert dort sehr gut, die Leute sind stolz auf ihren offenen Bücherschrank“, erklärt sie.
Bonn gehört zu den Pionierstädten in Deutschland, öffentliche Bücherregale findet man aber auch in Hannover und Darmstadt, und in Mainz wurde ein alter Verteilerkasten zum Schrank umfunktioniert.
Erstmals wurde die Idee des offenen Bücherschrankes 1991 als Kunstprojekt des Aktionsduos Clegg und Guttmann in Graz umgesetzt, bis sie dann in die deutschen Städte gelangte. „Ich habe in einer Zeitschrift davon gelesen“, erzählt Anne Schneider, die die Idee nach Riesa geholt hat. Vor einem Jahr begann ihr Freiwilliges Kulturelles Jahr im „Art“, und genau zum Eröffnungstag der Bücherschrank-Telefonzelle endete es. Die Entscheidung, den Schrank in Form einer Telefonzelle zu gestalten, hängt damit zusammen, dass diese besonders stabil ist und sowohl Unwettern als auch Vandalismus besser standhalten kann. „Ich bin mal sehr gespannt, wie es läuft“, sagt Anne Schneider. Natürlich ist auch einiges an Vertrauen notwendig, um ein solches Projekt tatsächlich umzusetzen. Eine Registrierung oder einen Wächter soll es jedenfalls nicht geben. „Aber es soll regelmäßig jemand hier vorbeischauen, um nachzusehen, wie sich der Bestand entwickelt und das Ganze angenommen wird.“
Riesaer sind begeistert
Der ursprüngliche Gedanke war ja auch der, das Lesen für jedermann zu ermöglichen, ohne Geld bezahlen zu müssen. Und dieser Einfall wird von den Riesaern offenbar von der ersten Sekunde an freudig angenommen. Kaum sind die Eröffnungszeremonien beendet, geht schon der erste Interessent zu der Telefonzelle vor und stellt ein Buch hinein, sucht sich dafür ein anderes aus, und viele tun es ihm gleich. „Ich finde das alles hier ganz toll“, freut sich Volker Thomas, Mitglied der Bücherfreunde e.V.
Die Riesaerin Stefanie Baruth beobachtet das Geschehen staunend. „Das ist wirklich eine gute Sache“, sagt sie. „Vor allem für die Kinder.“ Auch Heike Lommatzsch begeistert sich: „Es ist wirklich ganz toll“. Sie ist mit ihrem Kinderwagen bei der Eröffnungszeremonie am Kinovorplatz stehen geblieben. „Man kann hier seine eigenen Bücher vorbeibringen und kommt günstig zu neuem Lesestoff.“
Die ersten 240 Bücher wurden von der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt, insgesamt gibt es Platz für mehr als 300 Bücher. Wie sich das Projekt weiter entwickelt, wird sich noch zeigen, Farbe hat die rote Zelle allemal ins Stadtleben gebracht. „Lieber barfuß als ohne Bücher“, eröffnete Jürgen Böhme von der Kulturwerkstatt „Art“ den Bücherschrank – natürlich ohne dabei Schuhe an den Füßen zu tragen.
Zelle ist stabil und trocken
Das Konzept dieses Projektes ist einfach – und noch dazu einmalig im Osten Deutschlands. Jeder, der vorbei kommt, kann sich einfach ein Buch aus dem Schrank nehmen. Im Gegenzug können auch ausgelesene Bücher wieder hineingestellt werden, wodurch eine Art Bücheraustausch entsteht.
„Das ist sozusagen Leseförderung pur“, fasst Karin Proschwitz, Leiterin der Stadtbibliothek Riesa, zusammen. Sie jedenfalls macht sich überhaupt keine Sorgen, dass sich der Bücherbestand verringert und das Angebot nur einseitig genutzt wird. „Die Idee wurde schließlich schon in anderen Städten umgesetzt und funktioniert dort sehr gut, die Leute sind stolz auf ihren offenen Bücherschrank“, erklärt sie.
Bonn gehört zu den Pionierstädten in Deutschland, öffentliche Bücherregale findet man aber auch in Hannover und Darmstadt, und in Mainz wurde ein alter Verteilerkasten zum Schrank umfunktioniert.
Erstmals wurde die Idee des offenen Bücherschrankes 1991 als Kunstprojekt des Aktionsduos Clegg und Guttmann in Graz umgesetzt, bis sie dann in die deutschen Städte gelangte. „Ich habe in einer Zeitschrift davon gelesen“, erzählt Anne Schneider, die die Idee nach Riesa geholt hat. Vor einem Jahr begann ihr Freiwilliges Kulturelles Jahr im „Art“, und genau zum Eröffnungstag der Bücherschrank-Telefonzelle endete es. Die Entscheidung, den Schrank in Form einer Telefonzelle zu gestalten, hängt damit zusammen, dass diese besonders stabil ist und sowohl Unwettern als auch Vandalismus besser standhalten kann. „Ich bin mal sehr gespannt, wie es läuft“, sagt Anne Schneider. Natürlich ist auch einiges an Vertrauen notwendig, um ein solches Projekt tatsächlich umzusetzen. Eine Registrierung oder einen Wächter soll es jedenfalls nicht geben. „Aber es soll regelmäßig jemand hier vorbeischauen, um nachzusehen, wie sich der Bestand entwickelt und das Ganze angenommen wird.“
Riesaer sind begeistert
Der ursprüngliche Gedanke war ja auch der, das Lesen für jedermann zu ermöglichen, ohne Geld bezahlen zu müssen. Und dieser Einfall wird von den Riesaern offenbar von der ersten Sekunde an freudig angenommen. Kaum sind die Eröffnungszeremonien beendet, geht schon der erste Interessent zu der Telefonzelle vor und stellt ein Buch hinein, sucht sich dafür ein anderes aus, und viele tun es ihm gleich. „Ich finde das alles hier ganz toll“, freut sich Volker Thomas, Mitglied der Bücherfreunde e.V.
Die Riesaerin Stefanie Baruth beobachtet das Geschehen staunend. „Das ist wirklich eine gute Sache“, sagt sie. „Vor allem für die Kinder.“ Auch Heike Lommatzsch begeistert sich: „Es ist wirklich ganz toll“. Sie ist mit ihrem Kinderwagen bei der Eröffnungszeremonie am Kinovorplatz stehen geblieben. „Man kann hier seine eigenen Bücher vorbeibringen und kommt günstig zu neuem Lesestoff.“
Die ersten 240 Bücher wurden von der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt, insgesamt gibt es Platz für mehr als 300 Bücher. Wie sich das Projekt weiter entwickelt, wird sich noch zeigen, Farbe hat die rote Zelle allemal ins Stadtleben gebracht. „Lieber barfuß als ohne Bücher“, eröffnete Jürgen Böhme von der Kulturwerkstatt „Art“ den Bücherschrank – natürlich ohne dabei Schuhe an den Füßen zu tragen.







