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Panorama
Donnerstag, 21. September 2006

Tote bringen mehr

Belgrader Ärzte ließen Patienten sterben für Geld vom Bestatter

Von Thomas Brey

Es ist eine Geschichte wie aus dem Horrorkabinett: Ausgerechnet in der Erste-Hilfe-Ambulanz der serbischen Hauptstadt Belgrad sollen zwei Ärzte durch unterlassene Hilfe den Tod Dutzender Patienten verschuldet haben, um von Bestattungsunternehmen „Provisionen“ zu erhalten.

Belgrad - Der Ambulanz-Direktor Borko Josifovski hat nach Medienberichten vom Donnerstag die beiden Mediziner beschuldigt, seit April durch den Verzicht auf Wiederbelebung den Tod von wenigstens 49 Kranken verursacht zu haben. Die beiden Ärzte hätten dann private Beerdigungsunternehmen vom Ableben informiert und dafür jeweils bis zu 200 Euro „Belohnung“ erhalten.

Der Ambulanz-Direktor ist inzwischen vom Gesundheitsministerium entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft hat erste Ermittlungen aufgenommen. Den beschuldigten Ärzten wurde zunächst das Gehalt um 10 Prozent gekürzt. „Ärzte im Dienst der Bestatter“ und „Der Tod ist das beste Geschäft“, titelte die Zeitung „Kurir“. Allein 16 Mediziner sollen mit privaten Bestattern eine Abmachung haben, berichtete die Zeitung „Blic“. Die übrigen Mediziner in der Belgrader Erste-Hilfe- Zentrale sind geschockt. „Wir sind doch keine Monster“, sagten einige von ihnen. „Wir arbeiten doch verantwortungsvoll!“.

Zahlreiche Zeitungsleser haben die Darstellung des jetzt entlassenen Ambulanz-Chefs in Briefen bestätigt. Sie berichteten von Fällen in ihren Familie, in denen die Ambulanz-Ärzte keinerlei Hilfen oder Medikamente gewährt und stattdessen die Visitenkarte des Bestatters zurückgelassen hätten. „Letztes Jahr ist mein Vater gestorben“, heißt es da zum Beispiel. Während auf die Notärzte lange gewartet werden musste, „erschien der Bestatter drei Minuten nach Feststellung des Todes“.

In der 1,5 Millionen-Metropole Belgrad gibt es über 100 Bestattungsfirmen, die um Aufträge konkurrieren. Nach Informationen aus der Branche sind die Unternehmen, die Ärzten Provisionen für gemeldete Todesfälle zahlen, um ein Vielfaches teurer als der Durchschnitt. Doch die durch den Todesfall erschütterten Verwandten nähmen diese teuren Dienste ohne Preisvergleich in Anspruch.

Ein Grund für den Skandal dürfte auch in den niedrigen Bezügen der Ärzte liegen. Die staatlich beschäftigten Mediziner kommen oft nicht einmal auf 500 Euro. Da sie davon nicht ihr Leben bestreiten können, sind sie auf Nebeneinkünfte angewiesen. (dpa)


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