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Dresden
Freitag, 4. August 2006

"Größter anzunehmender Unfall"


Vogelgrippe. Der Dresdner Zoo fürchtet um seinen Gesamtbestand an Vögeln.

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Ein Trauerschwan (Archivfoto) ist im Dresdner Zoo am gefährlichen Virus H5N1 gestorben. Foto: dpa

Dresden - Als Folge der Vogelgrippe befürchtet der Dresdner Zoo Verluste an Tieren. „Der gesamte Vogelbestand steht auf dem Spiel“, sagte Zoo-Chef Karl-Heinz Ukena am Freitag in Dresden. Das Auftauchen des H5N1-Virus sei der „größte anzunehmende Unfall in einem Zoo“. Unter den Mitarbeitern herrsche große Betroffenheit. Die Anlage im Großen Garten bleibt vorerst geöffnet. Nach anfänglicher Flaute am Morgen lief der Besucherandrang am Mittag wieder normal.

Nach neueren Informationen hatten Zoomitarbeiter bereits am Montag einen toten Trauerschwan entdeckt. Seit Donnerstag steht fest, dass sich das Jungtier mit dem aggressiven Virus H5N1 infiziert hatte - vermutlich mit dem auch für Menschen gefährlichen Asia-Typ. Die Experten gehen davon aus, dass er von Wildvögeln eingeschleppt wurde. Der Zoo liegt in einem großen Park und wird immer wieder von Wildenten frequentiert.

Bislang ist unklar, ob der Dresdner Zoo zur Tötung von Vögeln gezwungen wird. Ein zweiter Verdachtsfall, eine Reiherente, wird derzeit untersucht. Das Ergebnis sollte noch am Freitag vorliegen. Bei einer ersten Untersuchung in Sachsen habe es jedoch keine Hinweise auf eine hochpathogene Variante der Vogelgrippe gegeben, sagte die im Gesundheitsministerium für Tierseuchenbekämpfung zuständige Referatsleiterin Gerlinde Schneider.

Laut Schneider hängt das weitere Vorgehen von der Dynamik der Infektion ab. Bislang sei ein „akutes, frisches Infektionssystem“ nicht nachweisbar. Möglicherweise entscheide die EU über den Fortgang. Dresden sei der erste Fall von Vogelgrippe in einem Zoo Europas. „Wenn noch weitere Fälle folgen, wäre der nächste Schritt, den Dresdner Zoo zu schließen. Die „Entwicklung des Geschehens“ sei ausschlaggebend dafür, ob Vögel gekeult werden müssten.

Zoo-Chef Ukena mag an dieses Szenario nicht denken. Dresden habe in den vergangenen Jahrzehnten einen sehr ausgewählten und seltenen Vogelbestand aufgebaut. „Die Tiere sind uns ans Herz gewachsen.“ Notfalls müssten Vögel evakuiert werden.

Unterdessen sind vor Ort Schutzmaßnahmen angelaufen. Das Elternpaar des toten Schwans wurde isoliert, weitere Vögel kamen in Ställe. Die Tundraanlage - eine begehbare Vogelvoliere - wurde für die Besucher gesperrt. Bei den Tierpflegern ist eine strikte Aufgabenverteilung angeordnet - wer mit Vögeln zu tun hat, darf beispielsweise nicht mehr bei den Raubkatzen arbeiten. Für einige Arten wie die Laufvögel will der Zoo eine Ausnahmegenehmigung von der Stallpflicht beantragen. Der Dresdner Zoo beherbergt auf 13 Hektar Fläche im Großen Garten etwa 3000 Tiere in fast 400 Arten, vor allem Tiere Asiens. Die Vögel sind mit 720 Exemplaren in 112 Arten vertreten. Als Folge der Vogelgrippe befürchtet der Zoo nun einen Rückgang der Besucherzahlen. (dpa)


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