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Samstag, 15. März 2008
(Sächsische Zeitung)

Von wegen Jammer-Ossis

Von Michael Rothe

Der Gala-Abend für den Unternehmerpreis belegt: Die Chefs können feste arbeiten und Feste feiern.

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Außergewöhnlicher Abend in mittlerweile gewohnter Umgebung. Auch bei der dritten Auflage von Sachsens Unternehmerpreis erweist sich die Gläserne VW-Manufaktur in Dresden als idealer Ort für die Preisverleihung.Foto: R. Michael

Wissen Sie, was ein „Jam“ ist? Nein? Dann geht es Ihnen wie den 250 Gästen der Unternehmerpreis-Gala am Freitagabend in Dresdens gläserner VW-Manufaktur. Die kennen „Jam“ zunächst auch nicht – und das ist gut so. Denn „Jam“ ist laut Unternehmensberatung Sapompscht die Maßeinheit für Jammern – und die Vokabel muss Unternehmerpreis-Kandidaten einfach fremd sein.

Sapompscht, eine Abkürzung, deckt das Leistungsspektrum von Firmenberatern ab und entpuppt sich, Sie ahnen es, als Humbug, der Firmenchef als Kabarettist – und Österreicher. Als Bewerber zu Sachsens „Unternehmer des Jahres“ wäre der Salzburger Bernhard Baumgartner an der Ausschreibung gescheitert. Gleichwohl einen ihn mit den 76Bewerbern, das Gros von ihnen ist anwesend, zwei Dinge: Erfolg und Spaß an der Arbeit.

Kein Wunder, dass der Funke schnell überspringt. „Das Ziel errechnet sich aus Kraft geteilt durch Jam“, referiert der Berater. Zur Erarbeitung jener Erfolgsformel habe er weltweit geforscht: „In Australien bei den Aborigines, bei den Eskimos, bei Stämmen in Nordamerika: IBM zum Beispiel.“ Schenkelklopfen auf schwarzen Roben.

Deren Träger haben zuvor auch schon Nachdenkliches gehört wie die Festrede von Lothar Späth, einst Ministerpräsident von Baden-Württemberg. „Die unerschöpfliche Innovationskraft und die Bereitschaft, 60 oder 70 Stunden die Woche zu arbeiten, sind das Kapital der Unternehmer. Dieser Unternehmerpreis macht es möglich, das einer breiten Öffentlichkeit klarzumachen“, so der Ex-Jenoptik-Chef. Ohne Begeisterung für Unternehmertum gebe es keinen Erfolg.

Das wissen seine Zuhörer auf der VW-Orangerie nur zu gut. Mit Idealismus, Engagement und Mut zum Risiko schaffen sie Wachstum und Arbeit. Eine Anerkennung ist dieses Fest mit einer wortgewandten MDR-Umschau-Moderatorin Ana Plasencia. Und mit Musik vom Feinsten: erst dezent instrumental zu Gala-Dinner und angeregten Gesprächen an den 21 von unten beleuchteten Tischen, später zur Party vokal und beschwingt.

Chris Genteman Group heißt die achtköpfige internationale Band, die Hand- und Mundwerk perfekt beherrscht. Namensgeber Christian Gentemann und seine Crew wissen, wie sie ihr Publikum auf die Tanzfläche locken: mit Ohrwürmern von Frank Sinatra bis Stevie Wonder – gesungen von der Italienerin Daniela Pusceddu und dem Amerikaner Edward Lawson.

Neben dem Anlass habe der besondere Auftrittsort gereizt, sagt der Bandleader und Keyboarder, der mit seiner Truppe europaweit unterwegs ist. „Und außerdem ist das hier fast ein Heimspiel“, so der Mann aus Weimar. Das beflügelt. Selbst „Die Träumende“, ebenso grazile wie schwergewichtige Siegerstatue, scheint sich im Takt zu wiegen. Oder doch nur optische Täuschung in Champagnerlaune?

Sei’s drum. Auch die vergoldete Bronze-Statue der Künstlerin Malgorzata Chodakowska hat an diesem Abend ihren glanzvollen Auftritt: Gegen 22Uhr darf sie ihren künftigen Partner anstrahlen, den „Unternehmer des Jahres 2008“: Werkzeug- und Formenbauer Konrad Havlat aus Großschönau in der Oberlausitz (Porträt). Zugegeben, auch die zuvor geehrten Nummern zwei, Torsten Enders (oben rechts) und drei, Roland Göhde (darunter) wären eine gute Partie gewesen.Das belegen die eindrucksvollen kleinen Filmporträts von Anne Mehler. Aber Havlat ist schon der Richtige – da ist sich auch die Jury einig, und 500 Hände stimmen lautstark zu.

Besonderen Beifall findet Havlats Leitspruch: „Gib den Menschen eine Angel, nicht den Fisch“. Das gilt auch für die Küche des Abends: Der Fisch fehlt. Im Schaumsüppchen vom Topinambur schwimmen stattdessen Wachtelravioli, in der Schalotten-Senfsauce eine Crepinette (französische Wurstspezialität) vom Schweinefilet. Angeln dürfen die 250 Gäste dann auch: am Dessert-Buffet – unter anderem aus Panna Cotta mit Sanddorn und Orangen-Ingwer Chutney, Topfen-Zitronenmousse, Beerengrütze mit Vanillesauce und Quarkkeulchen.

Spätestens diese sächsische Spezialität überzeugt auch Bernhard Baumgartner – sie wissen schon, der Unternehmensberater wider die Jammerkultur. Er überredet die Gäste zu einem letzten Praxistraining: einem Indianerritual. Umrahmt von Winnetou-Musik fassen sich die kichernden Anwesenden an den Händen und spüren wie die Energie fließt. Und der Schweiß.

Der hat sich auf jeden Fall gelohnt: bei den Machern, wie bei Preisträgern und Platzierten. Auf ein Neues im kommenden Herbst!

Auswahl der nominierten Unternehmen


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