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Politik
Freitag, 9. November 2007
(Sächsische Zeitung)

Keine Hotelzimmer für NPD-Politiker

Von Ivette Wagner

Johannes H. Lohmeyer aus Dresden wird von der deutsch-israelischen Gesellschaft für seinen Mut geehrt.

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Johannes Lohmeyer, der für seine Aktion gegen die NPD geehrt wird. Foto: PR

Absagen hat er schon eine Menge erteilt. Johannes H. Lohmeyer, Geschäftsführer des Dresdner Hotels Holiday Inn, wird nun für eine dieser Rückweisungen geehrt. Im Dezember erhält er den Ehrenpreis der deutsch-israelischen Gesellschaft Aachen, der an Menschen vergeben wird, die sich unter anderem im Kampf gegen Rechtsextremismus engagieren.

„Ich habe schon mehrfach Buchungsanfragen von der NPD erhalten“, so Johannes H. Lohmeyer. „Allerdings habe ich die immer dezent abgesagt.“ Nicht so am 18. Oktober. Auf seinem Schreibtisch findet der studierte Sozialpädagoge die Mitteilung, dass zwei NPD-Funktionäre zwei Zimmer gebucht hätten. Nicht direkt, sondern über einen Internetdienst. Lohmeyer formuliert eine drastische Absage an die Landtagsabgeordneten Holger Apfel und Alexander Delle. Darin wird sein Erstaunen dokumentiert, dass die Herren „ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen“. Außerdem seien sie im Haus nicht willkommen, weshalb eine Stornierung gut wäre. „Sollte dies aus vertraglichen Gründen nicht möglich sein, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Hause durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde“, heißt es weiter in dem Brief.

Es folgt die Stornierung und das Antwortschreiben. „Sie haben 14 Tage dazu gebraucht“, so Johannes H. Lohmeyer. „Darin stand ein längerer Exkurs in Sachen Demokratie.“ Damit hat diese Geschichte ein Ende. Doch für den Dresdner Hotelier beginnt nach dieser Aktion der große Rummel. Tageszeitungen und Fernsehsender wollen ein Interview mit ihm haben, immer und immer wieder muss er die Geschichte erzählen. „Dabei ist das ja nichts Besonderes“, sagt Johannes H. Lohmeyer. „Alle Dresdner Kollegen, die ich kenne, handeln genauso. Mit Nazis machen wir keine Geschäfte.“ Für preiswürdig hält sich der 43-Jährige, der seit zwölf Jahren in Dresden das Hotel leitet, wohl auch deshalb nicht. „Die Aufregung hat mich wirklich überrascht“, sagt er. „Dadurch, dass ich den Brief öffentlich gemacht habe, wurde der Druck auf die NPD sehr groß. Das alles hat dann zum Erfolg geführt.“ Wenn er den Brief noch einmal schreiben könnte, würde er sich dazu allerdings ein bisschen mehr Zeit nehmen. „Er müsste auf jeden Fall pointierter sein. Im Nachhinein sind mir noch viele Formulierungen eingefallen, die ich unbedingt verwenden würde.“

Bis heute kommen täglich viele Briefe, Karten und Mails an. „Menschen aus der ganzen Welt schreiben mir“, sagt Johannes H. Lohmeyer. Zum Teil erzählen sie ihre eigenen Geschichten über Begegnungen mit Rechtsradikalen, zum anderen erzählen sie ihre Familiengeschichten. Eine ältere Dame aus New York beispielsweise teilt Johannes H. Lohmeyer mit, dass „sie beim Lesen seiner Zeilen Gänsehaut bekommen hat“.



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