Tagesthema
Montag, 17. November 2008
Länder sehen Schulen auf gutem Reformkurs - Soziale Frage ungelöst
Sachsen erreicht beim PISA-Test 2006 in allen Disziplinen den ersten Platz und verweist damit den bisherigen Sieger Bayern auf den zweiten Rang.
In sz-online
Stichwort
PISA-E - der deutsche Bundesländer-Schulvergleich
PISA-E - der deutsche Bundesländer-Schulvergleich
Im Internet
www.kmk.org
Kultusministerkonferenz
Kultusministerkonferenz
Berlin - Die Kultusminister sehen die deutschen Schulen auf einem guten Reformkurs. Nach dem Schock über das schlechte PISA- Abschneiden beim ersten Test vor sechs Jahren gebe es inzwischen in allen Bundesländern deutliche Leistungsverbesserungen - vor allem in den Naturwissenschaften, unterstrichen die Minister bei der Vorstellung eines neuen Bundesländervergleichs am Dienstag in Berlin.
Gleichwohl sei die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Schulerfolg noch immer zu groß - ebenso auch das Leistungsgefälle zwischen den Ländern. Im neuen PISA-Siegerland Sachsen haben 15- Jährige gegenüber Gleichaltrigen aus dem erneuten PISA- Schlusslichtland Bremen einen Lernvorsprung von zwei Schuljahren.
Bei dem neuen Bundesländervergleich mit den PISA-Testergebnissen aus dem Jahr 2006 belegt Sachsen in allen Disziplinen den ersten Platz und verweist damit den bisherigen Sieger Bayern auf Rang zwei. Die ostdeutschen Länder drängen insgesamt stark nach vorn. Im aktuellen PISA-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften liegen 13 Bundesländer mit ihren Leistungen inzwischen über dem Schnitt der Industrienationen. Wenig Bewegung gibt es dagegen bei der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis. Noch immer kann jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig verstehen.
Ungeachtet des großen Leistungsgefälles zwischen den Ländern zeigte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zuversichtlich: „Die Schere schließt sich“, sagte die saarländische Bildungsministerin. Auch Länder „am unteren Rand“ der Leistungsskala hätten deutlich aufgeholt. Dies gelte auch für Bremen, sagte der deutsche PISA-Leiter Manfred Prenzel.
Den Erfolg der sächsischen Schulpolitik führt Prenzel auch darauf zurück, dass man sich dort Probleme mit der Schulstruktur „vom Halse geschafft“ habe. Sachsen, Thüringen und auch Sachsen-Anhalt haben gleich nach der Einheit eine zweigliedrige Schulstruktur eingeführt - ohne Hauptschule. Nach dem jüngsten PISA-Test haben die Hauptschulen vor allem in Ballungsregionen den höchsten Anteil Risikoschüler.
„Trend zum Besseren“
Einen „Trend zum Besseren“ sieht Prenzel auch bei der in Deutschland besonders ausgeprägten Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft. Gleichwohl hätten Schüler aus Akademikerfamilien weiter eine vier Mal so große Chance, das Abitur zu erreichen als Facharbeiterkinder. „Statistisch bedeutsame“ Verbesserungen in diesem Bereich machen die PISA-Forscher dazu nur in Bayern und Rheinland- Pfalz aus. In Bayern war diese Abhängigkeit bisher besonders ausgeprägt. Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren seine Ganztagsschulen erheblich ausgebaut und wird ab 2011 an mehr als jeder dritten Schule Ganztagsbetreuung anbieten.
Als positiv hob Prenzel hervor, dass bundesweit die Zahl der Sitzenbleiber zurückgehe. Er forderte zudem die systematische Leseförderung auch für ältere Schüler. Der Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei völlig falsch. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte weitergehende Bildungsreformen an. „Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen“, sagte die GEW- Vizevorsitzende Marianne Demmer. Der Deutsche Philologenverband bewertete die Ergebnisse als insgesamt erfreulich und positiv.
