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Sport
Mittwoch, 26. November 2008
(Sächsische Zeitung)

Zickenkrieg nach dem letzten Zug

Von Tino Meyer

Während die deutschen Frauen über die Aufstellung streiten, feiern Armeniens Männern und Georgiens Frauen ihren Olympiadesieg.

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Handschlag zum Abschied: Bundestrainer Uwe Bönsch (li.) und Verbandspräsident Robert von Weizsäcker gratulieren Melanie Ohme. Foto: Robert Michael

Schach ist eine Individualsportart. Am Ende gewinnt der Beste. Nur einmal aller zwei Jahre entscheidet über Sieg und NiederlagedieLeistung einer gesamten Mannschaft. Dann wird um den Titel bei der Schacholympiade gespielt. Und immer dann sind Armeniens Männer ganz vorn. Wie vor zwei Jahren in Turin kommt der Olympiadesieger auch diesmal aus dem Kaukasus.

Doch das Quintett um Großmeister Lewon Aronian siegte nicht deshalb, weil es im frostigen Dresden am besten der Kälte trotzte. Armenien, vor dem Turnier nur an Platz neun gesetzt, düpierte mit schier unerschütterlichem Teamgeist die hoch gewettete Konkurrenz. „Für mich ist Armenien eine Sensation. Wenn sie als Mannschaft zusammenspielen, sind die Spieler zu überragenden Leistungen im Stande“, würdigte Jan Gustafsson den alten und neuen Champion des königlichen Spiels. Der Hamburger, auf Platz 13 mit dem deutschen Team, warf dann eine Frage auf, die alle im Kongress-Zentrum beschäftigte: „Wie machen die das nur?“

Anschauungsunterricht lieferten die Armenier gestern in der letzten Runde im Duell gegen die Chinesen, die bei einem Sieg selbst noch Chancen auf Platz eins hatten. Aber soweit kam es nicht. Aronian einigte sich mit Chinas Nummer eins Yue Wang auf ein schnelles Remis. Doch statt zurück ins Hotel zu gehen, fieberte er vor der Bühne als Zuschauer mit seinen Mitspielern. Er tat dies mit einem Lächeln, denn die Stellungen verrieten ihm, „dass wir gut liegen und wahrscheinlich gewinnen“. Aronian behielt natürlich Recht. Nach viereinhalb Stunden stand der erneute Triumph des Titelverteidigers fest.

Teamgeist ist entscheidend

„Wir haben eben einen besonderen Teamgeist“, erklärte Aronian, der in Berlin-Hohenschönhausen lebt, das Erfolgsgeheimnis. Die Niederlage gegen Israel und das Remis gegen die Ukraine blieben die einzigen Punktverluste, „weil wir entspannt und selbstbewusst zugleich sind, und weil wir auch am dritten und vierten Brett stark sind“. Die hinteren Bretter waren es, die gestern auch im deutschen Frauen-Team thematisiert wurden. Zwar gewann die Mannschaft um Elisabeth Pähtz das letzte Spiel gegen Schweden. Rang 21 in der Gesamtwertung beim Sieg Georgiens ist jedoch eine herbe Enttäuschung und sorgte für Diskussionen. „Wir hatten am vierten Brett große Probleme“, sagte die frühere Dresdnerin Pähtz noch vorsichtig.

Doch Ketino Kachiani-Gersinska, die deutsche Nummer zwei, ließ den Zickenkrieg nach dem letzten Zug offen ausbrechen. „Wir hätten auf ältere Spielerinnen setzen sollen. Zu dritt kann man nicht gewinnen“, kritisierte sie die Aufstellung der Nachwuchsspielerinnen Sarah Hoolt und Melanie Ohme. Die Leipzigerin konterte kühl: „Ich persönlich bin eigentlich ganz zufrieden. Anfangs hatte ich Probleme, doch am Ende vier Spiele gewonnen und der Mannschaft doch geholfen. Für mich war die Olympiade ein großartiges Erlebnis“, erzählte Ohme, währenddessen Pähtz ihr Gesicht in den Händen vergrub und mit dem Kopf schüttelte. Dass die offensichtlichen Spannungen das enttäuschende Ergebnis bescherten, ließ Frauen-Trainer Davit Lobzhanidze nicht allein gelten. Fakt ist aber: Teamgeist sieht anders aus.

www.dresden2008.de



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