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Dresden
Dienstag, 6. Mai 2008
(Sächsische Zeitung)

Zwei Stunden Konzentration, dann war die Bombe entschärft

Von T. Alexe und A. Rentsch

Ein Bombenfund hat die Stadt lahmgelegt. Experten entschärften den Sprengkörper in zwei Stunden.

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Sprengmeister Holger Klemig mit dem ausgebauten Zünder in der linken Hand: Hinter ihm liegt die entschärfte Bombe im Auto. Sie war bei den Bauarbeiten für einen Flutschutzwall vor dem Kongresszentrum entdeckt worden. Foto: Robert Michael

Für rund 200 Mitarbeiter des sächsischen Landtages war gestern bereits um 15 Uhr Feierabend. Per Lautsprecher wurden sie aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Grund: Der Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vor dem Kongresszentrum.

Bauarbeiter, die einen Flutschutzwall unmittelbar vor dem Gebäude errichten, waren kurz nach zwölf Uhr mittags auf die verrostete Bombe gestoßen. Sie entdeckten den Sprengkörper in einer Baggerschaufel. Die Experten des sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes bestimmten den Fund als fünf Zentner schwere Bombe amerikanischer Bauart. „Sie hatte eine Spreng- und eine Splitterwirkung“, sagte Sprengmeister Holger Klemig. Beim Abwurf auf Dresden war ein kleinerer Teil der Sprengladung detoniert, der Großteil jedoch nicht. „Den mussten wir erst einsammeln“, sagte Klemig, der die Situation als gefährlich beschrieb.

Weiträumige Absperrung

Für die Entschärfung habe er mit einem Kollegen länger als sonst gebraucht, nämlich knapp zwei Stunden. Üblich bei Fliegerbomben sei ansonsten eine Zeit von einer halben oder dreiviertel Stunde. Klemig konnte schließlich einen Zünder abmontieren. Der Sprengkörper soll in die Kampfmittel-Zerlegungsstelle nach Zeithain gebracht werden. Für Sprengmeister Klemig war es „die 41. oder 42. Bombe“, die er entschärft hat. Dass sie bei den Bauarbeiten für das Kongresszentrum nicht entdeckt worden sei, liege einfach daran, dass sie knapp neben dem damaligen Baufeld lag.

Der explosive Fund veranlasste die Polizei zur weiträumigen Absperrung des Areals. Erste Staus und Autofahrer auf Umleitungssuche meldete Polizeisprecher Thomas Geithner ab 15.30 Uhr, etwa auf der Magdeburger Straße, dem Terrassenufer und der Devrientstraße. Ab 17.30 Uhr verschärfte sich die Situation durch die Vollsperrung der Marien- und der Augustusbrücke. In der Innenstadt bildeten sich lange Schlangen von Autofahrern. Auch die Elbeschifffahrt wurde phasenweise unterbunden. Die Bahnbrücke zwischen Friedrichstadt und Neustadt war ebenfalls ab 18 Uhr gesperrt.

Exakt sechs Minuten später begannen die beiden Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes mit ihrer Arbeit. Kurz nach 20 Uhr konnten sie Entwarnung geben. Die Polizei hob die Sperrungen umgehend auf. Insgesamt waren 75 Sicherheitskräfte von Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt sowie den Dresdner Verkehrsbetrieben im Einsatz.

Bummel als Alternative

Nach Angaben von Polizeisprecherin Jana Ulbricht mussten rund 1100 Menschen für mehrere Stunden evakuiert werden. Betroffen waren neben den Landtagsmitarbeitern Gäste und Bedienstete mehrerer Hotels, des Japanischen Palais sowie des Kongresszentrums. „Dort hatte ein Softwareunternehmen eine Veranstaltung mit 980 Gästen aus 17 Ländern durchgeführt“, sagte Gerhard Riegger. Der Leiter des Kongresszentrums und des angrenzenden Maritimhotels betonte, dass die Räumung ohne Zwischenfälle verlaufen sei. Beschwerden habe er keine vernommen. Etliche Gäste hätten einen Stadtbummel unternommen.



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