Der Bundesländervergleich ist eine Ergänzungsstudie zum weltweiten PISA-Schultest. Die internationalen Ergebnisse der 2006 zum dritten Mal durchgeführten Untersuchung waren bereits vor einem Jahr veröffentlicht worden. Für den deutschen Ländervergleich waren zusätzlich 40 000 Schüler getestet worden. Die Federführung lag beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel. (AP)
AP-Nachrichten/AP-Bilder - The Associated Press, alle Rechte vorbehalten. AP-Nachrichten und AP-Bilder dürfen ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Associated Press weder veröffentlicht, umgeschrieben oder weiter verbreitet werden, sei dies zu gewerblichen und anderen Zwecken.
Gleichwohl sei die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Schulerfolg noch immer zu groß - ebenso auch das Leistungsgefälle zwischen den Ländern. Im neuen PISA-Siegerland Sachsen haben 15- Jährige gegenüber Gleichaltrigen aus dem erneuten PISA- Schlusslichtland Bremen einen Lernvorsprung von zwei Schuljahren.
Bei dem neuen Bundesländervergleich mit den PISA-Testergebnissen aus dem Jahr 2006 belegt Sachsen in allen Disziplinen den ersten Platz und verweist damit den bisherigen Sieger Bayern auf Rang zwei. Die ostdeutschen Länder drängen insgesamt stark nach vorn. Im aktuellen PISA-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften liegen 13 Bundesländer mit ihren Leistungen inzwischen über dem Schnitt der Industrienationen. Wenig Bewegung gibt es dagegen bei der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis. Noch immer kann jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig verstehen.
Ungeachtet des großen Leistungsgefälles zwischen den Ländern zeigte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zuversichtlich: „Die Schere schließt sich“, sagte die saarländische Bildungsministerin. Auch Länder „am unteren Rand“ der Leistungsskala hätten deutlich aufgeholt. Dies gelte auch für Bremen, sagte der deutsche PISA-Leiter Manfred Prenzel.
Den Erfolg der sächsischen Schulpolitik führt Prenzel auch darauf zurück, dass man sich dort Probleme mit der Schulstruktur „vom Halse geschafft“ habe. Sachsen, Thüringen und auch Sachsen-Anhalt haben gleich nach der Einheit eine zweigliedrige Schulstruktur eingeführt - ohne Hauptschule. Nach dem jüngsten PISA-Test haben die Hauptschulen vor allem in Ballungsregionen den höchsten Anteil Risikoschüler.
„Trend zum Besseren“
Einen „Trend zum Besseren“ sieht Prenzel auch bei der in Deutschland besonders ausgeprägten Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft. Gleichwohl hätten Schüler aus Akademikerfamilien weiter eine vier Mal so große Chance, das Abitur zu erreichen als Facharbeiterkinder. „Statistisch bedeutsame“ Verbesserungen in diesem Bereich machen die PISA-Forscher dazu nur in Bayern und Rheinland- Pfalz aus. In Bayern war diese Abhängigkeit bisher besonders ausgeprägt. Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren seine Ganztagsschulen erheblich ausgebaut und wird ab 2011 an mehr als jeder dritten Schule Ganztagsbetreuung anbieten.
Als positiv hob Prenzel hervor, dass bundesweit die Zahl der Sitzenbleiber zurückgehe. Er forderte zudem die systematische Leseförderung auch für ältere Schüler. Der Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei völlig falsch. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte weitergehende Bildungsreformen an. „Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen“, sagte die GEW- Vizevorsitzende Marianne Demmer. Der Deutsche Philologenverband bewertete die Ergebnisse als insgesamt erfreulich und positiv.
Der Bundesländervergleich ist eine Ergänzungsstudie zum weltweiten PISA-Schultest. Die internationalen Ergebnisse der 2006 zum dritten Mal durchgeführten Untersuchung waren bereits vor einem Jahr veröffentlicht worden. Für den deutschen Ländervergleich waren zusätzlich 40 000 Schüler getestet worden. Die Federführung lag beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel. (AP)
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