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Sachsen
Samstag, 5. Juli 2008
(Sächsische Zeitung)

Im Fahrradland gibt es viel zu tun

Von Gunnar Saft

Die Grünen sehen Benutzer von Drahteseln im Nachteil. Sie fordern deshalb von der Regierung mehr Hilfe.

Die Warnung kam am Freitag von den Grünen im Landtag: In Sachsen werde noch immer viel zu wenig Fahrrad gefahren, weil es kaum Unterstützung für dieses Verkehrsmittel gebe. Zur Begründung verwies der verkehrspolitische Sprecher Johannes Lichdi auf aktuelle Antworten der Staatsregierung auf eine Große Anfrage zum Thema Radverkehr in Sachsen.

Nur ein kleiner Teil der Wege ist per Fahrrad nutzbar

Laut diesen Angaben sind heute im Freistaat nur ganze neun Prozent aller Wege mit einem Rad benutzbar. Unter „idealen Bedingungen“, so prognostiziert die Regierung, könnte der Anteil auf 18 Prozent steigen. Wie und wann man diese Quote erreichen will, sagt man aber nicht, so die Kritik von Lichdi.

Nicht in jeder sächsischen Stadt kann man gut Radeln

In Sachsen können heute nur die Städte Dresden, Leipzig und Zittau als radfreundlich bezeichnet werden. Dort liegt der Anteil der zugänglichen Wege bei etwa zwölf Prozent und erreicht damit zumindest den Bundesdurchschnitt. Städte wie Plauen (3,7 Prozent), Reichenbach (3,9), Chemnitz (5,6) oder Zwickau (6,6) fallen dagegen stark ab. Zum Vergleich: Die deutschen Spitzenreiter haben einen Radwege-Anteil von 20 Prozent und mehr.

Die Verkehrslobby zeigt den Radlern oft die kalte Schulter

Eine Reise per Fahrrad muss im Freistaat gut geplant werden. So ist zum Beispiel die Mitnahme von Rädern in den Zügen der fünf sächsischen Verkehrsverbünde unterschiedlich geregelt. Während dies in Mittelsachsen und im Vogtland kostenlos ist, gestatten es die Verkehrsverbünde Mitteldeutschland und Oberelbe nur in Nahverkehrszügen oder für Inhaber von Monats- und Jahreskarten, kritisiert Lichdi. Ganz untersagt hat das Mitführen von Rädern der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien. Die Grünen und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordern deshalb noch mehr staatlichen Druck. Gebraucht werde eine landesweit einheitliche und finanziell günstige Lösung.

Nicht überall können Räder Sicher abgestellt werden

Wer Radfahren und Zugfahren kombinieren will, hat oft ein Problem. Am Bahnhof findet sich kein Platz, wo man den Drahtesel sicher abstellen kann. So sind im Freistaat bisher nur 44 Prozent aller Bahnhöfe mit entsprechenden Radplätzen ausgestattet. Bleibt es beim bisherigen Ausbautempo, wird die 50-Prozent-Quote frühestens im Jahr 2013 erreicht. Der ADFC Sachsen rügt, dass die Staatsregierung dennoch auf einen speziellen Fördertopf verzichtet. Gleichzeitig wird moniert, Sachsen lasse es zu, dass es auch bei vielen Neubauten von Wohnhäusern keine Pflicht mehr zum Anlegen von Radabstellplätzen gibt.

Radler haben Im Freistaat keine staatlichen Partner

Die Hilferufe von Radfahrern, so Johannes Lichdi, blieben auch deshalb meist ungehört, weil es für sie im Freistaat keinen Ansprechpartner gebe. Die Staatsregierung habe keinen Verantwortlichen für den Bereich, und in den Behörden spiele das Thema keine oder eine untergeordnete Rolle. Zudem reichten die Gesetze zum Straßenbau nicht aus, um die Interessen von Radfahrern ausreichend zu schützen. Oft würden bei Bauprojekten deren Belange zwar offiziell angehört, aber praktisch kaum berücksichtigt.

Touristische Radwege sind zum Glück besser ausgebaut

Erfreulicher als der normaler Radwege ist der Zustand touristischer Radwege in Sachsen, räumt Lichdi ein. Die Staatsregierung selbst attestiert vor allem dem Elberadweg, dem Oder-Neiße-Radweg, dem Elsterradweg, dem Muldental-Radwanderweg und der Städteroute zwischen Dresden und Görlitz heute einen „vermarktungsfähigen Zustand“. Ein Wermutstropfen: Für Verbesserungen bei den regionalen Hauptradrouten sind die Fördertöpfe dieses Jahr bereits ausgeschöpft.

Trotz des Verkehrsanstiegs verunglücken weniger Radler

Auch das ist eine gute Nachricht: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer ist in Sachsen zuletzt wieder deutlich gesunken. Zwar starben im Vorjahr immer noch 23 Radler, 2006 waren es jedoch noch 32 und 2005 sogar 45.





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